Atmung

Weshalb ist der Schutz der Atemwege wichtig?

Über die Atemwege wird der Körper mit Sauerstoff versorgt. Mund, Nase mit Nasen-Nebenhöhlen und Rachen gehören zu den oberen Atemwegen. Kehlkopf, Luftröhre sowie Bronchien und Lungenbläschen (Alveolen) bilden die unteren Atemwege. Sind die Schleimhäute der Atemwege mit Krankheitserregern befallen, spricht man von einem Atemwegsinfekt.

Das Risiko für Atemwegsinfekte ist bei älteren, pflegebedürftigen und vorerkrankten Menschen höher als bei jüngeren Menschen ohne Pflegebedarf oder Vorerkrankungen. Gleichzeitig ist im Alter das Risiko für einen schweren Verlauf eines Atemwegsinfekts erhöht.

Deshalb ist es wichtig, Atemwegsinfekten vorzubeugen. Dabei spielt im Umgang mit älteren, pflegebedürftigen und vorerkrankten Personen die Einhaltung der Hygiene-Regeln eine wichtige Rolle.

Das neuartige Corona-Virus, SARS-CoV-2, kann eine Atemwegs- Erkrankung auslösen. Auf der ZQP-Infoseite erhalten pflegende Angehörige konkretes Wissen und Tipps zum Schutz vor dem Corona-Virus. Professionell Pflegende finden auf www.zqp.de ausführliche Informationen und Hinweise zum Umgang mit der Corona-Pandemie. 

Ursachen für Atemwegsinfekte

Atemwegsinfekte entstehen durch Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Pilze. Die Erreger werden in der Regel von Mensch zu Mensch durch Sprechen, Husten und Niesen (Tröpfchen-Infektion) oder über die Hände übertragen (Schmier-Infektion).  Über die Schleimhäute in Mund und Nase können sie sich in den Atemwegen weiter ausbreiten. Manche Bakterien, Viren und Pilze sind über die Bindehaut der Augen übertragbar.

Der Kontakt mit einem Krankheitserreger allein löst allerdings noch keine Entzündung aus: Krank wird man erst, wenn die Abwehrkräfte nicht stark genug sind. Dann können sich die Erreger vermehren und damit eine Infektion verursachen. Diese kann zum Beispiel als Erkältung mit Schnupfen und Halsschmerzen, Bronchitis mit Husten oder als Lungenentzündung auftreten.

Eine Lungenentzündung kann außerdem entstehen, wenn Nahrung oder Flüssigkeit in die die Lunge gelangen (Aspirations-Pneumonie). Gefährdet sind vor allem ältere Menschen mit Schluckproblemen und Bewusstseinsstörungen, etwa nach einem Schlaganfall oder bei einer fortgeschrittenen Demenz.

Risikofaktoren für Atemwegsinfekte im Alter

Ältere pflegebedürftige Menschen sind anfälliger für Atemweginfekte als jüngere, gesunde und mobile Menschen. Mit steigendem Alter und bei Pflegebedürftigkeit ist das Immunsystem schwächer und erholt sich langsamer als in jüngeren Jahren. Chronische Krankheit und Bettlägerigkeit erhöhen das Risiko für einen Atemwegsinfekt sowie für einen schweren Verlauf des Infekts. Zu den chronischen Krankheiten zählen zum Beispiel Asthma, chronische Bronchitis, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Diabetes, Herzschwäche, Krebs, Nierenerkrankung.

Zudem können bestimmte Medikamente die Abwehrkräfte des Körpers schwächen, zum Beispiel sogenannte Immunsuppressiva wie Kortison. Gleiches gilt für Schlafmangel, Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel.

Die Entstehung von Atemwegsinfekte wird zudem begünstigt, wenn die Atmung über längere Zeit flach ist, etwa aufgrund von Schmerzen oder Bettlägerigkeit. Das hat zur Folge, dass Teile der Lunge nicht richtig belüftet werden und sich Schleim in den unteren Atemwegen sammeln kann. Wenn dieser nicht kräftig abgehustet werden kann, verbleibt er dort. Dann können sich Krankheitserreger leicht darin vermehren und eine Entzündung auslösen.

