Vor Hitze schützen

Tipps gegen Hitzeprobleme

Heiße Sommertage können für ältere und pflegebedürftige Menschen besonders anstrengend sein. Das liegt daran, dass sich der Körper im Alter schlechter an hohe Temperaturen anpasst. Schwere gesundheitliche Probleme können die Folge sein.

Weil ältere Menschen weniger Durst verspüren, trinken sie oftmals nicht genügend. Bei hohen Temperaturen kommt es dann schnell zu Flüssigkeits-Mangel. Das betrifft vor allem alleinlebende Personen und Menschen mit Demenz. Hinzu kommt, dass ältere Menschen mitunter nicht richtig schwitzen. Dadurch steigt die Körpertemperatur. In der Folge kann es zu Verwirrung, Fieber und starker Erschöpfung kommen (sogenannte Hitzeerschöpfung).

Aber auch vermehrtes Schwitzen, Trinken oder Wasserlassen – etwa aufgrund von Medikamenten – können Verschiebungen im Wasser-Salz-Haushalt des Körpers auslösen.

Das kann zu vermehrter Schwäche, Schwindel und Kreislauf-Problemen führen und sogar tödlich enden. Gezielte Maßnahmen helfen, pflegebedürftige Menschen vor gesundheitlichen Gefahren durch Hitze zu schützen.

Wärme vermeiden

  • Halten Sie Türen und Fenster tagsüber möglichst geschlossen. Schließen Sie Rollläden, Jalousien und Vorhänge.
  • Lüften Sie die Wohnung nachts oder am frühen Morgen, wenn es draußen kühler ist als drinnen.
  • Hängen Sie ein feuchtes Tuch im Raum auf.
  • Stellen Sie einen Ventilator auf. Achten Sie aber darauf, dass die pflegebedürftige Person vor der direkten Zugluft geschützt ist.
  • Schalten Sie elektronische Geräte wie Lampen, Fernseher oder Computer aus. Diese produzieren zusätzlich Wärme.
  • Bleiben Sie bei großer Hitze möglichst mit der pflegebedürftigen Person in der Wohnung.

Auf Flüssigkeits-Zufuhr und Salz-Haushalt achten

  • Bieten Sie mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit täglich an, z. B. Wasser, Saftschorlen oder Tee in Raumtemperatur. Erinnern Sie immer wieder daran, zu trinken. Schreiben Sie die Trinkmenge in ein Trinkprotokoll. Beachten Sie bei Herz- und Nierenerkrankungen jedoch die ärztlich empfohlene Trinkmenge.
  • Achten Sie darauf, dass stets ein Getränk in Reichweite steht, auch nachts.
  • Nutzen Sie Hilfsmittel wie Strohhalm oder Becher mit Griffen, um das Trinken zu erleichtern.
  • Bieten Sie bei vermehrtem Schwitzen, Trinken oder Wasserlassen natrium-reiche Mineralwasser oder sogenannte isotonische Getränke an.  Die Getränke sollten nicht gekühlt sein. Das Essen sollte normal gesalzen sein.
  • Vermeiden Sie zucker- und koffeinhaltige sowie alkoholische Getränke.
  • Bieten Sie leichte Kost mit frischen Salaten und Gemüse an. Auch wasserreiches Obst und Gemüse eignen sich gut, z. B. Melone, Gurke oder Pfirsich. Vermeiden Sie schwere und fettige Speisen.

Temperatur-Regulierung unterstützen

  • Achten Sie auf leichte und luftdurchlässige Kleidung. Atmungs-aktive und natürliche Stoffe aus Baumwolle oder Leinen eignen sich besonders.
  • Verwenden Sie leichte Bettwäsche aus natürlichen Stoffen wie Baumwolle oder Leinen. Nutzen Sie ein Laken als Bettdecke.
  • Wechseln Sie durchgeschwitzte Bettwäsche.
  • Legen Sie ein Frottee-Handtuch auf das Kopfkissen, das sie häufiger wechseln können.
  • Bieten Sie an, die Haut mit ein wenig Wasser aus einer Sprühflasche oder einem kühlen Waschlappen zu benetzen. Achten Sie dann darauf, dass keine Feuchtigkeit in Hautfalten zurückbleibt.
  • Besprechen Sie mit der pflegebedürftigen Person, ob sie kühlende Körper-Lotion wünscht.
  • Bieten Sie ein Fuß- oder Handbad oder auch einen Stirn-Umschlag mit kühlem Wasser an. Achten Sie darauf, dass das Wasser nicht unter 25°C kalt ist.
  • Nutzen Sie eine Netzhose mit Einlage als Schutz bei Inkontinenz. Vermeiden Sie möglichst Inkontinenz-Hosen, die mit Folie beschichtet sind.

Fachlichen Rat einholen

  • Fragen Sie die Ärztin oder den Arzt, worauf Sie besonders achten sollen, etwa bei der Medikation.
  • Lassen Sie sich pflegefachlich zum Schutz der pflegebedürftigen Person bei Hitze und zu geeigneten Pflegemaßnahmen beraten.
  • Holen Sie ärztlichen oder pflegefachlichen Rat ein, wenn Sie erste Anzeichen für Überhitzung oder Flüssigkeits-Mangel feststellen. Diese Anzeichen sind:
    • Schwindel
    • Schwäche
    • Niedriger Blutdruck
    • Trockener Mund und Lippen
    • Kopfschmerzen
    • Verstopfung
    • Stark konzentrierter Urin
    • Hautfalten auf dem Handrücken bleiben beim leichten Anheben der Haut stehen
    • Ungewohnte Vergesslichkeit oder Verwirrtheit
    • Erbrechen
    • Muskelkrämpfe
    • Temperaturen über 38°C

Sofortige ärztliche Hilfe ist erforderlich, wenn es innerhalb von Stunden zu Schwäche, Kreislaufproblemen oder Verwirrtheit kommt.

Ist die pflegebedürftige Person plötzlich nicht mehr ansprechbar, verständigen Sie sofort den Notruf 112. Dann bringen Sie die pflegebedürftige Person möglichst an einen kühleren Ort. Ziehen Sie ihre Kleidung aus. Winkeln Sie ein Bein der pflegebedürftigen Person an und legen Sie sie auf diese Seite (stabile Seitenlage). Fächern Sie Luft zu oder benetzen Sie ihre Haut mit 25-30°C warmen Wasser.

QUELLEN
Becker, C., Herrmann, A., Haefeli, W. E., Rapp, K., Lindemann, U. (2019). Neue Wege zur Prävention gesundheitlicher Risiken und der Übersterblichkeit von älteren Menschen bei extremer Hitze. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 62(5), 565-570.
Hermann, A., Haefeli, W. E., Lindemann, U., Rapp, K. Roigk, P., Becker, C. (2019). Epidemiologie und Prävention hitzebedingter Gesundheitsschäden älterer Menschen. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie. 1-16. Link [Stand: 30.07.2019]
Umweltbundesamt (Hrsg.) (2008). Klimawandel und Gesundheit. Informationen zu gesundheitlichen Auswirkungen sommerlicher Hitze und Hitzewellen und Tipps zum vorbeugenden Gesundheitsschutz. Ratgeber. Dessau-Roßlau, 1-14. Link [Stand: 26.06.2019]
Weltgesundheitsorganisation (WHO). (2019. Gesundheitshinweise zur Prävention hitzebedingter Gesundheitsschäden. Neue und aktualisierte Hinweise für unterschiedliche Zielgruppen. Link [Stand: 26.06.2018]

AKTUALISIERT
12. August 2019

AUTORINNEN
S. Garay, D. Sulmann