Sucht vorbeugen

Tipps zum Umgang mit Suchtmitteln

Bestimmte Medikamente, z. B. Schlaf- Beruhigungs- und Schmerzmittel, sowie Alkohol gehören zu den sogenannten Suchtmitteln. Nimmt man solche Stoffe regelmäßig über einen längeren Zeitraum zu sich, kann man davon körperlich oder psychisch abhängig werden.

Der Missbrauch von solchen Medikamenten kann gesundheitliche Probleme zur Folge haben, z. B. Stürze, Verdauungsstörungen, Inkontinenz. Die dauerhafte Einnahme der Medikamente ebenso wie übermäßiger Alkoholkonsum können unter anderem zu geistigen Einschränkungen sowie Schäden an Nieren und Leber führen. Gerade bei pflegebedürftigen Menschen ist das Risiko zu stürzen durch Alkoholkonsum nochmals erhöht. Schweren Verletzungen können die Folge sein. Risiken und Anzeichen für den Missbrauch von Suchtmitteln bei pflegebedürftigen Menschen sollten daher ernst genommen werden.

Mit gezielten Maßnahmen kann man pflegebedürftige Menschen unterstützen, dem Missbrauch von Suchtmitteln vorzubeugen.

Pflegebedürftige Menschen haben aber auch das Recht, Hilfe abzulehnen. Denn jeder hat das Recht, selbst über sich zu bestimmen – und damit auch eventuell gesundheitliche Risiken in Kauf zu nehmen.

Auf Medikation achten

  • Listen Sie alle Medikamente auf, die regelmäßig eingenommen werden.
  • Holen Sie ärztlichen Rat zur Medikation der pflegebedürftigen Person ein. Das ist besonders wichtig, wenn mehr als vier verschiedene Medikamente pro Tag eingenommen werden.
  • Unterstützen Sie die Person dabei, die Medikamente so einzunehmen, wie ärztlich empfohlen, z. B. Menge, Zeitpunkt.
  • Achten Sie darauf, ob die pflegebedürftige Person bestimmte Medikamente häufiger nimmt als empfohlen.
  • Versuchen Sie herauszufinden, warum die Medikamente zusätzlich eingenommen werden. Sind z. B. Schmerzen oder Schlafstörungen der Grund?
  • Beobachten Sie, ob das Medikament in immer höherer Dosis nachgefragt oder selbst genommen wird.
  • Beobachten Sie, ob die pflegebedürftige Person häufig nervös oder aggressiv wirkt.

Übermäßigen Alkohol-Konsum wahrnehmen

  • Trinkt die Person übermäßig viel Alkohol? Als Richtschnur: Frauen sollten weniger als 12 Gramm und Männer weniger als 24 Gramm reinen Alkohol täglich zu sich nehmen. Ein kleines Glas Bier (0,25 Liter) enthält ungefähr 10 Gramm reinen Alkohol, ein kleines Glas Wein (0,125 Liter) etwa 11 Gramm. Allerdings ist die genaue Grenzwert-Bestimmung schwieriger, da der Körper den Alkohol im Alter anders verarbeitet und weitere Faktoren beachtet werden müssen.
  • Überlegen Sie, wie häufig die pflegebedürftige Person in letzter Zeit alkoholisiert war. Anzeichen können Alkoholgeruch, lallen oder schwanken sein.  War es z. B. täglich, wöchentlich, monatlich?
  • Fällt es der Person sichtlich schwer, keinen Alkohol zu trinken? Nehmen Sie Anzeichen für Alkoholentzug wahr, z. B. Zittern, Aggressivität, Unruhe.

Sorgen ansprechen

  • Sprechen Sie mit der pflegebedürftigen Person über Ihre Bedenken und Sorgen, was den Umgang mit Alkohol oder Medikamenten betrifft.
  • Fällt es Ihnen schwer, den richtigen Anfang zu finden: Sprechen Sie die Person so an, wie Sie selbst gern in einer solchen Situation angesprochen werden wollen.
  • Diskutieren Sie nicht über Mengen oder Folgen. Machen Sie keine Vorwürfe. Fragen Sie, wobei das Medikament oder der Alkohol konkret hilft. Hören Sie aufmerksam zu.
  • Zeigen Sie Verständnis und Mitgefühl für die Situation.
  • Lassen Sie Informationsmaterialien über Sucht und Hilfeangebote bei der pflegebedürftigen Person, z. B. Broschüren.
  • Bieten Sie weitere Gespräche und Unterstützung an.

Beraten lassen

  • Suchen Sie das Gespräch mit dem zuständigen Arzt.
  • Informieren Sie sich bei der Krankenkasse oder privaten Krankenversicherung über Angebote zur Suchtprävention.
  • Nutzen Sie auch anonym und kostenfrei Beratung telefonisch oder vor Ort:
  • Bundesweite Sucht und Drogen-Hotline: 01805/313031
  • Telefonseelsorge: 0800/1110111 oder 0800/1110222 oder 0800/116123
  • Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) vermitteln die Informations- und Beratungstelefone Adressen in Wohnortnähe.

Als professionell Pflegende reagieren

  • Nehmen Sie Anzeichen für übermäßigen Medikamenten- oder Alkoholkonsum wahr, z. B. Alkoholgeruch, lallen, schwanken. Achten Sie auch auf Symptome wie Nervösität, Zittern, Schläfrigkeit, Interessenlosigkeit, Gangunsicherheit und Stürze, Störungen im Denken, depressive Verstimmungen, Aggressivität
  • Dokumentieren Sie Ihre Beobachtungen.
  • Sprechen Sie Auffälligkeiten im Team an. Wenden Sie sich an die Suchtbeauftragte im Team.
  • Informieren Sie den Arzt über die Beobachtungen. Arzt über
  • Sprechen Sie den Bewohner oder Angehörige auf Ihre Beobachtungen an. Bieten Sie Unterstützung an.
  • Nehmen Sie Kontakt mit einer Sucht-Beratungsstelle auf.
  • Nutzen Sie Schulungsangebote zum Thema. Empfohlen wird, eine Person im Team zu schulen. Sie sollte mindestens das örtliche Hilfesystem kennen und im Notfall weitervermitteln.
  • Nehmen Sie auch an Supervision und Fallbesprechungen teil.

QUELLEN
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS). Link [Stand: 30.05.2018]
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS), & BARMER GEK (2013). Alkohol, Medikamente, Tabak: Informationen für die Altenpflege. Hamm/Berlin: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS)/BARMER GEK. Link [Stand: 02.11.2020]
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS). Unabhängig im Alter. Link [Stand: 30.05.2018]
Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin. Sucht im Alter. Link [Stand: 30.05.2018]
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Sucht im Alter. Link [Stand: 30.05.2018]

AKTUALISIERT
am 02. November 2018

AUTOR
N. Kossatz, D. Sulmann

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