Medikamente

Welche Risiken birgt die Medikation?

Viele ältere und pflegebedürftige Menschen nehmen regelmäßig Medikamente ein. Der richtige Umgang mit Medikamenten (Medikation) ist für den Erfolg der Behandlung sehr wichtig. Eine falsche Medikation kann hingegen erheblich schaden. Von Medikations-Fehlern spricht man, wenn Medikamente nicht richtig verordnet, gelagert, gestellt, eingenommen oder angewendet werden.

Risikofaktoren für Medikations-Fehler

Das Risiko für eine fehlerhafte Medikation steigt, je mehr und je länger Medikamente eingenommen werden. Das betrifft viele ältere Menschen. In Deutschland nehmen mehr als 40 Prozent der über 65-Jährigen fünf oder mehr rezeptpflichtige Arzneistoffe dauerhaft ein. Das wird als Poly-Medikation bezeichnet. Oftmals sind darunter Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie Schmerzmittel. Unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen sind hierbei besonders wahrscheinlich. Zudem steigt das Risiko, körperlich oder seelisch abhängig zu werden.

Medikations-Fehler können im gesamten Medikations-Prozess entstehen und von allen Beteiligten verursacht werden. Dazu gehören Ärztinnen und Ärzte, Apotheken, professionell Pflegende, Angehörige und die Patientinnen und Patienten selbst. Je mehr Personen an dem Medikations-Prozess beteiligt sind, umso höher ist auch das Risiko für Medikations-Fehler. Mangelnde Informations-Weitergabe, Ablenkung, Zeitdruck und Wissenslücken tragen dazu bei.

Besonders bei älteren Menschen kann Vergesslichkeit ein Grund dafür sein, dass Medikamente falsch verwendet werden.

Manchmal führt auch eine sogenannte Non-Compliance zu Medikations-Fehlern. Das bedeutet, dass ärztliche oder pflegerische Empfehlungen zur Medikation nicht eingehalten werden. Dies kann absichtlich oder unabsichtlich sein, etwa weil der Zweck der Behandlung nicht richtig verstanden wird.

Folgen von Medikations-Fehlern

Medikations-Fehler können dazu führen, dass die Medikamente nicht den gewünschten Effekt haben. Stattdessen wirken sie gar nicht, weniger oder viel zu stark. Das tritt zum Beispiel als Wechselwirkung auf, wenn mehrere Medikamente sich gegenseitig beeinflussen. Auch Nebenwirkungen können sich verstärken. Dann sind Unverträglichkeiten bis hin zu schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden möglich.  Schwindel, Stürze, Verdauungs-Störungen, Herz-Kreislauf-Probleme sowie Schäden an Nieren und Leber können auftreten. Manchmal kann auch eine körperliche oder seelische Abhängigkeit entstehen.

Nicht selten müssen Patientinnen und Patienten aufgrund von Medikations-Fehlern im Krankenhaus behandelt werden. Etwa fünf Prozent der Krankenhausaufnahmen werden auf unerwünschte Wirkungen von Arzneimitteln zurückgeführt. Ein Viertel davon wären vermeidbare Medikations-Fehler. Letztlich kann eine fehlerhafte Medikation sogar zum Tod führen.

Deshalb ist es wichtig, auf den richtigen Umgang mit Medikamenten zu achten.

Bundeseinheitlicher Medikationsplan

Um die Sicherheit bei der Medikation zu erhöhen, wurde der bundeseinheitliche Medikationsplan eingeführt. Gesetzlich Krankenversicherte haben einen Anspruch auf einen solchen Medikationsplan. Das gilt, wenn sie mindestens drei Medikamente anwenden, die über den Blutkreislauf wirken. Der Medikationsplan wird von der Ärztin oder dem Arzt ausgestellt. Darin müssen sowohl die verordneten als auch die selbstangewendeten Arzneimittel stehen. Ziel ist es, die gesamte Medikation übersichtlich und für die Patientin oder den Patienten verständlich darzustellen.

QUELLEN
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AKTUALISIERT
am 06. August 2019

AUTORINNEN
S. Garay, N. Kossatz,
D. Sulmann