Bedeutung

Was ist Prävention in der Pflege?

Prävention heißt Vorbeugung. Prävention in der Pflege bedeutet also, gesundheitlichen Problemen bei pflegebedürftigen und bei pflegenden Menschen vorzubeugen. Gezielte präventive Maßnahmen senken Risiken für Krankheiten und Gebrechlichkeit. Bis ins hohe Lebensalter und auch bei Pflegebedürftigkeit kann Prävention nützen.

Wichtig
Prävention ist ein Angebot, auf das jeder ein Recht hat. Genauso hat aber auch jeder das Recht, präventive Angebote abzulehnen und gesundheitliche Risiken in Kauf zu nehmen. Bei Prävention darf es nicht zu Bevormundung oder Zwang kommen.

Ansätze und Arten der Prävention

Es gibt zwei Ansätze von Prävention: Bei der Verhaltensprävention wirken die präventiven Maßnahmen auf das Verhalten des Menschen ein, etwa im Bereich Bewegung, Ernährung oder Hygiene. Die Verhältnisprävention setzt bei den Lebensumständen des Menschen an, etwa bei der Wohnumgebung oder den Arbeitsbedingungen.

Je nach Zeitpunkt der Prävention unterscheidet man:

  • Primäre Prävention: Die präventiven Maßnahmen setzen vor einer Erkrankung oder Pflegebedürftigkeit an.
  • Sekundäre Prävention: Die präventiven Maßnahmen setzen im Frühstadium einer Erkrankung an.
  • Tertiäre Prävention: Die präventiven Maßnahmen setzen bei und nach einer Erkrankung oder Pflegebedürftigkeit an (Rehabilitation).

Ziel von Gesundheitsförderung

Gesundheitsförderung ist eng mit Prävention verknüpft. Sie hat das Ziel, die allgemeine Gesundheit zu stärken und die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern. Gesundheitsförderung bedeutet, das Wissen der Menschen über eine gesunde Lebensweise zu verbessern und gesundes Verhalten zu fördern.

Nutzen von Prävention für Pflegebedürftige

In Deutschland sind etwa 3,4 Millionen Menschen offiziell pflegebedürftig. Das heißt, dass sie Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten. Viele pflegebedürftige Menschen sind chronisch krank und benötigen täglich Unterstützung.

Prävention kann einen hohen Nutzen für diese Menschen haben: Sie fördert die Gesundheit, die Selbstständigkeit und damit die Lebensqualität. Gezielte präventive Maßnahmen helfen, gesundheitliche Risiken zu senken. Sie können zum Beispiel die Gefahr von Stürzen, Infektionen, Mangelernährung, Flüssigkeitsmangel oder Hautproblemen reduzieren. Geistige und körperliche Fähigkeiten werden durch gezielte präventive Maßnahmen möglichst lange erhalten oder sogar zurückgewonnen. Der Hilfebedarf schreitet dann nicht so schnell fort.

Nutzen von Prävention für Pflegende

Etwa 4,7 Millionen Menschen in Deutschland pflegen einen Angehörigen. Über 1,1 Millionen Personen sind in Pflegediensten und in Pflegeeinrichtungen beschäftigt.

Pflegende Angehörige und professionell Pflegende sind oftmals körperlich und seelisch stark gefordert. Schweres Heben und die gleichzeitige Bewältigung  verschiedener Aufgaben gehören häufig zu ihrem Alltag. Zudem müssen sie oftmals zu allen Tages- und Nachtzeiten einsatzbereit sein, was ihre Arbeit zusätzlich erschwert. Daneben sind zu viel Verantwortung, wenig Zeit für sich selbst oder fehlendes Fachwissen mögliche Auslöser für Gesundheitsprobleme. Pflegende Angehörige leiden häufiger als Nicht-Pflegende unter gesundheitlichen Problemen, seelischen Belastungen, Rückenschmerzen oder Schlafstörungen. Prävention hilft, die Gesundheit Pflegender zu schützen.

QUELLEN
Bestmann, B., Wüstholz, E., & Verheyen, F. (2014). Pflegen: Belastung und sozialer Zusammenhalt. Eine Befragung zur Situation von pflegenden Angehörigen. WINEG Wissen 04. Hamburg: Techniker Krankenkasse.
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AKTUALISIERT
am 2. Januar 2019

AUTOREN
N. Kossatz, D. Sulmann, D. Väthjunker