Stürze vermeiden

Tipps gegen Stürze

Die Sturzgefahr ist bei pflegebedürftigen Menschen hoch. Je weniger man sich bewegt, umso mehr nehmen Muskelkraft und Bewegungsfähigkeit ab. Damit steigt das Sturzrisiko. Auch Sehschwäche, Bewegungsmangel oder Medikamente, zum Beispiel gegen Bluthochdruck, zur Beruhigung und zum Schlafen erhöhen das Risiko für Stürze. Freiheitseinschränkende Maßnahmen (FEM) wie Bettgitter oder Bettgurte bergen eine besondere Gefahr für Verletzungen. Die sturzgefährdete Person könnte sich Körperteile einklemmen oder aus einer größeren Höhe fallen, wenn sie über das Bettgitter klettert. Werden freiheitseinschränkende Maßnahmen länger angewendet, nehmen Beweglichkeit und Muskelkraft ab. Das erhöht das Risiko, zu stürzen, zusätzlich.

Stürze können Schmerzen, Hautverletzungen, Prellungen oder Knochenbrüche verursachen und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen. Ein Sturz kann so sehr verunsichern, dass der Betroffene künftig allzu vorsichtig handelt und kaum noch vor die Tür geht. Dies kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und bis zur Vereinsamung führen.

Mit gezielten, individuell angepassten Maßnahmen können Sie das Sturzrisiko senken.

Bewegung fördern

  • Erinnern Sie immer wieder daran, wie wichtig Bewegung ist. Regen Sie dazu an, Kraft, Koordination und Balance zu trainieren.
  • Bewegen Sie sich gemeinsam. Gehen Sie nach Möglichkeit regelmäßig zusammen spazieren.
  • Lassen Sie sich Übungen von Fachleuten zeigen, z. B. von einem Arzt, einer Pflegefachkraft oder einem Physiotherapeuten. Erstellen Sie gemeinsam einen sogenannten Bewegungsplan. Darin werden die täglichen Bewegungen notiert.
  • Motivieren Sie, möglichst viel selbst zu tun, z. B. beim Essen oder der Körperpflege.
  • Unterstützen Sie dabei, Bewegungs-Angebote der Krankenkasse oder Gemeinde zu nutzen, z. B. Herz-Kreislauf-Training oder Sitzgymnastik.

Sichere Umgebung schaffen

  • Sorgen Sie für ausreichend Licht. Nachts sind Lampen mit Bewegungsmelder hilfreich.
  • Beseitigen Sie Stolperfallen, z. B. Kabel, Läufer oder Schwellen.
  • Stellen Sie Möbel um, falls nicht genügend Platz ist, um sich mit einem Rollator oder einem Rollstuhl ungehindert zu bewegen.
  • Bringen Sie Haltegriffe oder Handläufe an.
  • Sorgen dafür, dass der Boden eben und nicht zu glatt ist. Nutzen Sie z. B. rutschfeste Fußmatten statt Läufer.
  • Üben Sie den sicheren Umgang mit Gehhilfen, z. B. einem Rollator.
  • Achten Sie darauf, dass Bremsen an Möbeln und Hilfsmitteln festgestellt sind, wenn sie nicht bewegt werden sollen.
  • Stellen Sie die Höhe von Sitzmöbeln und vom Bett passend ein. Nutzen Sie z. B. Sitzauflagen und ein Pflegebett.
  • Verstauen Sie Gegenstände und Kleidung so, dass man sie leicht erreichen kann.
  • Nutzen Sie im Bad einen Duschhocker und erhöhten Toilettensitz.
  • Achten Sie darauf, dass Brille und Hörgeräte verwendet werden, falls diese vorhanden sind. Augen und Ohren sollten regelmäßig untersucht werden.
  • Stellen Sie nachts einen Toilettenstuhl neben das Bett, wenn das WC sonst nicht rechtzeitig erreicht wird.
  • Legen Sie eine Sturzmatte vor das Bett, um Verletzungen bei einem Sturz aus dem Bett vorzubeugen.
  • Stellen Sie das Bett zum Schlafen so niedrig wie möglich. Bei einem Sturz aus dem Bett fällt die pflegebedürftige Person nicht so tief. Bei intakten Gelenken kann stattdessen auch die Matratze direkt auf den Boden gelegt werden.

