Medikamentensicherheit unterstützen

Tipps zum Umgang mit Medikamenten

Beim Umgang mit Medikamenten ist es wichtig, besonders achtsam zu sein. Denn wenn sie falsch verwendet werden, können Medikamente schaden. Fehler oder Missbrauch können zum Beispiel zu Herz-Kreislauf-Problemen oder Stürzen führen. Einige Schlaf-, Beruhigungs- oder Schmerzmittel machen körperlich oder psychisch abhängig, wenn sie regelmäßig über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

Durch den richtigen Umgang mit Medikamenten lassen sich gesundheitliche Probleme bei pflegebedürftigen Menschen oftmals vermeiden.

Bei der richtigen Einnahme unterstützen

  • Listen Sie alle Medikamente auf, die regelmäßig eingenommen werden. Das ist besonders ratsam, wenn mehr als drei verschiedene Medikamente pro Tag eingenommen werden. Notieren Sie nicht nur Tabletten, sondern auch Sprays, Säfte, Tropfen, Spritzen oder Salben. Das gilt auch für selbst gekaufte Medikamente. So ist die aktuelle Medikation immer nachvollziehbar.
  • Achten Sie darauf, dass die Medikamente genau wie ärztlich verordnet eingenommen oder verwendet werden, z. B. der Zeitpunkt und die Dosis.
  • Behalten Sie im Auge, ob die pflegebedürftige Person die Medikamente wie verordnet einnimmt. Fragt sie nach einer höheren Dosis? Oder nimmt sie andere Medikamente ohne ärztliche Rücksprache ein? Sprechen Sie über mögliche Gründe:  Vergisst die pflegebedürftige Person die Einnahme? Hat sie Schmerzen? Suchen Sie gemeinsam nach einer Lösung. Sprechen Sie dazu auch mit einer Pflegefachkraft und dem Arzt.
  • Halten Sie die Hinweise im Beipackzettel ein. Manche Medikamente sollen mit einem Glas Wasser  vor, während oder nach dem Essen eingenommen werden. Manche dürfen nicht mit Milch-Produkten eingenommen, andere nicht geteilt oder gemörsert werden. Außerdem sollten Medikamente niemals zusammen mit alkoholischen Getränken eingenommen werden.
  • Prüfen Sie grundsätzlich vor der Medikamenten-Gabe: Ist es das richtige Medikament? Sind Dosis und Verabreichungsform richtig? Stimmt der Zeitpunkt? Ist das Medikament in einwandfreiem Zustand?
  • Überlegen Sie, ob Hilfsmittel sinnvoll sind: Tages- oder Wochenschachteln für Tabletten helfen, den Überblick zu behalten. Mit einem Verschluss-Öffner kann die pflegebedürftige Person Tropfen-Flaschen vielleicht selbst öffnen. Lassen Sie sich von einer Pflegefachkraft beraten.
  • Machen Sie gemeinsam einen Plan, um die Einnahme nicht zu vergessen, z. B. immer morgens nach dem Waschen oder abends nach dem Zähneputzen einnehmen.

Handhabung beachten

  • Achten Sie beim Umgang mit Medikamenten auf Sauberkeit. Waschen Sie sich die Hände und reinigen Sie Gegenstände vor dem Kontakt gründlich, z. B. den Becher, Löffel oder Tisch.
  • Verwerfen Sie Flüssigkeiten oder Salben, wenn Sie zu viel entnommen haben, z. B. Augentropfen. Füllen Sie diese nicht wieder zurück in den Behälter.
  • Verschließen Sie den Medikamenten-Behälter nach der Entnahme zügig.
  • Versuchen Sie, die Medikamente bei der Entnahme aus dem Blister nicht zu berühren. Tragen Sie Einmal-Handschuhe bei feuchten Händen. Dadurch wird verhindert, dass sich die Tablette bereits in Ihrer Hand auflöst. So kann der Wirkstoff auch nicht durch Ihre Haut aufgenommen werden.
  • Stellen Sie Tropfen oder Säfte erst kurz vor der Einnahme bereit.

