Soziale Einbindung unterstützen

Tipps gegen soziale Isolation und Einsamkeit

Soziale Einbindung bedeutet: regelmäßig sozialen Kontakt zu anderen Menschen haben und am sozialen Leben teilhaben. Soziale Einbindung fördert die Gesundheit und kann zudem dazu beitragen, Krankheit und Pflegebedürftigkeit besser zu bewältigen.

In welchem Umfang und in welcher Weise soziale Kontakte gesundheitsförderlich sind, hängt mit den individuellen Bedürfnissen zusammen. Manche Menschen brauchen täglich sozialen Kontakt, damit es ihnen gut geht. Andere sind gerne viel allein. Allgemein gilt: Wer ungewollt sozial isoliert lebt, also wenige positive soziale Kontakte hat, und wer sich einsam fühlt, hat ein erhöhtes Risiko für bestimmte Erkrankungen.

Mit gezielten Angeboten können Sie pflegebedürftige Menschen unterstützen, sozial eingebunden zu sein – und Einsamkeitsgefühlen entgegenwirken.

Spezielle Tipps, wie Sie pflegebedürftige Menschen während der Corona-Pandemie unterstützen können, erhalten Sie auf unserer Infoseite für Angehörige.

Kontakte fördern

Positiv wahrgenommene Kontakte mit anderen Menschen tragen zur Lebensqualität bei. Zum Beispiel können dadurch Gefühle der Zugehörigkeit gestärkt und Einsamkeit entgegengewirkt werden. So können Sie pflegebedürftige Menschen bei sozialen Kontakten unterstützen:

  • Ermutigen Sie die pflegebedürftige Person dazu, aktiv Kontakte aufzunehmen, etwa zu Angehörigen, Bekannten, Nachbarn.
  • Achten Sie darauf, dass das Telefon der pflegebedürftigen Person gut erreichbar und einfach zu bedienen ist. Stellen Sie die Hörer-Lautstärke passend ein. Speichern Sie wichtige Telefonnummern ab, z. B. als Kurzwahltasten. Legen Sie eine Liste mit wichtigen Telefonnummern bereit.
  • Rufen Sie die pflegebedürftige Person regelmäßig an, eventuell auch zu festen Terminen.
  • Regen Sie auch andere an, die pflegebedürftige Person regelmäßig anzurufen oder zu besuchen, etwa Verwandte oder Bekannte.
  • Helfen Sie der pflegebedürftigen Person, auch andere Kommunikationsmittel zu nutzen, wie Video-Telefonie, Briefe oder E-Mails.
  • Unterstützen Sie, regelmäßig das Sehen und Hören prüfen zu lassen. Sorgen Sie bei Bedarf für eine geeignete Brille oder ein Hörgerät.
  • Unterstützen Sie die pflegebedürftige Person dabei, Besuche so zu empfangen, wie sie es gerne hat. Zum Beispiel: Helfen Sie beim Anziehen und Zurechtmachen. Bereiten Sie vielleicht den Kaffeetisch vor.
  • Fragen Sie die pflegebedürftige Person nach ihren Wünschen: Welche Kontakte möchte sie verstärken? Wie könnten Sie konkret helfen? Bestärken Sie die pflegebedürftige Person, vor allem solche Kontakte zu fördern, die sie positiv wahrnimmt.

