Bedarfsgerecht essen

Tipps gegen Mangelernährung

Eine mangelhafte Ernährung kann bei pflegebedürftigen Menschen schnell zu  gesundheitlichen Problemen führen. Folgen sind zum Beispiel körperliche Schwäche, Neigung zu Infektionen oder schlechte Wundheilung. Insgesamt haben ältere Menschen ein erhöhtes Risiko, an den Folgen von Mangelernährung zu sterben.

Mit gezielten Angeboten kann Mangelernährung bei pflegebedürftigen Menschen oftmals vorgebeugt werden.

Gesundes Essen anbieten

  • Wenn möglich, kochen Sie frisch. Wärmen Sie das Essen nicht mehrmals auf. Wichtige Nährstoffe gehen sonst verloren.
  • Verwenden Sie pflanzliche Streichfette und Öle wie Raps-, Oliven- oder Leinöl.
  • Verwenden Sie wenig Salz. Würzen Sie das Essen stattdessen mit Kräutern.
  • Vermeiden Sie zuckerhaltige Produkte.
  • Berücksichtigen Sie Nahrungs-Unverträglichkeiten

Achten Sie auf abwechslungsreiche, überwiegend pflanzliche Nahrung. Dazu gehören:

  • täglich Vollkornprodukte wie Vollkornbrot, Naturreis oder Vollkornnudeln
  • täglich Milchprodukte wie Buttermilch, Magerquark oder Joghurt
  • täglich Obst und Gemüse. Ideal sind fünf Portionen, die etwa die Größe einer Handfläche haben.
  • nicht mehr als 600 Gramm Fleisch in der Woche
  • etwa 1,5 Liter Flüssigkeit täglich. Beachten Sie dabei die ärztlich verordnete Trinkmenge pro Tag.

Appetit anregen

  • Sorgen Sie besonders vor dem Essen für frische Luft und so viel Bewegung wie möglich.
  • Fragen Sie täglich nach, welches Essen Sie zubereiten sollen.
  • Kochen und essen Sie möglichst gemeinsam. Nehmen Sie sich dafür Zeit.
  • Bieten Sie mehrere kleine Mahlzeiten und Snacks über den Tag verteilt an.
  • Richten Sie kleine Portionen auf einem großen Teller an.
  • Regen Sie zum Essen an, aber überreden oder zwingen Sie nicht dazu.
  • Finden Sie die Ursache bei häufigem Appetit-Mangel heraus, z. B. Schmerzen, Medikamente. Holen Sie dann ärztlichen Rat ein.

Service-Angebote nutzen

Können oder wollen Sie nicht selbst einkaufen oder kochen? In diesem Fall können Sie verschiedene Service-Angebote nutzen, z. B.

  • Lieferservices von Supermärkten; die Lebensmittel können online bestellt werden
  • „Essen auf Rädern“; täglich wird dann eine warme Mahlzeit nach Hause geliefert
  • offene Mittagstische, z. B. von Wohlfahrts-Verbänden oder Pflegeheimen; mitunter bieten diese sogar einen kostenlosen Fahrdienst an
  • örtliche Geschäfte wie Bäckereien, Kaufhäuser, Restaurants; sie bieten oft einen kosten-günstigen, warmen Mittagstisch an

Selbständigkeit fördern

  • Unterstützen Sie dabei, beim Essen möglichst viel selbst zu tun. Motivieren und leiten Sie an – aber überfordern Sie nicht.
  • Bieten Sie Hilfsmittel zum Essen an, z. B. spezielles Besteck mit Griffverstärkung. Holen sie dazu professionellen Rat ein, z. B. im Sanitätshaus.
  • Nutzen Sie bei Sehstörungen einfarbiges Geschirr, das sich farblich von der Tischfläche abhebt. Stellen Sie immer alles an denselben Ort und erklären Sie, wo z. B. Getränke und Besteck angeordnet sind.
  • Unterstützen Sie dabei, die Beweglichkeit zu trainieren. Fragen Sie dazu auch eine Pflegefachkraft oder eine Physiotherapeutin bzw. einen Physiotherapeuten.