Auf die richtige Lagerung achten

  • Lagern Sie das Medikament wie vorgeschrieben, in der Regel an einem trockenen Ort unter 25°C. Vermeiden Sie direkte Sonne, Wärme oder Feuchtigkeit: Lagern Sie Medikamente z. B. nicht am Fenster, neben der Heizung oder im Bad. Beachten Sie, dass manche Medikamente gekühlt aufbewahrt werden müssen.
  • Bewahren Sie die Medikamente in der Verpackung mit dem Beipackzettel auf. Sollte dieser verloren gehen, fragen Sie in der Apotheke nach Ersatz. Werden Medikamente in einer Box oder einem Blister im Voraus gestellt, sollten die Tabletten möglichst bis zur Einnahme darin bleiben.
  • Notieren Sie beim Öffnen von Tropfen, Säften, Spritzen, Sprays und Lösungen das Datum auf der Verpackung. Schreiben Sie auch dazu, bis wann das Medikament laut Beipackzettel dann noch verwendet werden darf.
  • Bewahren Sie Medikamente sicher auf, wenn die pflegebedürftige Person Demenz hat, um eine unbeabsichtigte Einnahme zu vermeiden.
  • Verwenden Sie Medikamente nicht, wenn das Verfallsdatum abgelaufen ist, die Verpackung beschädigt ist, sie nicht wie vom Hersteller empfohlen gelagert wurden oder wenn sie verändert aussehen oder riechen.
  • Entsorgen Sie Medikamente nicht in der Toilette oder über das Spülbecken.  Sie können dafür in der Regel den Hausmüll nutzen. Fragen Sie im Zweifelsfall einen Arzt oder Apotheker. Manche Apotheken bieten die Rücknahme von Medikamenten an.

Wirkung beobachten

  • Beobachten Sie, ob die Medikamente die beabsichtigte Wirkung erzielen, z. B. ob sie Schmerzen lindern.
  • Achten Sie auf Anzeichen für Wechsel- und Nebenwirkungen von Medikamenten. Schreiben Sie am besten auf, was Sie wann feststellen. Die häufigsten unerwünschten Nebenwirkungen sind: Schwindel, Stürze, Übelkeit, Verstopfung, trockener Mund, Probleme beim Wasserlassen, Schlafstörungen. Halten die Symptome an oder kommt es zu schweren Problemen wie Benommenheit oder Verwirrtheit, informieren Sie umgehend einen Arzt.

Fachlichen Rat einholen

  • Lassen Sie sich möglichst gemeinsam mit der pflegebedürftigen Person zur Einnahme und möglichen Neben- und Wechselwirkungen der Medikamente ärztlich beraten. Fragen Sie auch nach Broschüren über den Umgang mit Medikamenten.
  • Informieren Sie eine Pflegefachkraft oder den Arzt, wenn Ihnen Anzeichen für Neben- und Wechselwirkungen oder andere gesundheitliche Veränderungen auffallen. Das gilt auch, wenn sich die Wirkung der Medikamente verändert, zu viele oder falsche Medikamente eingenommen wurden.
  • Informieren Sie eine Pflegefachkraft oder den Arzt, wenn die pflegebedürftige Person die Medikamente nicht einnehmen kann oder will.
  • Sprechen Sie mit einer Pflegefachkraft oder dem Arzt, wenn Sie den Eindruck haben, dass die pflegebedürftige Person Medikamente missbraucht oder danach süchtig ist.
  • Fragen Sie bei Problemen mit der Einnahme, z. B. bei Schluckstörungen, den Arzt oder Apotheker, ob es andere Möglichkeiten gibt, das Medikament einzunehmen oder das Medikament zu wechseln.
  • Informieren Sie sich beim Arzt und Apotheker über Möglichkeiten der Medikamenten-Verblisterung. Dabei werden die individuellen Medikamente von einer Apotheke in einer speziellen Verpackung für einige Tage im Voraus bereitgestellt.
  • Fragen Sie den Arzt, ob er einen Medikationsplan ausstellen kann. Patienten haben Anspruch auf einen sogenannten bundeseinheitlichen Medikationsplan.

Hinweis zur professionellen Pflege

Professionelle Pflegekräfte müssen sich beim Verabreichen von Medikamenten stets an die ärztliche Anordnung halten.

Pflegerische Leitlinien und Standards dienen als Richtschnur und Handlungshilfe für Pflegefachkräfte. Informationen über einrichtungsinterne Leitlinien und Standards hält der Arbeitgeber bereit.

Aktuelles Fachwissen zum Umgang mit Medikamenten in der Pflege erhalten professionell Pflegende zum Beispiel in Fortbildungen, die unter anderem vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) angeboten werden.

Informationen zum Umgang mit Arzneimitteln bieten zum Beispiel die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) oder das Robert-Koch-Institut (RKI) an. Informationen zum Thema Missbrauch von Medikamenten können zum Beispiel bei der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) eingeholt werden.

QUELLEN
Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) (2015). Arzneimitteltherapiesicherheit: Medikamente sicher einnehmen. Link [Stand: 07.01.2019]
Ballensiefen, W. & Fersch, M. (2012). Medikamente im Alter: Welche Wirkstoffe sind geeignet? Berlin: Bundesministerium für Bildung und Forschung. Link [Stand: 07.01.2019]
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Bundesministerium für Gesundheit (BMG) (2018). Link [Stand: 07.01.2019]

AKTUALISIERT
am 1. März 2019

AUTORINNEN
N. Kossatz, D. Sulmann, D. Väthjunker