Auf sichere Kleidung achten

  • Achten Sie auf geschlossene Schuhe mit einer rutschfesten Sohle. Praktisch sind Schuhe mit Klettverschluss. In der Wohnung sind auch rutschfeste Socken geeignet.
  • Wählen Sie bei Blasenschwäche möglichst Kleidung, die einfach an- und auszuziehen ist.
  • Achten Sie darauf, dass die Kleidung gut passt und nicht herunterrutscht. Sonst könnte man stolpern.

Auf Wirkung von Medikamenten achten

  • Achten Sie darauf, wie die Medikamente wirken. Verursachen sie akuten Harndrang? Führen sie zu zeitweiser Verwirrung? Gibt es Wechselwirkungen?  Das ist besonders wichtig, wenn die pflegebedürftige Person mehr als vier verschiedene Medikamente pro Tag nimmt.
  • Holen Sie ärztlichen Rat ein, wenn Sie Nebenwirkungen wie  Tagesmüdigkeit oder Benommenheit vermehrt beobachten.

Fachlichen Rat einholen

  • Fragen Sie Fachleute, wie Sie die Beweglichkeit unterstützen können, z. B. einen Arzt, eine Pflegefachkraft oder einen Physiotherapeuten. Lassen Sie sich beim Bewegungstraining anleiten.
  • Erstellen Sie gemeinsam einen Bewegungsplan. Darin werden die täglichen Aktivitäten notiert.
  • Lassen Sie sich gemeinsam mit der pflegebedürftigen Person zu Gehhilfen beraten, etwa zu einem Rollator. Wenden Sie sich dazu an einen Pflegedienst, ein Sanitätshaus, die Krankenkasse oder private Pflegeversicherung.
  • Nutzen Sie kostenlose Beratung zur sicheren Gestaltung der Wohnung und zum Umgang mit Hilfsmitteln.
  • Veranlassen Sie eine ärztliche Untersuchung, wenn durch einen Sturz Schmerzen oder Verletzungen auftreten.
  • Finden Sie gemeinsam heraus, was den Sturz verursacht hat, z. B. schlechtes Sehen, Schwindel oder Unsicherheit beim Gehen.
  • Fragen Sie einen Arzt oder eine Pflegefachkraft, was Sie gegen die Ursachen des Sturzes tun können.

Hinweis zur professionellen Pflege

Pflegerische Leitlinien und Standards dienen als Richtschnur sowie Handlungshilfe für Pflegefachkräfte. Dazu gehören der Expertenstandard zur Erhaltung und Förderung der Mobilität und der Expertenstandard zur Sturzprophylaxe in der Pflege des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP). Dieser enthält auch Hinweise zur Einschätzung des Sturzrisikos.

Aktuelles Fachwissen zur Sturzprävention in der Pflege erhalten professionell Pflegende zum Beispiel in Fortbildungen, die unter anderem vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) angeboten werden. Zudem bietet die ZQP-Übersicht Bewegungsförderung Orientierung zu bewegungsfördernden Maßnahmen, die für die Umsetzung in Einrichtungen der stationären Langzeitpflege geeignet sind.

QUELLEN
Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) (Hrsg.) (2013). Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege: 1. Aktualisierung 2013 einschließlich Kommentierung und Literaturstudie. Osnabrück.
Balzer, K., Bremer, M., Schramm, S., Lühmann, D., & Raspe, H. (2012). HTA-Bericht 116: Sturzprophylaxe bei älteren Menschen in ihrer persönlichen Wohnumgebung. Köln: Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI).
Sherrington, C, Michaleff, ZA, Fairhall, N, Paul, SS, Tiedemann, A, Whitney, J, Cumming, RG,… Lord, SR(2017). Exercise to prevent falls in older adults: an updated systematic review and meta-analysis. British Journal of Sports Medicine. 51(24:1750-1758. doi: 10.1136/bjsports-2016-096547.

AKTUALISIERT
am 29. April 2019

AUTORINNEN
S. Brzezinski, N. Kossatz, D. Sulmann, D. Väthjunker