Folgen von Atemwegsinfekten

Infekte der oberen Atemwege wie Erkältungen sind mitunter unangenehm, aber in der Regel nicht gefährlich. Dennoch können mitunter Komplikationen und Folgeerkrankungen auftreten: zum Beispiel Nasennebenhöhlen-Entzündung, Mittelohr-Entzündung, Verschlechterung einer Asthma-Erkrankung, Entzündung der Luftröhre, der Bronchien oder der Lunge.

Für Menschen mit Vorerkrankungen und Pflegebedarf können Atemwegsinfekte besonders dann zusätzlich belastend und entkräftigend sein, wenn Atemprobleme und Schmerzen bestehen. Infekte der unteren Atemwege können zu Sauerstoffmangel führen.

Fast die Hälfte der Menschen mit einer Lungenentzündung erkranken so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Jede zehnte Person verstirbt dort daran. Das betrifft vor allem Ältere. Gleichzeitig zeigen sich bei ihnen die Anzeichen oft schwächer oder anders als bei jüngeren Menschen: Klagen junge Menschen mit einer Lungenentzündung über Husten und Fieber, kann es sein, dass eine ältere Person mit einer Lungenentzündung verwirrt ist oder erbricht. Das kann dazu führen, dass eine Entzündung der unteren Atemwege zunächst unentdeckt und damit unbehandelt bleibt.

Laut dem statistischen Bundesamt starben in Deutschland im Jahr 2018 über 20.000 Menschen an einer Lungenentzündung. Damit gehört die Lungenentzündung hierzulande zu den 10 häufigsten Todesursachen.

QUELLEN
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) (2014). DEGAM-Leitlinie Nr. 11: Husten. AWMF-Registernr. 053-013. Link [Aufgerufen am 09.07.2020]
Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie, Deutsche Gesellschaft für Infektiologie, Kompetenznetzwerk CAPNETZ, Österreichische Gesellschaft für Pneumologie, Österreichische Gesellschaft für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin, Schweizerische Gesellschaft für Pneumologie (Hrsg.) (2016). Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie und Prävention – Update 2016. S3-Leitlinie. Pneumologie. 70, 151-200. Link [Aufgerufen am 09.07.2020]
Kolditz, M., Ewig, S. (2017). Ambulant erworbene Pneumonie bei Erwachsenen.
Deutsches Ärzteblatt International,114(49), 838–48. Link [Aufgerufen am 09.07.2020]
Kolditz, M., Tesch, F., Mocke, L., Höffken, G., Ewig, S., Schmitt, J. (2016). Burden and risk factors of ambulatory or hospitalized CAP: A population based cohort study. Respiratory Medicine, 121, 32–38. doi: 10.1016/j.rmed.2016.10.015
Prosiegel, M., Weber, S. (2018). Medizinische Folgen von Dysphagien. In M. Prosiegel, S. Weber (Hrsg.). Dysphagie. Praxiswissen Logopädie. Springer, 135-146. doi: 10.1007/978-3-642-35104-4
Schaaf, B., Azzaui, H., Lorenz, J., Schulze-Raestrup, U. (2015). Epidemiologie der stationär behandelten ambulant erworbenen Pneumonien in Deutschland. Pneumologe, 12(2), 101-109. doi: 10.1007/s10405-014-0825-5
Statistisches Bundesamt (Hrsg.) (2020). Todesursachenstatistik. Gestorbene: Deutschland, Jahre, Todesursachen. Link [Aufgerufen am 09.07.2020]
Zanuzdana, A., Köpke, K., Haas, W. (2016). Influenza und ambulant erworbene Pneumonie in hausärztlich tätigen Arztpraxen in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 59(11), 1492-1502. Link [Aufgerufen am 09.07.2020]

AKTUALISIERT
am 09. September 2020

AUTORINNEN
S. Garay, N. Kossatz,
D. Sulmann