Mundgesundheit fördern

Mundgesundheit pflegebedürftiger Menschen fördern

Die Mundgesundheit ist sehr bedeutsam für die allgemeine Gesundheit. Bei vielen älteren pflegebedürftigen Menschen ist sie jedoch schlechter als bei Menschen ohne Pflegebedarf. Umso wichtiger ist eine gute Mundpflege. Sie trägt erheblich dazu bei, die Mundgesundheit zu erhalten und zu fördern. Und sie hilft, gesundheitlichen Folgeproblemen vorzubeugen.

Welche Hilfe bei der Mundpflege nötig ist, ist individuell unterschiedlich. Dies richtet sich nach den Bedürfnissen und Fähigkeiten der pflegebedürftigen Person. Daher ist gute Abstimmung wichtig. Fähigkeiten, Selbstvertrauen und Selbstständigkeit sollten gefördert werden. Dies trägt auch zur Motivation bei, die Mundpflege regelmäßig durchzuführen.

Die folgenden Tipps sollen helfen, bei der Mundpflege sicher und bedürfnisgerecht zu unterstützen sowie Problemen im Mund vorzubeugen und entgegenzuwirken.

Hygiene beachten

An Händen, Gegenständen und in Körpersekreten können sich Krankheitserreger befinden. Diese können Infektionen und dadurch schwerwiegende Gesundheitsprobleme verursachen. Um dies zu vermeiden, ist sorgfältige Hygiene entscheidend.

  • Waschen Sie sich vor und nach der Mundpflege gründlich die Hände.
  • Tragen Sie Einmal-Handschuhe, wenn Sie die Mundpflege übernehmen. Das gilt insbesondere bei Infektionen.
  • Verwenden Sie nur saubere Hilfsmittel und reinigen Sie diese nach jeder Nutzung. Entsorgen Sie Tupfer und Kompressen nach einmaligem Gebrauch.
  • Säubern Sie Prothesen täglich gründlich unter fließendem Wasser mit Zahnpasta und einer Prothesenbürste. Wenn möglich sollten Prothesen auch nach dem Essen abgespült werden. Zusätzlich kann 3 Mal in der Woche eine Intensivreinigung sinnvoll sein. Hierzu eignen sich spezielle Reinigungstabletten oder Reinigungsschaum.
  • Erneuern Sie Zahnbürsten und Zungenschaber aus Kunststoff nach 4 Wochen, Zahnzwischenraum-Bürsten nach 1 Woche. Wenn sie stark abgenutzt sind oder bei Infektionen, ist das eventuell früher nötig. Zahnbürsten aus Holz oder mit Naturborsten sollten aus hygienischen Gründen nicht verwendet werden.
  • Beachten Sie allgemeine Hygieneregeln und informieren Sie sich über Tipps zur Hygiene bei der Pflege.

Für Sicherheit sorgen

Mund und Lippen sind sehr empfindlich. Bei der Mundpflege kann es leicht zu Verletzungen kommen, zum Beispiel durch Fingernägel und spitze Gegenstände. Vor allem Menschen mit Schluckproblemen könnten sich bei der Mundpflege so verschlucken, dass Atemnot auftritt.

  • Gehen Sie bei der Mundpflege vorsichtig vor. Achten Sie darauf, Mundschleimhaut und Lippen nicht zu verletzen. Seien Sie behutsam, wenn Sie Verkrustungen lösen oder Entzündungen behandeln.
  • Schützen Sie die Atemwege, vor allem wenn Schluckprobleme bestehen. Um Verschlucken zu vermeiden, sollten Kopf oder Oberkörper leicht nach vorne geneigt sein. Bei der Mundpflege im Bett stellen Sie wenn möglich das Kopfteil hoch. Achten Sie darauf, dass keine Speisereste, Haftcreme, übermäßiger Speichel oder Schaum im Mund verbleiben. Wenn das Ausspucken oder Ausspülen nach der Mundpflege nicht möglich ist: Wischen Sie den Mund mit einem Tupfer oder einer Kompresse aus.
  • Verwenden Sie keine beschädigten Hilfsmittel.
  • Achten Sie darauf, dass Prothesen keine scharfen Kanten, Brüche oder Sprünge haben. Sonst können sie drücken oder Verletzungen verursachen. Untersuchen Sie den Mund auf kleine Wunden, bevor Sie Prothesen wieder einsetzen.
  • Fragen Sie regelmäßig nach Beschwerden. Achten Sie auf Veränderungen an Zähnen, Lippen, Zunge und übriger Mundschleimhaut. Das gilt auch für Probleme beim Kauen, Schlucken und Sprechen. Das ist besonders wichtig, wenn die pflegebedürftige Person Beschwerden nicht benennen kann.

Mundtrockenheit entgegenwirken

Als Nebenwirkung mancher Medikamente und infolge geringer Trinkmengen kann Mundtrockenheit auftreten. Dann kann es zu Problemen beim Schmecken, Schlucken und Sprechen, rissigen Lippen oder schmerzhaften Verkrustungen auf der Zunge kommen. Zudem haften Zahnprothesen bei Mundtrockenheit nicht gut.

