Vor Hitze schützen

Tipps gegen Hitzeprobleme

Heiße Sommertage und Hitzewellen können für ältere und pflegebedürftige Menschen sehr anstrengend und gesundheitlich belastend sein. Sie haben ein erhöhtes Risiko, hitzebedingte gesundheitliche Probleme zu entwickeln, vor allem weil

  • sich die Körpertemperatur schlechter als bei jungen, gesunden Menschen reguliert
  • die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-System verringert ist
  • bei vielen bereits mehrere Erkrankungen bestehen und Medikamente eingenommen werden, die den Körper vorbelasten
  • viele ältere und pflegebedürftige Menschen zu wenig Flüssigkeit zu sich nehmen, weil sie kein Durstgefühl haben oder ihnen die nötige Hilfe fehlt; dann kommt es schnell zum Flüssigkeits-Mangel.

Ältere und pflegebedürftige Menschen haben nicht nur ein erhöhtes Risiko für hitzebedingte Gesundheitsprobleme. Sie gehören auch zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung. Daher sollten sie an heißen Tagen besonders geschützt werden. Auf der ZQP-Infoseite erhalten pflegende Angehörige Wissen und Tipps zum Schutz vor einer Infektion mit dem Corona-Virus.

Flüssigkeits-Mangel führt bei älteren Menschen schnell zu Verwirrtheit und Kreislauf-Problemen.

Aber auch können vermehrtes Schwitzen, Trinken oder Wasserlassen – etwa aufgrund von „entwässernden“ Medikamenten – Verschiebungen im Wasser-Salz-Haushalt des Körpers auslösen. Dies kann vielfältige gesundheitliche Probleme verursachen.

Infolge von Hitzeeinwirkung auf den Körper kann es zu starker Erschöpfung (sogenannte Hitzeerschöpfung) bis hin zum Hitzschlag (sogenanntes Hyperthermiesyndrom, Körpertemperatur über 40 Grad Celsius) kommen. Aufgrund mangelnder Abkühlung des Körpers oder mangelnder Flüssigkeitsversorgung kann es zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Fieber, Krämpfen und Benommenheit bis hin zu Kreislaufversagen und Schock kommen.

Gezielte Maßnahmen tragen dazu bei, pflegebedürftige Menschen vor gesundheitlichen Gefahren durch Hitze zu schützen.

Hitzeperioden stellen stationäre Einrichtungen beim Schutz der Gesundheit von Bewohnerinnen und Bewohnern vor Herausforderungen. Das betrifft die direkte Pflege, aber zum Beispiel auch die Hauswirtschaft und die Gebäudetechnik. Einen Maßnahmenplan zu hitzebedingten Gesundheitsproblemen in der stationären Pflege hat das Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin des Klinikums der Universität München entwickelt. Das ZQP hat das Projekt als Kooperationspartner unterstützt. Weitere Informationen für professionell Pflegende stellt zum Beispiel die Broschüre des DBfK „Pflege im Umgang mit dem Klimawandel“ bereit.

Sich vor Hitze schützen

  • Halten Sie Türen und Fenster tagsüber möglichst geschlossen. Schließen Sie Rollläden, Jalousien und Vorhänge.
  • Lüften Sie die Wohnung abends, nachts oder am frühen Morgen, wenn es draußen kühler ist als drinnen.
  • Halten Sie sich in dem kühlsten Raum auf.
  • Hängen Sie feuchte Handtücher im Raum auf.
  • Schalten Sie elektronische Geräte wie Lampen, Fernseher oder Computer aus. Diese produzieren zusätzlich Wärme.
  • Nutzen Sie Grünflächen und Plätze am Wasser für eine Abkühlung im Freien. Sorgen Sie immer für Schatten.
  • Verwenden sie draußen möglichst eine leichte Kopfbedeckung.
  • Bleiben Sie bei Hitze mit der pflegebedürftigen Person möglichst in der Wohnung.
  • Nutzen Sie die kühleren Morgen- oder Abendstunden für einen Spaziergang.

Auf Flüssigkeits-Zufuhr und Salz-Haushalt achten

  • Bieten Sie mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit täglich an, z. B. Wasser, Saftschorlen oder Tee in Raumtemperatur. Erinnern Sie immer wieder daran, zu trinken. Schreiben Sie die Trinkmenge in ein Trinkprotokoll. Beachten Sie bei Herz- und Nierenerkrankungen jedoch die ärztlich empfohlene Trinkmenge.
  • Achten Sie darauf, dass stets ein Getränk in Reichweite steht, auch nachts.
  • Nutzen Sie Hilfsmittel wie einen Strohhalm oder Becher mit Griffen, um das Trinken zu erleichtern.
  • Bieten Sie besonders bei vermehrtem Schwitzen, Trinken oder Wasserlassen natrium-reiche Mineralwasser oder sogenannte isotonische Getränke an. Das Essen sollte normal gesalzen sein.
  • Vermeiden Sie zucker- und koffeinhaltige sowie alkoholische Getränke.
  • Bieten Sie kleine Portionen leichter Kost mit frischen Salaten und Gemüse an. Auch wasserreiches Obst und Gemüse eignen sich gut, z. B. Melone, Gurke oder Pfirsich. Vermeiden Sie schwer verdauliche und fettige Speisen.
  • Beobachten Sie besonders die Wirkung von Medikamenten. Besprechen Sie Auffälligkeiten zeitnah mit einem Arzt, einer Ärztin oder einer Pflegefachperson.

Erkundigen Sie sich an heißen Tagen nach dem Befinden Ihres Angehörigen, um bei gesundheitlichen Problemen schnell reagieren zu können.