Aktivität unterstützen

Mit anderen Menschen aktiv sein, kann Freude machen, von Alltagssorgen ablenken und das Gefühl geben, verbunden zu sein. Allerdings ist es für pflegebedürftige Menschen teilweise erschwert, selbstständig aktiv zu sein. So können Sie Aktivität fördern:

  • Gehen Sie regelmäßig mit der pflegebedürftigen Person an die frische Luft. Nutzen Sie, wenn nötig Hilfsmittel, etwa einen Rollator oder einen Rollstuhl.
  • Pflegen Sie Rituale oder Gewohnheiten: Gehen Sie z. B. an einem festen Tag in der Woche in den Park.
  • Unterstützen Sie dabei, Interessen weiter nachzugehen. Lesen Sie z. B. die Tageszeitung vor, lösen Sie gemeinsam Rätsel oder spielen Sie ein Brettspiel.
  • Beziehen Sie die pflegebedürftige Person in Alltagstätigkeiten ein. Kochen Sie z. B. gemeinsam, legen Sie gemeinsam Wäsche zusammen.
  • Begleiten Sie die pflegebedürftige Person zu Terminen außer Haus. Organisieren Sie dafür ggf. einen Fahrdienst, z. B. von ehrenamtlich Helfenden oder Wohlfahrtsverbänden.
  • Ermutigen Sie dazu – wenn trotz Pandemie möglich – an Gruppenaktivitäten teilzunehmen, z. B. an einer Bewegungsgruppe. Solche Angebote gibt es z. B. von Krankenkassen, Nachbarschafts-Treffs, Begegnungsstätten und Religionsgemeinschaften.
  • Besprechen Sie mit der pflegebedürftigen Person, ob ehrenamtliche Unterstützung organisiert werden sollte, etwa für Besuche oder Unternehmungen.
  • Helfen Sie, Friseurtermine und professionelle Fußpflege wahrzunehmen. Viele Dienstleister bieten auch Hausbesuche an.

Eingeschränkte Beweglichkeit und Angst vor Stürzen kann Ursache für einen sozialen Rückzug sein. Um trotzdem mobil zu bleiben, ist es wichtig, Hilfsmittel richtig zu nutzen und für eine sichere Umgebung zu sorgen. Weitere Informationen hierzu finden Sie in unseren Tipps gegen Stürze.

Sicherheit vermitteln

Das Gefühl, allein und hilfebedürftig zu sein, kann verunsichern und belastende Sorgen sowie Ängste auslösen. Mit Fürsorge und Verlässlichkeit können Sie Sicherheit vermitteln. So können Sie zum Beispiel unterstützen:

  • Versichern Sie der pflegebedürftigen Person, dass Sie für sie da sind.
  • Erkundigen Sie sich regelmäßig nach dem Befinden. Regen Sie auch andere an, die pflegebedürftige Person des Öfteren anzurufen oder zu besuchen. Neben Verwandten oder Bekannten könnten das ehrenamtlich Helfende sein. Legen Sie vielleicht bestimmte Tage für Telefonate oder Besuche fest.
  • Platzieren Sie eine Liste mit wichtigen Telefonnummern griffbereit.
  • Besprechen Sie mit der pflegebedürftigen Person, ob die Wohnsituation und Betreuung ihren Bedürfnissen entsprechen. Überlegen Sie gemeinsam, was geändert werden sollte. Nutzen Sie hierzu auch professionelle Beratung zur Organisation der Pflege. Örtliche Adressen können Sie kostenfrei in der ZQP-Beratungsdatenbank recherchieren.

Telefonische Angebote

BMFSFJ-Pflegetelefon: 030 – 20 17 91 31

Hinweis für den Umgang mit Menschen mit Demenz

Menschen mit Demenz haben aufgrund kognitiver Einschränkungen besondere Schwierigkeiten, in sozialen Kontakten zu bleiben und an Aktivitäten teilzunehmen. Sie benötigen gezielte Unterstützung zur sozialen Einbindung, zum Beispiel:

  • Binden Sie die Person mit Demenz soweit wie möglich in alltägliche Aufgaben und Gespräche ein.
  • Bewerten und kommentieren Sie das Verhalten nicht negativ.
  • Nehmen Sie negative Reaktionen der Person mit Demenz nicht persönlich.
  • Informieren Sie das direkte Umfeld über die Demenz und mögliche Symptome, wie Unruhe, Orientierungslosigkeit.
  • Tragen Sie dazu bei, Berührungsängste im Umfeld abzubauen: Klären Sie z. B. über eventuell unerwartetes Verhalten auf, wie Unruhe, lautes Rufen und Orientierungslosigkeit.
  • Unterstützen Sie die Person mit Demenz dabei, vertraute Tätigkeiten beizubehalten.
  • Hängen Sie einen Wochenplan an die Wand, um an geplante Aktivitäten und Kontakte zu erinnern. Eine Vorlage können Sie von der Webseite der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz herunterladen.
  • Organisieren Sie außer Haus Kontakte und Aktivitäten vorausschauend, so dass unnötiger Stress vermieden wird und so Situationen positiv behaftet sind. Planen Sie die Zeit großzügig ein. Sorgen Sie für Utensilien, z. B. Getränk, Inkontinenz-Material, Taschentücher.
  • Verwenden Sie „Verständnis-Karten“. Die kleinen „Hinweisgeber“ können eingesetzt werden, um der Umgebung eventuell irritierendes Verhalten der demenzkranken Person diskret zu erklären. Die Kärtchen können Sie ebenfalls von der Webseite der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz herunterladen.
  • Nutzen Sie gezielt Freizeit- und Begleitungsangebote für Menschen mit Demenz. Adressen erhalten Sie z. B. bei Pflegeberatungsstellen, regionalen Fachstellen für Menschen mit Demenz oder der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft Selbsthilfe Demenz e. V bietet umfangreiche Informationen, Tipps und Beratung zum Umgang mit Menschen mit Demenz:

Alzheimer-Telefon | 030 – 259 37 95 14

Auf Warnsignale für Einsamkeit achten

Einsamkeit ist das Gefühl, allein und nicht mit anderen verbunden zu sein. Ob sich jemand einsam fühlt, ist für andere nicht leicht zu erkennen. Denn: Wer sich einsam fühlt, muss nicht tatsächlich allein sein. Zudem sprechen Menschen, die sich einsam fühlen, vielleicht nicht darüber. Um bei Bedarf gezielt helfen zu können, ist es wichtig, aufmerksam zu sein:

  • Achten Sie auf die Umstände, z. B.: Hat die pflegebedürftige Person kaum soziale Kontakte? Ist die Mobilität sehr eingeschränkt? Fehlt es an Transportmöglichkeiten?
  • Nehmen Sie Anzeichen für Einsamkeit wahr, z. B.: Wirkt die pflegebedürftige Person traurig? Spricht sie davon, sich allein zu fühlen, einsam oder von der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein? Fragen Sie behutsam nach, was die pflegebedürftige Person sich in Bezug auf Kontakte wünscht.
  • Versuchen Sie herauszufinden, woran es liegt, falls sich die pflegebedürftige Person zurückzieht. Fragen Sie auch nach Sorgen, Ängsten sowie Belastungen bei sozialen Kontakten, z. B. in Freundschaften und in der Partnerschaft. Mögliche Gründe können zum Beispiel sein: Schamgefühle aufgrund von Inkontinenz, Depression oder auch Unsicherheit im Umgang mit anderen Menschen, etwa wegen einer beginnenden Demenz.
  • Unterstützen Sie die pflegebedürftige Person dabei, die Umstände zu verändern, die bei ihr zu Einsamkeitsgefühlen beitragen: Fördern Sie z. B. Kontakte und Aktivitäten; Hinweise dazu finden Sie in den oberen Abschnitten.
  • Nutzen Sie professionelle Beratungsangebote. Neben Beratung zur Pflege gibt es z. B. spezielle Angebote zur psychischen Unterstützung für ältere, isoliert lebende und einsame Menschen, wie das Telefonangebot von Silbernetz.

QUELLEN
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AKTUALISIERT
am 12. März 2021

AUTORINNEN
S. Garay, N. Kossatz,
D. Sulmann, D. Väthjunker