  • Achten Sie auf ausreichendes Trinken, etwa 1,5 Liter täglich. Halten Sie aber die ärztlich verordnete Menge ein. Weitere Hinweise dazu finden Sie bei den Tipps gegen Flüssigkeitsmangel.
  • Regen Sie den Speichelfluss an: Bieten Sie kleine Eiswürfel, gefrorene Früchte, Zitronensorbet, zuckerfreie weiche Bonbons oder Kaugummis an. Aber beachten Sie, dass dabei die Gefahr des Verschluckens besteht. Auch das Kauen fester Nahrung fördert den Speichelfluss.
  • Helfen Sie, den Mund mehrmals am Tag zu befeuchten. Er kann beispielsweise mit Wasser oder Tee aus Kamille, Fenchel, Pfefferminze, Salbei oder Ringelblumen ausgespült werden.
  • Bieten Sie täglich eine Mundspülung mit Mandelöl an, um die Schleimhaut zu pflegen. Dazu wird ein Esslöffel Öl im Mund verteilt und dann ausgespuckt. Stattdessen können Sie auch einige Tropfen Öl auf die Zunge geben.

Entzündete Mundschleimhaut pflegen

Entzündungen der Mundschleimhaut können durch Mundtrockenheit, schlecht sitzende Zahnprothesen oder falsche Prothesenpflege entstehen. Zudem können sie in Zusammenhang mit Erkrankungen auftreten, zum Beispiel bei Diabetes. Eine entzündete Mundschleimhaut kann unter anderem zu Schmerzen und Appetitmangel führen.

  • Vermeiden Sie scharfes, saures oder knuspriges Essen.
  • Bieten Sie Eiswürfel zum Lutschen an. Das kann gegen Schmerzen helfen. Vorsicht: Es besteht die Gefahr des Verschluckens.
  • Helfen Sie, den Mund 2-mal bis 3-mal täglich mit Tee auszuspülen. Eibischwurzel, Kamille, Salbei, Pfefferminze, Malve oder Ringelblume wirken desinfizierend, entzündungshemmend und wundheilend. Stattdessen können Sie einige Tropfen Tee auf die Zunge geben.
  • Tragen Sie auf kleine Aphten Myrrhe-Tinktur auf. Aphten sind entzündliche, weiß-rötliche und schmerzhafte Stellen auf der Schleimhaut. Weitere Informationen über naturheilkundliche Anwendungen erhalten Sie im ZQP-Ratgeber Naturheilmittel.

Menschen mit Demenz unterstützen

Menschen mit Demenz vergessen eventuell die Mundpflege. Oder sie wissen nicht mehr, wie sie vorgehen sollen. Mitunter wehren sie die Pflege auch ab.

  • Regen Sie zur selbstständigen Mundpflege an, zum Beispiel: Legen Sie die Zahnbürste in die Hand. Leiten Sie Schritt für Schritt mit einfachen Worten an. Zeigen Sie die Abläufe mit Gesten. Oder führen Sie die Hand. Eventuell reicht dies bereits als Impuls. Weitere Hinweise zur Förderung körperlicher und geistiger Fähigkeiten finden Sie bei den Tipps für den Umgang mit Demenz.
  • Drängen Sie nicht, wenn die pflegebedürftige Person die Mundpflege ablehnt. Versuchen Sie die Ursachen herauszufinden. Vielleicht ist ihr etwas unangenehm. Das kann zum Beispiel der Geschmack der Zahnpasta, der Geruch der Handschuhe oder das Geräusch der elektrischen Zahnbürste sein. Probieren Sie es mit der Mundpflege eventuell zu einem späteren Zeitpunkt. Oder lassen Sie es eine andere Person versuchen.

Fachlichen Rat einholen

Probleme im Mund können vielfach vermieden, gelindert oder geheilt werden. Zudem gibt es Hilfsmittel und Pflegemittel, die bei der Mundpflege helfen. Fachleute aus der Medizin, der Pflege und Apotheke können dabei unterstützen, die passenden Maßnahmen und Produkte auszuwählen und richtig anzuwenden.