Temperatur-Regulierung unterstützen

  • Achten Sie auf leichte und luftdurchlässige Kleidung, z. B. aus Baumwolle oder Leinen.
  • Verwenden Sie leichte Bettwäsche aus Baumwolle oder Leinen. Mitunter reicht ein Laken als Bettdecke.
  • Wechseln Sie durchgeschwitzte Bettwäsche.
  • Legen Sie ein Frottee-Handtuch auf das Kopfkissen. Wechseln Sie das Handtuch, wenn es feucht. Achten Sie darauf, dass das Tuch keine Falten schlägt und Druckstellen verursacht.
  • Bieten Sie an, die Haut mit ein wenig Wasser aus einer Sprühflasche oder einem kühlen Waschlappen zu benetzen. Achten Sie dann darauf, dass keine Feuchtigkeit in Hautfalten zurückbleibt.
  • Besprechen Sie mit der pflegebedürftigen Person, ob sie kühlende Körper-Lotion wünscht.
  • Bieten Sie ein Fuß- oder Handbad oder auch einen Stirn-Umschlag mit kühlem Wasser an. Achten Sie darauf, dass die Wasser-Temperatur nicht unter 25°Celsius ist.
  • Vermeiden Sie anstrengende Tätigkeiten. Sorgen Sie für Ruhephasen.
  • Verwenden Sie eine Netzhose mit Einlage als Schutz bei Inkontinenz. Vermeiden Sie möglichst Inkontinenz-Hosen und Bettunterlagen, die mit Folie beschichtet sind.

Fachlichen Rat einholen

  • Fragen Sie die Ärztin oder den Arzt, worauf Sie besonders achten sollen, etwa bei der Medikation oder der Trinkmenge.
  • Lassen Sie sich in der Apotheke beraten, wie sie die Medikamente am besten lagern.
  • Lassen Sie sich zum Schutz der pflegebedürftigen Person bei Hitze und zu geeigneten Pflegemaßnahmen von Pflegefachpersonal beraten.
  • Holen Sie ärztlichen oder pflegefachlichen Rat ein, wenn Sie erste Anzeichen für Überhitzung oder Flüssigkeits-Mangel feststellen. Diese Anzeichen sind:
    • Schwindel
    • Schwäche
    • Niedriger Blutdruck, schneller Puls
    • Kopfschmerzen
    • Trockener Mund, Lippen, Zunge
    • Hautveränderungen: blass, rot, heiß und trocken
    • Veränderte Ausscheidung: Verstopfung, stark konzentrierter Urin, geringe Urinausscheidung
    • Hautfalten auf dem Handrücken bleiben beim leichten Anheben der Haut stehen
    • Ungewohnte Vergesslichkeit oder Verwirrtheit
    • Unruhe
    • Schlafprobleme
    • Erbrechen
    • Muskelkrämpfe oder- schmerzen
    • Kurzatmigkeit
    • Temperaturen über 38°C

Sofortige ärztliche Hilfe ist erforderlich, wenn es innerhalb von Stunden zu Schwäche, Kreislaufproblemen oder Verwirrtheit kommt.

Ist die pflegebedürftige Person plötzlich nicht mehr ansprechbar oder ihr Bewusstsein stark getrübt oder atmet sie sehr schnell, verständigen Sie sofort den Notruf 112.

Dann bringen Sie die Person möglichst an einen kühleren Ort mit Zugluft. Ziehen Sie ihre Kleidung aus. Winkeln Sie ein Bein der Person an und legen Sie sie auf diese Seite (stabile Seitenlage). Fächern Sie Luft zu oder benetzen Sie die Haut mit lauwarmem Wasser. Kühlen Sie Nacken, Leisten und Achselhöhlen mit Kühlelementen. Geben Sie keine fiebersenkenden Medikamente.

QUELLEN
Becker, C., Herrmann, A., Haefeli, W. E., Rapp, K., Lindemann, U. (2019). Neue Wege zur Prävention gesundheitlicher Risiken und der Übersterblichkeit von älteren Menschen bei extremer Hitze. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 62(5), 565-570.
LMU Klinikum Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedi-zin (2020). Gut durch die Sommerhitze während erhöhten Infektionsschut-zes. Informationen für pflegende Angehörige. München.
LMU Klinikum Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedi-zin, AG Globale Umwelt-Gesundheit Institut für Didaktik und Ausbildungs-forschung in der Medizin (2020). Hitzemaßnahmenplan für stationäre Ein-richtungen der Altenpflege. Empfehlungen aus der Praxis für die Praxis. München.
Hermann, A., Haefeli, W. E., Lindemann, U., Rapp, K. Roigk, P., Becker, C. (2019). Epidemiologie und Prävention hitzebedingter Gesundheitsschäden älterer Menschen. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie. 1-16. Link [Stand: 30.07.2019]
Umweltbundesamt (Hrsg.) (2008). Klimawandel und Gesundheit. Informationen zu gesundheitlichen Auswirkungen sommerlicher Hitze und Hitzewellen und Tipps zum vorbeugenden Gesundheitsschutz. Ratgeber. Dessau-Roßlau, 1-14. Link [Aufgerufen am: 08.07.2020]
Weltgesundheitsorganisation (WHO). (2019. Gesundheitshinweise zur Prävention hitzebedingter Gesundheitsschäden. Neue und aktualisierte Hinweise für unterschiedliche Zielgruppen. Link [Aufgerufen am: 08.07.2020]
Weltgesundheitsorganisation (WHO) Regionalbüro für Europa. Gesundheitliche Empfehlungen zu Hitze während des COVIS-19-Ausbruchs. Link [Aufgerufen am: 08.07.2020]

AKTUALISIERT
13. August 2020

AUTORINNEN
S. Garay, N. Kossatz,
D. Sulmann