Schlaf

Warum ist guter Schlaf wichtig?

Jeder Mensch schläft ungefähr ein Drittel seines Lebens. Schlaf ist lebenswichtig – für Körper und Geist. Unser Stoffwechsel, unsere Zellen und unsere Abwehrkräfte stärken sich, während wir schlafen. Wir brauchen ausreichend Schlaf, um Kraft für den Alltag zu haben. Aber nicht nur der Körper erholt sich. Unser Gehirn verarbeitet im Schlaf die Eindrücke vom Tag. So können wir uns besser konzentrieren, reagieren, neue Dinge merken und Erinnerungen bilden.  Ein erholsamer Nachtschlaf trägt dazu bei, dass wir am nächsten Morgen ausgeruht sind und am sozialen Leben teilnehmen können.  Damit das gelingt, sind eine ausreichende Schlaf-Dauer und gute Schlaf-Qualität nötig.

Was bedeuten Schlaf-Störungen?

Wieviel Schlaf Menschen brauchen, ist sehr unterschiedlich. Einigen reichen 5 Stunden, andere schlafen über 9 Stunden pro Nacht. Die meisten erwachsenen Menschen fühlen sich nach 7 bis 8 Stunden Schlaf erholt. Allerdings leidet laut einer Studie fast ein Drittel der Deutschen mindestens dreimal in der Woche unter Schlaf-Störungen (Insomnie). Bei den 70- bis 79-Jährigen sind es sogar noch mehr. Das heißt: seit mehreren Wochen können sie lange Zeit nicht einschlafen, obwohl sie müde sind (Einschlaf-Störung). Oder sie wachen mehrmals in der Nacht auf und brauchen länger als 30 Minuten, um wieder einzuschlafen (Durchschlaf-Störung). Dazu gehört auch, morgens zu früh aufzuwachen, obwohl man noch schlafen möchte.

Ursachen für Schlaf-Störungen

Schlaf-Störungen können viele Gründe haben. Einige davon lassen sich mit einfachen Mitteln beheben, zum Beispiel wenn es zu laut, zu hell oder zu unbequem ist. Andere Ursachen lassen sich nicht immer gleich lösen. Dazu gehören körperliche Beschwerden und psychische Belastungen wie Schmerzen, Ärger, Sorgen oder Stress.

Schlaf im Alter und bei Pflegebedürftigkeit

Bei den meisten Menschen ändern sich die Schlaf-Gewohnheiten im Laufe ihres Lebens. Ältere Menschen wachen z. B. nachts häufiger und morgens früher auf. Über den ganzen Tag verteilt nimmt ihr Schlaf-Bedarf aber kaum ab. Sie schlafen zu anderen Zeiten – gehen beispielsweise früher zu Bett oder halten Mittags-Schlaf. Der veränderte Schlaf-Rhythmus ist an sich keine Schlaf-Störung. Eine Schlaf-Störung liegt erst vor, wenn körperliche oder psychische Beschwerden dazu führen, dass man nicht lange oder tief genug schläft.

Mit steigendem Alter, Demenz und Pflegebedürftigkeit steigt das Risiko für Schlaf-Störungen. Gründe dafür sind etwa nächtliche Toiletten-Gänge, Krankheits-Zeichen wie Schmerzen oder unruhige Beine und Nebenwirkungen von Medikamenten. Aber auch psychische Probleme, etwa kreisende Gedanken, können zu Schlaf-Störungen führen. Diese werden noch verstärkt, wenn Menschen körperlich wenig aktiv sind, sich einsam oder unterfordert fühlen. Sind sie zudem noch bettlägerig und verbringen sowohl Tage als auch Nächte nur im Bett, besteht die Gefahr, dass sie das Zeitgefühl verlieren. In der Folge ruhen sie viel, finden aber keinen erholsamen Schlaf mehr.

Menschen mit fortgeschrittener Demenz schlafen zudem nicht mehr so tief. Dabei kann es sogar zu einer sogenannten Tag-Nacht-Umkehr kommen. Die Person mit Demenz ist dann nachts wach und sucht nach einer Beschäftigung. Sie verlässt vielleicht sogar die Wohnung. Tagsüber ist sie dann müde, nickt ein und kann dann abermals nachts nicht einschlafen.

Schlaf-Störungen bei Pflegenden

Bei pflegenden Angehörigen können Sorgen und Stress zu Schlaf-Problemen führen. Oft haben sie viele verschiedene Aufgaben – in der Familie, im Haushalt, im Beruf und bei der Pflege. Mitunter stehen sie zudem mehrmals nachts auf, um etwa beim Umdrehen im Bett oder beim Gang zur Toilette zu helfen. Manchmal ist die pflegebedürftige Person nachts aktiv, sodass auch die Familien-Mitglieder wach bleiben. Hinzu kommt dann vielleicht die Angst, die pflegebedürftige Person könnte stürzen oder sich verlaufen. Dann fällt es oftmals auch schwer, wieder einzuschlafen.

Folgen von Schlaf-Störungen

Viele Menschen mit Schlaf-Störungen fühlen sich erschöpft, können sich schlecht konzentrieren oder leiden an Kopfschmerzen. Sie sind nervös oder gereizt. Wenn Schlaf-Störungen über mehrere Wochen oder sogar Monate anhalten, steigt das Risiko für Erkrankungen wie Infekte, Bluthochdruck, Herz-Rhythmus-Störungen oder Depressionen. Schlaf-Störungen können aber nicht nur zu gesundheitlichen Problemen führen, sondern auch die Pflege-Beziehung stark belasten.

Daher sollten Sie Schlaf-Störungen ernst nehmen. Wie Sie den gesunden Nachtschlaf pflegebedürftiger Personen fördern können, finden Sie in den Tipps gegen unruhige Nächte. Was Sie tun können, um selbst erholt zu schlafen, erfahren Sie in den Tipps für einen guten Schlaf.

QUELLEN
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AKTUALISIERT
am 10.05.2019

AUTORINNEN
S. Garay, D. Sulmann, D. Väthjunker