  • Holen Sie ärztlichen oder zahnärztlichen Rat ein, wenn Sie Folgendes feststellen:
    – Schmerzen
    – Rötungen, Schwellungen, Entzündungen oder Blutungen
    – Druckstellen
    – festhaftende oder gelbliche Beläge, Krusten oder Borken
    – häufig eingerissene Mundwinkel
    – scharfkantige, lockere, verfärbte oder schmerzempfindliche Zähne
    – Mundtrockenheit, starker Mundgeruch, Geschmacksverlust
    – anhaltende Probleme beim Sprechen, Schlucken oder Kauen
    – schlecht sitzende oder beschädigte Prothesen.
  • Unterstützen Sie die pflegebedürftige Person dabei, mindestens einmal jährlich eine zahnärztliche Untersuchung wahrzunehmen. Für gesetzlich versicherte pflegebedürftige Menschen gibt es zusätzliche zahnärztliche Leistungen. Fragen Sie die Zahnärztin oder den Zahnarzt danach.
  • Fragen Sie den Arzt oder die Ärztin, ob sich Erkrankungen der pflegebedürftigen Person sowie die Medikation auf die Mundgesundheit auswirken. Besprechen Sie, was getan werden kann.
  • Holen Sie bei der Zahnärztin oder dem Zahnarzt Rat zu Mundpflege-Produkten ein, bevor Sie diese anwenden. Das gilt zum Beispiel für medizinische Mundspülungen oder Produkte gegen Mundtrockenheit. Setzen Sie ärztliche Verordnungen zur Behandlung von Beschwerden sorgfältig um.
  • Fragen Sie die Zahnärztin, den Zahnarzt oder die Pflegefachperson, wie Sie richtig bei der Mundpflege unterstützen können. Informieren Sie sich auch zum Umgang mit Prothesen.
  • Holen Sie zahnärztlichen und pflegefachlichen Rat zur Mundpflege bei spezifischen Bedürfnissen ein. Das betrifft zum Beispiel Schluckprobleme, die Einnahme von Trinknahrung, künstliche Ernährung und die Pflege im Sterbeprozess. Bitten Sie eventuell um praktische Anleitung.
  • Lassen Sie sich bei der Auswahl und Anwendung von Hilfsmitteln und Pflegeprodukten beraten. Das ist in der zahnärztlichen Praxis, bei Pflegefachpersonen, in der Apotheke oder im Sanitätsfachhandel möglich.
  • Fragen Sie bei der Physio- oder Ergotherapie, wie die selbstständige Mundpflege der pflegebedürftigen Person gefördert oder trainiert werden kann. Lesen Sie auch die ZQP-Tipps gegen Bewegungsmangel.
  • Nutzen Sie Pflegekurse oder Schulungen, um Techniken bei der Pflege zu lernen.
  • Nehmen Sie Beratung zur Pflege in Anspruch.

Hinweise für die professionelle Pflege

Was professionell Pflegende in allen Settings bei der Mundpflege beachten sollten, beschreibt der interdisziplinär erarbeitete Expertenstandard zur Förderung der Mundgesundheit in der Pflege des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP). Dieser definiert unter anderem die Aufgaben, den Verantwortungsbereich und die nötigen Kompetenzen von Pflegefachpersonen. Er bietet eine fachliche Richtschnur für die praktische Umsetzung.

Weitere Informationen zur Mundpflege bei älteren pflegebedürftigen Menschen für die Pflegepraxis:

Aktuelles Fachwissen zur Mundpflege bei pflegebedürftigen Menschen erhalten professionell Pflegende zum Beispiel in Fortbildungen, die unter anderem vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) angeboten werden.

Um die praktische Umsetzung zu unterstützen, sollten Pflegeeinrichtungen regelmäßige Schulungen anbieten und konkrete Verfahrensregen festlegen, etwa zu Zuständigkeiten, zum Vorgehen bei Problemen oder zur Durchführung von Screenings und Assessments. Dafür müssen Einrichtungen die erforderlichen Pflegeprodukte und Hilfsmittel bereitstellen. Sinnvoll ist außerdem die Benennung von speziell ausgebildeten „Beauftragten für Mundpflege“. Diese können zum Beispiel bei Pflegevisiten beraten oder die Kooperation mit Zahnärztinnen und Zahnärzten koordinieren. Zur Schulung von pflegebedürftigen Menschen und ihren Angehörigen sollten Einrichtungen geeignete Materialien bereitstellen, zum Beispiel Broschüren oder praktische Hilfsmittel.

QUELLEN
Bundeszahnärztekammer (BZÄK). (Hrsg.). (2017). Handbuch der Mundhygiene: Zahn-, Mund- und Zahnersatzpflege für Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf. Ein Ratgeber für Pflegepersonal und unterstützende Personen. Berlin: BZÄK. Link
Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP). (Hrsg.). (2021). Expertenstandard Förderung der Mundgesundheit in der Pflege. Osnabrück: DNQP.
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Neu-Ulm. (o. J.). mund-pflege. Link [Aufgerufen am 11.4.2023]
Institut der Deutschen Zahnärzte. (Hrsg.). (2016). Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V). Köln: Deutscher Zahnärzte Verlag. Link
Nitschke, I., & Hahnel, S. (2021). Zahnmedizinische Versorgung älterer Menschen: Chancen und Herausforderungen. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung –
Gesundheitsschutz, 64(7), 802-811. https://doi.org/10.1007/s00103-021-03358-1

AKTUALISIERT
am 11. April 2023

AUTORINNEN
K. Lux, D. Sulmann,
D. Väthjunker