Alltag

Wie wirkt sich eine Demenz aus?

Wie sich eine Demenz auswirkt, ist individuell verschieden. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle: beispielsweise die Form der Demenz, der Zeitpunkt der Diagnose sowie Möglichkeiten der Behandlung. Und nicht zuletzt kommt es auch auf die Lebenssituation und die Unterstützung durch das Umfeld an. Im Allgemeinen wirkt sich eine Demenz auf verschiedene Lebensbereiche aus.

Alltag

Für Menschen mit Demenz wird es mit fortschreitender Erkrankung schwieriger, den Alltag selbstständig zu bewältigen: Sie finden sich oftmals örtlich und zeitlich nicht zurecht, erkennen ehemals vertraute Personen nicht oder vergessen wichtige Absprachen und Termine. Gegenstände, aber auch Gefahren werden möglicherweise verkannt. Neben kognitiven Beeinträchtigungen können körperliche Symptome auftreten, z. B. Bewegungsstörungen, Inkontinenz und Schluckprobleme. Dadurch ist es zusätzlich erschwert, den Alltag selbstständig zu bewältigen. Je stärker die Erkrankung ausgeprägt ist, umso weniger Selbstfürsorge ist in der Regel möglich, z. B. bei der Körperpflege, Ernährung, Medikation, Freizeitgestaltung. Der eigene Haushalt, die Finanzen und behördliche Angelegenheiten sind für Menschen mit fortgeschrittener Demenz nicht zu überschauen und nicht regulierbar. Daher benötigen sie individuelle praktische Unterstützung, um den Alltag möglichst selbstbestimmt und sicher zu gestalten.

Kommunikation

Die Demenz wirkt sich erheblich auf die Kommunikations-Fähigkeit aus: Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass Worte nicht richtig verwendet oder verstanden werden. In der frühen Erkrankungsphase nehmen Menschen mit Demenz dies oft noch wahr. Sie ziehen sich dann vielleicht zurück, reagieren mitunter unsicher, ängstlich, traurig oder auch wütend und aggressiv. Bei einer fortgeschrittenen Demenz verlieren Worte immer mehr an Bedeutung. Mimik und Gestik sind dann wichtige Anhaltspunkte, um zu verstehen, was die Person gerade bewegt und welches Bedürfnis sie hat. Gleichzeitig sind Menschen mit Demenz oftmals durch Berührung, Mimik und Gestik besser erreichbar als mit Worten. Zu einer gelingenden Kommunikation mit Menschen mit Demenz tragen Einfühlungsvermögen, Akzeptanz und Geduld der Menschen in ihrem Umfeld erheblich bei.

Familie und Partnerschaft

Die Diagnose Demenz betrifft oft die ganze Familie und die Partnerschaft. Aufgaben und Rollen ändern sich. Zum einen stehen viele alltagspraktische Herausforderungen aufgrund der Erkrankung im Vordergrund: zum Beispiel die Pflege und Betreuung des Angehörigen, die Organisation des Haushalts, die Begleitung zu Arztterminen, die sichere Anpassung der Wohnung. Auf der anderen Seite gilt es, die Situation auch gefühlsmäßig zu bewältigen. Angehörige können mit vielfältigen Gefühlen konfrontiert sein: zum Beispiel Mitgefühl für den erkrankten Angehörigen, Angst vor anstehenden Aufgaben, Trauer oder Wut über den Verlust der gewohnten Beziehung. Praktische Überlastung und psychische Konflikte der Angehörigen können sich negativ auf deren Gesundheit, aber auch die der pflegebedürftigen Person auswirken. Daher kommt der Unterstützung und Entlastung Angehöriger bei der Pflege und Betreuung eine wichtige präventive Funktion zu.

Soziale Teilhabe

Menschen mit Demenz ist es erschwert, am sozialen Leben teilzunehmen. Zum einen sind kognitive und körperliche Symptome hinderlich, gezielt aktiv zu sein und sich mit anderen auszutauschen. Zum anderen treffen Menschen mit Demenz im öffentlichen Raum mitunter aufgrund ihres Verhaltens auf Unverständnis oder gar Ablehnung. Viele Menschen wissen nicht, wie sie Menschen mit Demenz helfen können. Darum ist es wichtig, das unmittelbare persönliche Umfeld der Person mit Demenz über die Erkrankung zu informieren. Wissen über die Erkrankung und den richtigen Umgang damit tragen dazu bei, Unsicherheiten abzubauen und Menschen mit Demenz offen zu begegnen. Daneben kann es hilfreich sein, zielgruppenspezifische Beschäftigungs- und Freizeitangebote für Menschen mit Demenz zu nutzen.

Ein wichtiger Aspekt der sozialen Teilhabe ist die gesellschaftliche Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung über die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz. Die Initiative Demenz Partner der Deutschen Alzheimer Gesellschaft bietet hierzu Kompaktkurse, die vor Ort oder online durchgeführt werden können.

QUELLEN
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AKTUALISIERT
am 22. April 2021

AUTORINNEN
S. Garay, M. Haeger,
D. Sulmann