Medikamente

Welche Risiken birgt die Medikation?

Der richtige Umgang mit Medikamenten (Medikation) ist für den Erfolg der Behandlung von großer Bedeutung. Das heißt, Medikamente müssen richtig verordnet, gestellt, gelagert sowie eingenommen oder verabreicht werden. Dabei können jedoch auch Fehler passieren.

Risikofaktoren für Medikationsfehler

Das Risiko für eine fehlerhafte Medikation steigt, je mehr und je länger Medikamente eingenommen werden. Das betrifft viele ältere Menschen. Laut einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2016 nehmen in Deutschland etwa 42 Prozent der über 65-Jährigen fünf oder mehr rezeptpflichtige Arzneistoffe dauerhaft ein. Man spricht dann von einer Polymedikation. Etwa jeder zweite Patient ab 50 Jahren erhält ärztlich verordnete Schlaf- und Beruhigungsmittel (sogenannte Benzodiazepine und Z-Drugs). Auch Schmerzmedikamente werden älteren Menschen häufiger verordnet als jüngeren.

Formen von Medikationsfehlern

Medikationsfehler können im gesamten Medikationsprozess entstehen und von allen Beteiligten verursacht werden, also zum Beispiel von Ärzten, Pflegenden und Patienten selbst. Werden Medikamente nicht richtig verordnet, gelagert, gestellt, eingenommen oder angewendet, sind das Medikationsfehler. Dazu zählen mangelnde Aufklärung und Informationen des Patienten über Dosierung oder Verabreichung. Sind mehrere Personen beteiligt, können Medikationsfehler auch durch fehlende oder unzureichende Kommunikation verursacht werden. In der professionellen Pflege kann das zum Beispiel beim Personal- oder Schichtwechsel vorkommen. Auch Ablenkung, Zeitdruck oder Verwechslungen können dazu beitragen, dass Medikamente falsch gestellt oder verabreicht werden.

Manchmal kann auch eine sogenannte Non-Compliance bei Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen zu Medikationsfehlern führen. Das bedeutet, dass ärztliche oder pflegerische Empfehlungen zur Medikation nicht eingehalten werden. Dies kann absichtlich oder auch unabsichtlich geschehen, etwa weil die Patienten den Zweck der Behandlung nicht richtig verstehen. Mitunter werden auch zusätzliche Medikamente eingenommen, die nicht ärztlich verordnet sind. Besonders bei älteren Menschen kann Vergesslichkeit dazu beitragen, dass Medikamente nicht oder falsch verwendet bzw. eingenommen werden.

Folgen von Medikationsfehlern

Fehler bei der Medikation können dazu führen, dass die Medikamente nicht den gewünschten Effekt haben.  Stattdessen können sie gar nicht, weniger oder viel zu stark wirken. Das kann zum Beispiel als Wechselwirkung auftreten, wenn mehrere Medikamente sich gegenseitig beeinflussen. Auch Nebenwirkungen können sich verstärken. Dann sind Unverträglichkeiten bis hin zu schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden wie Schwindel, Stürze, Verdauungsstörungen, Herz-Kreislauf-Probleme sowie Schäden an Nieren und Leber möglich. Manchmal kann auch eine körperliche oder seelische Abhängigkeit entstehen.

Nicht selten müssen Patienten aufgrund der Folgen von Medikationsfehlern im Krankenhaus behandelt werden. Etwa fünf Prozent der Krankenhausaufnahmen werden auf unerwünschte Wirkungen von Arzneimitteln zurückgeführt. Letztlich kann eine fehlerhafte Medikation sogar zum Tod führen.

Deshalb ist es wichtig, auf den richtigen Umgang mit Medikamenten zu achten.

Bundeseinheitlicher Medikationsplan

Um die Sicherheit bei der Medikation zu erhöhen, wurde der sogenannte bundeseinheitliche Medikationsplan eingeführt. Gesetzlich Krankenversicherte haben einen Anspruch auf einen solchen Medikationsplan, der vom behandelnden Arzt ausgestellt wird. Voraussetzung ist, dass sie mindestens drei Medikamente einnehmen oder anwenden, die über den Blutkreislauf wirken. Im Medikationsplan müssen sowohl die verordneten als auch die selbstangewendeten Arzneimittel stehen. Ziel ist es, die gesamte Medikation übersichtlich und für den Patienten verständlich darzustellen.

QUELLEN
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AKTUALISIERT
am 1. März 2019

AUTORINNEN
N. Kossatz, D. Sulmann