Hygiene

Warum ist Hygiene wichtig?

Hygiene ist entscheidend, um die Verbreitung von Krankheitserregern zu vermeiden und Infektionsrisiken zu senken. Erreger wie Viren, Bakterien oder Pilze werden über verschiedene Wege übertragen: etwa beim Husten und Niesen, über Hände, Gegenstände, Körpersekrete und Lebensmittel. Ältere pflegebedürftige Menschen können solche Erreger nicht so gut abwehren wie junge, gesunde Menschen. Daher sind sie anfällig für Infektionen, etwa der Atemwege, der Harnwege oder von Wunden. Gleichzeitig besteht bei Pflegenden das Risiko, sich selbst anzustecken sowie auch die Gefahr, Krankheitserreger an andere weiterzugeben.

Konsequente Hygiene ist eine wirksame Maßnahme um pflegebedürftige Menschen vor Infektionen zu schützen sowie die Ansteckung von Pflegenden zu vermeiden.

Wissen zu Corona-Infektionen
Auf der ZQP-Infoseite finden Sie Informationen und Tipps für pflegende Angehörige zum Schutz vor dem Corona-Virus. Speziell für professionell Pflegende hat das ZQP hierzu Informationen auf www.zqp.de zusammengestellt.

Ursachen für Infektionen in der Pflege

Die Übertragung von Krankheiten geht immer von einer sogenannten Erregerquelle aus. Damit ist der Ort gemeint, an dem sich die Erreger befinden, bevor sie auf eine andere Person übertragen werden. Erregerquellen sind – je nach Art der Krankheitserreger – zum Beispiel die Schleimhäute, die Luft, Essen und Getränke, oder Gegenstände. Die Übertragung der Erreger, zum Beispiel von Person zu Person, wird auch als Infektionskette bezeichnet.

Bakterien und Viren können beispielsweise durch kleinste Speicheltröpfchen in der Luft, am häufigsten durch Berührung wie Händeschütteln (direkt) oder das Anfassen von Gegenständen (indirekt) übertragen werden. Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung erhöht sich mit der Nähe und Dauer des Kontakts mit einer infizierten Person.

Trotz Kontakt mit Krankheitserregern steckt man sich jedoch nicht automatisch an: Dies hängt mit dem körpereigenen Immunsystem und Vorerkrankungen zusammen. Auch Umgebungsfaktoren können die Infektionsgefahr beeinflussen – etwa die Möglichkeit, sich die Hände zu reinigen oder die Belüftung im Raum. Und auch die Übertragungsfähigkeit spielt eine große Rolle: Einige Erreger sind bereits hochansteckend, wenn man ihnen nur für kurze Zeit ausgesetzt ist.  Andere werden zum Beispiel erst durch engen und langen Körperkontakt übertragen.

Risiken für Pflegebedürftige

Im Alter ist das Immunsystem schwächer und erholt sich langsamer als in jüngeren Jahren. Ältere pflegebedürftige Menschen können Erreger nicht mehr so gut abwehren. Zudem bestehen bei älteren pflegebedürftigen Menschen oftmals chronische Leiden wie Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie haben deshalb ein höheres Risiko, an Infektionen zu erkranken, als jüngere Menschen. Zudem können bestimmte Medikamente die Abwehrkräfte des Körpers schwächen, zum Beispiel sogenannte Immunsuppressiva wie Kortison. Gleiches gilt für Schlafmangel, Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel.

Studien zeigen, dass sich ältere Menschen häufiger mit bestimmten Infektionskrankheiten anstecken als jüngere. Dazu gehören Harnwegsinfekte, Lungenentzündungen, Gürtelrosen, bakterielle Gehirnhautentzündungen oder Hautinfektionen. Das Risiko, an einem solchen Infekt zu sterben, ist im Alter um ein Dreifaches erhöht.

Das Risiko einer Ansteckung wird auch durch die Wohnsituation beziehungsweise die Kontaktpersonen in der Wohnumgebung beeinflusst. Gerade bei der professionellen Pflege kann es aufgrund der Kontaktnähe, -häufigkeit und -dauer leicht zur Übertragung von Krankheitserregern kommen. In Pflegeheimen können sich Bewohnerinnen und Bewohner untereinander anstecken.

Bei älteren pflegebedürftigen Menschen ist zu beachten, dass Infektionen mitunter untypische Symptome zeigen. Wenn sie dadurch spät erkannt werden, kann das die Behandlung verzögern und negative Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben.

Multiresistente Erreger und Krankenhaus-Infektionen

Ein geschwächtes Immunsystem, bestimmte Erkrankungen oder das Vorliegen mehrerer Erkrankungen gleichzeitig (auch Multimorbidität genannt) sind Risikofaktoren für eine Infektion mit einem multiresistenten Erreger. Multiresistent bedeutet, dass der Erreger unempfindlich gegen viele gängige Medikamente (sogenannte Antibiotika) ist. In dem Fall kann zum Teil auf Reserve-Antibiotika zurückgegriffen werden. Je häufiger solche jedoch eingesetzt werden, umso größer ist die Gefahr, dass Erreger auch gegen diese Mittel resistent werden. Für gesunde Menschen sind multiresistente Erreger in der Regel ungefährlich. Sie können diese Keime aber an andere Menschen weitergeben.

Entstehen Infektionen im Krankenhaus oder in Pflegeeinrichtungen, spricht man von nosokomialen Infektionen. In Deutschland infizieren sich jährlich 400.000 bis 600.000 Menschen damit. Die häufigsten nosokomialen Infektionen sind Lungenentzündungen, Harnwegs- und Wundinfektionen. Sie machen 80 Prozent der Infektionen aus, die im Krankenhaus oder in der Pflegeeinrichtung erworben wurden. Auch in der häuslichen Pflege besteht die Gefahr, mit Krankheitserregern in Kontakt zu kommen. Gerade wenn Erkrankungen wie Diabetes, Herzschwäche, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder chronische Wunden bestehen und Zugänge wie Katheter oder Ernährungssonden zum Einsatz kommen, ist das Infektionsrisiko erhöht.

Risiken für Pflegende

Durch ihre Arbeit haben Pflegende engen Kontakt mit Menschen. Dabei können sie auch vermehrt mit Krankheitserregern in Berührung kommen und sich selbst anstecken. Bei professionell Pflegenden, die mehrere Personen versorgen, besteht neben der Möglichkeit der eigenen Ansteckung zudem das Risiko, Erreger von einer Person zur anderen zu übertragen. Das kann die Gesundheit für die zu pflegenden Personen erheblich gefährden.

Aber auch die eigene Ansteckung mit Krankheitserregern ist bei professionell Pflegenden nicht selten. Laut der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) liegen berufsbedingte Infektionskrankheiten unter allen Berufskrankheiten, zum Beispiel der Haut oder des Rückens, an dritter Stelle. Das zeigt, dass Hygiene- und weitere Arbeitsschutzmaßnahmen für Pflegende unabdingbar sind.

Wie viele pflegende Angehörige sich bei ihrem pflegebedürftigen Familienmitglied mit Krankheitserregern anstecken, lässt sich nur schwer ermitteln und ist derzeit nicht bekannt.

QUELLEN
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AKTUALISIERT
am 08. Januar 2021

AUTORINNEN
S. Garay, N. Kossatz, D. Sulmann