Den Rücken schützen

Tipps gegen Rückenprobleme für Pflegende

Körperliche und seelische Belastungen durch die Pflege können bei Pflegenden zu Rückenproblemen führen. Gründe sind zum Beispiel schweres Heben sowie Sorgen und Stress.

Gezielte Maßnahmen tragen dazu bei, den Rücken zu schützen und Rückenproblemen vorzubeugen.

Den Rücken schonen

Die richtige Haltung und Hilfsmittel helfen, den Rücken bei der Pflege zu schützen. Denn: Falsche Bewegungen und häufige Belastungen können dem Rücken schaden.

Achten Sie beim Heben auf Ihre Haltung:

  • Gehen Sie in die Hocke und nutzen Sie zum Anheben die Kraft aus den Armen und Beinen – niemals aus dem Rücken!
  • Halten Sie dabei den Rücken gerade und das Gewicht nah am Körper.
  • Spannen Sie die Muskeln von Rücken und Bauch an.
  • Verdrehen Sie den Oberkörper nicht.
  • Bewegen Sie sich nicht ruckartig.

Erleichtern Sie sich die Pflege:

  • Nutzen Sie Hilfsmittel, z. B. einen fahrbaren Duschstuhl, ein Pflegebett, einen Lifter oder ein Rutschbrett. Lassen Sie sich vor der Benutzung anleiten und einweisen. Ein Pflegebett sollte so eingestellt sein, dass Sie bei der Pflege möglichst aufrecht stehen können.
  • Lassen Sie die pflegebedürftige Person so viel wie möglich selbst tun. Unterstützen Sie bei der Bewegung, z. B. mithilfe von Gleithilfen, Antirutschmatten oder Aufrichthilfen für das Bett.
  • Tragen Sie sichere und bequeme Schuhe. Lassen Sie sich dazu in einem Fachgeschäft beraten.
  • Bitten Sie andere um Hilfe, z. B. beim Heben oder Positionieren der pflegebedürftigen Person.
  • Besuchen Sie Kurse zu rückengerechter Pflege und zum Umgang mit Pflegehilfsmitteln. Oder lassen Sie sich dazu von einer Pflegefachperson anleiten.

Den Rücken stärken

Bewegung und die Kräftigung der Rückenmuskulatur können helfen, Rückenschmerzen oder zu lindern. Lassen Sie sich zudem ärztlich untersuchen, wenn Sie Beschwerden haben.

Trainieren Sie Ihren Rücken:

  • Bewegen Sie sich in Ihrer Freizeit möglichst viel, gehen Sie z. B. mehrmals in der Woche spazieren. Erhöhen Sie auch mal das Tempo: Das sogenannte Walking ist auch für untrainierte, übergewichtige oder ältere Menschen gut geeignet.
  • Suchen Sie sich Übungen heraus, die den Rücken gezielt trainieren, z. B. Gymnastik, Rückenschule. Üben Sie wenigstens einige Minuten täglich.
  • Wählen Sie Bewegungsarten, die Ihnen gefallen. Sorgen Sie für Abwechslung beim Bewegen. Wenn Sie sich regelmäßig unterschiedlich bewegen, stärken Sie zudem immer wieder andere Muskeln. Überfordern Sie sich jedoch nicht.

Wohlbefinden fördern

Wenn man sich unwohl und belastet fühlt, verspannt sich auch die Muskultur. Das kann unter anderem zu Rückenbeschwerden führen.

  • Bringen Sie nach Möglichkeit Belastung und Entlastung in ein gutes Verhältnis. Geben Sie dazu mitunter auch Aufgaben ab.
  • Nehmen Sie sich Zeit zum Entspannen und für Ihre Interessen. Mehr dazu finden Sie auf der Seite Tipps zur Entlastung für Pflegende.
  • Versuchen Sie, ausreichend zu schlafen.
  • Ernähren Sie sich möglichst ausgewogen. Mehr dazu finden Sie auf der Seite Tipps zur Ernährung für Pflegende.

Sich Unterstützung holen

Unterstützung durch Fachleute oder Familie und Freunde kann helfen, den Alltag besser zu bewältigen und Überlastung zu vermeiden.

  • Nehmen Sie eine kostenlose Pflegeberatung in Anspruch. Fragen Sie nach Hilfsmitteln, die die Pflege erleichtern, oder nach Entlastungsangeboten, wie ambulante Pflegedienste oder eine Tagespflege.
  • Sprechen Sie über Belastungen, z. B. mit Freunden und Familie. Holen Sie sich bei ihnen auch Unterstützung, z. B. beim Einkaufen oder für die Begleitung zum Arzt.
  • Holen sie sich auch Rat bei der Pflegeberatung und Pflegefachkräften. Außerdem können Sie bei der Pflegeberatung nach psychologischer Unterstützung fragen, wenn Sie sich seelisch überlastet fühlen.

Mehr dazu finden Sie auf der Seite Tipps zur Entlastung für Pflegende.

Hinweise für professionell Pflegende

Arbeitgeber sind grundsätzlich verpflichtet, Maßnahmen zu treffen, die Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren verhüten. Außerdem müssen sie die betriebliche Gesundheitsförderung umsetzen. Dazu gehören Kurse, um den Rücken zu stärken oder Stress besser zu bewältigen. Auch der richtige Einsatz von Pflegehilfsmitteln kann den Rücken entlasten. Pflege-Konzepte wie Bobath und Kinästhetik unterstützen die Bewegung von Pflegebedürftigen und tragen gleichzeitig zu schonenden Bewegungsabläufen bei Pflegenden bei.