Bei Kau- und Schluckproblemen helfen

  • Finden Sie die Ursache für Probleme beim Kauen oder Schlucken heraus. Mitunter bereitet z. B. eine schlecht-sitzende Zahnprothese oder Entzündung im Mund Probleme. Holen Sie dazu ärztlichen Rat ein.
  • Achten Sie bei Schluckstörungen auf eine aufrechte Körperhaltung beim Essen und Trinken. Der Kopf sollte leicht nach vorn gebeugt sein.
  • Sorgen Sie für ausreichend Zeit und Ruhe beim Essen.
  • Bieten Sie Häppchen und weiche Speisen an.
  • Stellen Sie mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt bereit.
  • Vermeiden Sie bei Entzündungen im Mund saure und heiße Speisen.
  • Informieren Sie sich über Schluckhilfen und geeignetes Essen. Holen Sie sich dazu ärztlichen, schlucktherapeutischen (logopädischen) oder pflegefachlichen Rat ein.

Menschen mit Demenz Orientierung geben

  • Erinnern Sie ans Essen und Trinken. Stellen Sie z. B. kleine Snacks in Sichtweite.
  • Beziehen Sie die pflegebedürftige Person mit leichten Aufgaben in die Zubereitung der Mahlzeit ein. Essen Sie möglichst gemeinsam.
  • Verbreiten Sie angenehme Gerüche von Lebensmitteln, z. B. Kaffee.
  • Nutzen Sie Bilder von Speisen, um herauszufinden, welches Essen gerade Appetit macht.
  • Vermeiden Sie saure und bittere Speisen.
  • Benennen Sie die Speisen und Getränke, die Sie anbieten.
  • Bieten Sie bei Bewegungsdrang Lebensmittel mit vielen Kalorien an. Ermöglichen Sie dann auch das Essen im Gehen.
  • Korrigieren Sie das Essverhalten nicht, etwa mit Fingern essen, schmatzen.
  • Schreiben Sie auf, was die pflegebedürftige Person gegessen und getrunken hat. Sie können dazu ein sogenanntes Ernährungs-Protokoll nutzen.
  • Messen Sie regelmäßig das Gewicht und notieren Sie es.

Anzeichen für Mangelernährung erkennen

Achten Sie auf Anzeichen für Mangelernährung, z. B.

  • rascher Gewichtsverlust
  • Schwäche und Antriebslosigkeit
  • ungewohnt lockerer sitzender Schmuck, weite Kleidung
  • eingefallene Wangen
  • vorstehende Knochen.
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ZQP-Ernährungs-Protokoll

Fachlichen Rat einholen

  • Fragen Sie eine Pflegefachkraft oder eine Ärztin bzw. einen Arzt, wenn Sie wegen der Ernährung unsicher sind.
  • Bei Anzeichen für Mangelernährung sollten Sie rasch pflegefachlichen oder ärztlichen Rat einholen.
  • Beachten Sie auch ärztliche Hinweise zur speziellen Ernährung, z. B. bei Erkrankungen der Leber oder Nieren.
  • Nutzen Sie kostenlose Pflegeberatung in einem örtlichen Pflegestützpunkt, bei der Pflegekasse oder bei compass private pflegeberatung.

Hinweis zur professionellen Pflege

Pflegerische Leitlinien und Standards dienen als Richtschnur sowie Handlungshilfe für Pflegefachkräfte. Dazu gehört der Expertenstandard zur Ernährung in der Pflege des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP). Dieser enthält auch Hinweise zur Einschätzung von Mangelernährung bei älteren Menschen mit einer sogenannten Screening-Methode.

Aktuelles Fachwissen zur Ernährung in der Pflege erhalten professionell Pflegende zum Beispiel in Fortbildungen, die unter anderem vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) angeboten werden.

QUELLEN
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) (2018). Link [Stand: 03.01.2019]
Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) (Hrsg.) (2017). Expertenstandard Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege: 1. Aktualisierung 2017. Osnabrück.
Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e. V. (MDS) (Hrsg.) (2014). Grundsatzstellungnahme Essen und Trinken im Alter: Ernährung und Flüssigkeitsversorgung älterer Menschen. Essen.
Volkert, D., Bauer, J. M., Frühwald, T., Gehrke, I., Lechleitner, M., Lenzen-Großimlinghaus, R., . . . & DGEM Steering Committee (2013). Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) in Zusammenarbeit mit der GESKES, der AKE und der DGG: Klinische Ernährung in der Geriatrie – Teil des laufenden S3-Leitlinienprojekts Klinische Ernährung. Aktuelle Ernährungsmedizin, 38, e1-e48. doi: 10.1055/s-0033-1343169

AKTUALISIERT
am 20. Juni 2019

AUTORINNEN
S. Brzezinksi, N. Kossatz,
D. Sulmann, D. Väthjunker