Atmung

Weshalb ist der Schutz der Atemwege wichtig?

Die Atmung ist lebenswichtig für uns. Durch sie werden Körper und Organe mit Sauerstoff versorgt. Die Bereiche des Körpers, die während der Atmung mit Luft durchströmt werden, bezeichnet man als Atemwege. Mund, Nase mit Nasen-Nebenhöhlen und Rachen gehören zu den oberen Atemwegen. Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien und die Lunge bilden die unteren Atemwege.

Um die Atemwege vor Infekten zu schützen, ist eine gesunde Lebensweise wichtig: nicht rauchen, ausreichend trinken, ausgewogen essen und regelmäßig bewegen. So kann sich der Körper besser gegen Krankheits-Erreger wehren. Das gilt für pflegebedürftige ebenso wie für gesunde Menschen. Doch bei pflegebedürftigen Menschen ist das Risiko für Infektionen der Atemwege erhöht. Gezielte Maßnahmen tragen dazu bei, Atemwegs-Infekten vorzubeugen.

Risiko für Atemwegs-Infekte bei Pflegebedürftigkeit

Die Abwehrkräfte werden mit steigendem Alter und Pflegebedürftigkeit schwächer. Damit ist der Körper anfälliger für Krankheits-Erreger. Gründe dafür können z. B. Bettlägerigkeit und chronische Krankheiten wie Diabetes, Herz- oder Lungen-Erkrankungen sein. Gerade Menschen mit Asthma oder chronischer Bronchitis (COPD) sind gefährdet für Atemwegs-Infekte. Auch bestimmte Medikamente können die Abwehr herabsetzen. Gleiches gilt für Schlafmangel, Mangelernährung oder Flüssigkeitsmangel.

Besonders hoch ist das Risiko für Atemwegs-Infekte bei pflegebedürftigen Menschen, die sich wenig bewegen können oder starke Schmerzen haben. Sie atmen meist weniger tief. Das führt dazu, dass Teile der Lunge nicht richtig belüftet werden. In der Folge kann sich Schleim in den unteren Atemwegen sammeln. Nicht selten sind pflegebedürftige Menschen zu schwach, diesen Schleim herauf zu husten. Dann können sich Krankheits-Erreger leicht darin vermehren und eine Entzündung auslösen.

Ursachen für Atemwegs-Infekte bei Pflegebedürftigkeit

Atemwegs-Infekte entstehen meistens durch Krankheits-Erreger wie Bakterien, Viren oder Pilze. Sie gelangen über die Hände auf die Schleimhäute in Mund oder Nase und dann tiefer in die Atemwege. Sind die Abwehrkräfte nicht stark genug, lösen sie eine Entzündung aus: z. B. eine Erkältung mit Schnupfen und Halsschmerzen, eine Bronchitis mit starkem Husten oder sogar eine schwere Lungen-Entzündung (Pneumonie) mit hohem Fieber.

Falsch verschluckte Nahrungsreste oder Flüssigkeiten können ebenfalls in die Lunge gelangen und sich dort entzünden. Fachleute sprechen dann von einer „Aspirations-Pneumonie“. Davon sind vor allem ältere Menschen mit Schluck-Problemen betroffen, etwa bei einer fortgeschrittenen Demenz oder nach einem Schlaganfall.

Folgen von Atemwegs-Infekten

Infekte der oberen Atemwege mit Schnupfen oder Halsschmerzen beeinträchtigen zwar das Wohlbefinden, sind in der Regel aber nicht gefährlich. Wenn sich die Erreger allerdings weiter im Körper ausbreiten, kann das gefährliche Folgen haben: das Mittelohr, die Gehirnhaut, das Herz oder die Lunge können sich entzünden. Fast die Hälfte der Menschen mit einer Lungen-Entzündung erkranken so schwer, dass sie im Krankenhaus mit Antibiotika behandelt werden müssen. Das betrifft vor allem Ältere. Gleichzeitig zeigen sich bei ihnen die Anzeichen für einen Infekt oft schwächer oder anders als bei jüngeren Menschen. Das kann dazu führen, dass eine Entzündung der unteren Atemwege lange unentdeckt bleibt. Gerade in höherem Alter und bei chronischen Erkrankungen können solche Infekte aber sehr bedrohlich sein und sogar zum Tod führen. Im Jahr 2016 starben in Deutschland etwa 19.000 Menschen an einer Lungen-Entzündung.

QUELLEN
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AKTUALISIERT
am 5. April 2019

AUTORINNEN
S. Brzezinski, D. Sulmann,
D. Väthjunker