Informationen zu entsprechenden Angeboten in der Organisation hält der Arbeitgeber bereit. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und die Unfallkassen informieren über Möglichkeiten der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Zudem beraten Betriebsärzte über rückenschonendes Arbeiten und Angebote zur Prävention, wie Rückenschule.

QUELLEN
Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)(Hrsg.)(2017). Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz – Langfassung, 2. Auflage. Version 1. 2017. Berlin: AWMF online. Link [Aufgerufen am 17.12.2020]
Bestmann, B., Wüstholz, E., & Verheyen, F. (2014). Pflegen: Belastung und sozialer Zusammenhalt. Eine Befragung zur Situation von pflegenden Angehörigen. WINEG Wissen, 4. Hamburg: Techniker Krankenkasse. doi: 10.13140/RG.2.1.1390.5441
DAK-Gesundheit (Hrsg.) (2015). Pflegereport 2015. So pflegt Deutschland. Hamburg: DAK-Gesundheit.
Eggert, S., Kossatz, N., & Sulmann, D. (2018). Prävention von Gesundheitsproblemen – Fokus häusliche Pflege. ZQP-Analyse. Berlin: Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). Link [Aufgerufen am 17.12.2020]
Frey, D., Rieger, S., Diehl, E., & Pinzon, L. C. E. (2017). Einflussfaktoren auf chronische Rückenschmerzen bei Pflegekräften in der Altenpflege in Rheinland-Pfalz. Das Gesundheitswesen, 80(02), 172-175. doi: 10.1055/s-0043-104693
Glaser, J., Lampert, B., & Weigl, M. (2008). Arbeit in der stationären Altenpflege. Analyse und Förderung von Arbeitsbedingungen, Interaktion, Gesundheit und Qualität. INQA-Bericht 34. Berlin: Geschäftsstelle der Initiative Neue Qualität der Arbeit.
Gräßel, E., & Behrndt, E. M. (2016). 11 Belastungen und Entlastungsangebote für pflegende Angehörige. In K. Jacobs, A. Schwinger, J. Klauber, S. Greß, & A. Kuhlmey (Hrsg.). Pflege-Report 2016. Schwerpunkt: Die Pflegenden im Fokus (S. 169-187). Stuttgart: Schattauer.
Lambert, S. D., Duncan, L. R., Kapellas, S., Bruson, A. M., Myrand, M., Santa Mina, D., … Lambrou, A. (2016). A descriptive systematic review of physical activity interventions for caregivers: effects on caregivers’ and care recipients’ psychosocial outcomes, physical activity levels, and physical health. Annals of Behavioral Medicine, 50(6), 907-919. doi: doi.org/10.1007/s12160-016-9819-3
Parreira, P., Maher, C. G., Steffens, D., Hancock, M. J., & Ferreira, M. L. (2018). Risk factors for low back pain and sciatica: an umbrella review. The Spine Journal, 18(9), 1715-1721. doi: 10.1016/j.spinee.2018.05.018
Pinquart, M., & Sörensen, S. (2004). Associations of caregiver stressors and uplifts with subjective well-being and depressive mood: a meta-analytic comparison. Aging & mental health, 8(5), 438-449. doi: 10.1080/13607860410001725036
Reinwand, D., Neise, M., & Zank, S. (2020). Alter, Pflege und Familie. In J., Ecarius, A. Schierbaum (Hrsg.). Handbuch Familie: Gesellschaft, Familienbeziehungen und differentielle Felder (S. 1-17). Wiesbaden: Springer VS. Link [Aufgerufen am: 4.11.2020]
Schäfer, A., Laekeman, M., Moog, M. E., & Dieterich, A. V. (2020). „On the Move“ – Prävention chronischer Schmerzen durch körperliche Aktivität und Bewegung. Der Schmerz, 1-6. doi: 10.1007/s00482-020-00509-2
Walter, E., & Pinquart, M. (2019). How effective are dementia caregiver interventions? an updated comprehensive meta-analysis. The Gerontologist. 60(8), e609-e619. doi: 10.1093/geront/gnz118
Wächtershäuser, A. (2016). Unterstützungsmaßnahmen für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenzerkrankung: Evaluation bestehender Entlastungsangebote und deren konzeptionelle Weiterentwicklung. Inaugural-Dissertation. Marburg: Philipps-Universität Marburg. Link [Aufgerufen am 17.12.2020]
Wetzstein, M., Rommel, A., & Lange, C. (2015). Pflegende Angehörige – Deutschlands größter Pflegedienst. GBE kompakt 6 (3). Berlin: Robert Koch-Institut (RKI). doi: 10.17886/RKI-GBE-2016-018
World Health Organization (WHO) (2010). Global recommendations on physical activity for health. Global recommendations on physical activity for health.) Genf: World Health Organization. Link [Aufgerufen am 17.12.2020]

AKTUALISIERT
am 17. Dezember 2020

AUTORINNEN
S. Garay, N. Kossatz, K. Lux, D. Sulmann, D. Väthjunker