Hygiene einhalten

Tipps gegen Infektionen

Pflegebedürftige Menschen haben ein erhöhtes Risiko für Infektionen. Dieses Risiko steigt bei geschwächter Abwehr und mit steigendem Alter. Über Wunden und künstliche Zugänge wie Blasenkatheter oder Ernährungssonden können Keime schnell in den Körper eindringen und sich ausbreiten. Das kann Infektionen hervorrufen und schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben.

Durch eine gute Hygiene im Haushalt und bei der Pflege können Infektionen oftmals vermieden werden.

Händehygiene beachten

  • Waschen Sie sich mehrmals am Tag mit fließendem Wasser und hautschonender, milder Flüssigseife die Hände. Auch, wenn Sie keinen Schmutz sehen.
  • Regen Sie auch die pflegebedürftige Person zum regelmäßigen Händewaschen an.
  • Verwenden Sie Einmal-Handschuhe bei Kontakt mit Ausscheidungen und beim Waschen infizierter Hautstellen, z. B. bei Pilzbefall.
  • Tragen Sie bei der Pflege keinen Schmuck an den Händen und Handgelenken.
  • Waschen Sie die Hände immer, bevor Sie Lebensmittel, Medikamente, Kontaktlinsen oder Zahnprothesen anfassen.
  • Waschen Sie sich die Hände immer, nachdem Sie etwas angefasst haben, worauf sich gewöhnlich Keime befinden, wie:
    • Geld
    • unterwegs, z. B. auf dem Haltegriff im Bus, am Einkaufswagen oder an Türklinken
    • Toilette oder Toilettenbürste
    • Ausscheidungen, z. B. Erbrochenes, Urin oder Stuhl
    • Körpersekrete, z. B. Speichel, Nasen- oder Rachenschleim, Blut
    • Wunden
    • Tiere.

Hände richtig reinigen

  • Halten Sie Ihre Hände unter fließendes Wasser.
  • Seifen Sie Ihre Hände mit Flüssigseife für 20 bis 30 Sekunden ein: Handflächen, zwischen den Fingern, Fingerspitzen, Nägel, Daumen und Handrücken.
  • Spülen Sie die Seife gründlich unter fließendem Wasser ab.
  • Trocknen Sie die Hände sorgfältig mit einem sauberen und trockenen Handtuch ab. Teilen Sie sich Handtücher nicht mit anderen. Nutzen Sie unterwegs Einmal-Handtücher oder Händetrockner mit Gebläse.

Flächen und Gegenstände säubern

  • Waschen Sie Geschirr möglichst heiß ab. Wenn möglich, nutzen Sie die Spülmaschine bei mindestens 60 Grad.
  • Beseitigen Sie Körper-Sekrete sofort, z. B. Blut, Stuhl, Urin oder Erbrochenes. Reinigen Sie die Flächen und Materialien danach gründlich.
  • Nutzen Sie Gegenstände, die mit Blut oder Pilzinfektionen in Kontakt kommen, nicht gemeinsam, z. B. die Nagelschere.
  • Reinigen Sie häufig genutzte Flächen und Gegenstände regelmäßig gründlich mit Wasser und Haushaltsreiniger, z. B. Spül- und Waschbecken, Waschschüssel, Toilette, Haltegriffe, Türklinken,  Arbeitsflächen in der Küche, Kühlschrank.

Wäsche reinigen

  • Wechseln Sie bei Bettlägerigkeit mindestens ein Mal in der Woche die Bettwäsche.
  • Wechseln Sie Handtücher mindestens zwei Mal pro Woche. Waschlappen und Unterwäsche sollten Sie möglichst täglich wechseln.
  • Waschen Sie Wäsche, die mit Blut oder Ausscheidungen verschmutzt ist, getrennt von anderen Wäschestücken und heißer als 60 Grad.
  • Wechseln Sie Küchen- und Wischlappen mindestens einmal in der Woche
  • Waschen Sie diese bei mindestens 60 Grad in der Waschmaschine.

Mit Lebensmitteln hygienisch umgehen

  • Achten Sie darauf, unbeschädigte Ware zu kaufen. Unterbrechen Sie die Kühlkette nur kurz.
  • Überprüfen Sie die Haltbarkeit der Lebensmittel, z. B. am Geruch, Aussehen, Verfallsdatum.
  • Waschen Sie sich die Hände, bevor Sie Essen zubereiten und anreichen.
  • Säubern Sie die Arbeitsflächen, bevor Sie Lebensmittel darauf zubereiten.
  • Waschen Sie frische Lebensmittel gründlich.
  • Verbrauchen Sie frische Lebensmittel rasch.
  • Vermeiden Sie, Speisen warmzuhalten (maximal zwei Stunden).
  • Bereiten Sie Tee mit kochendem Wasser zu.

Spezielle Maßnahmen bei Problemkeimen ergreifen

Ist bei der pflegebedürftigen Person ein Problemkeim (multi-resistenter Erreger) festgestellt worden? Dann halten sie Hygieneregeln besonders streng ein:

  • Halten Sie bei allen pflegerischen Tätigkeiten die Schutzmaßnahmen ein, die Ihnen von einer Pflegefachkraft oder dem Arzt empfohlen wurden, z. B. Einmal-Handschuhe, Schutzkittel, Mundschutz.
  • Achten Sie auf sorgfältige Händehygiene. Desinfizieren Sie sich sofort nach dem Ausziehen der Handschuhe die Hände.
  • Desinfizieren Sie Flächen und Gegenstände nach Kontakt mit infektiösen Körper-Sekreten oder Materialien, z. B. Blut, Speichel, Wundflüssigkeit, Stuhl, Urin, Erbrochenem, Verbänden oder Kompressen.
  • Geben Sie Abfall sofort in feste, verschließbare Plastiktüren.
  • Verwenden Sie nach Möglichkeit Textilien, die bei hohen Temperaturen und mit speziellem Waschmittel gewaschen werden können, z. B. Kleidung, Bettwäsche, Handtücher.

Anzeichen für Infektionen erkennen

Achten Sie auf Anzeichen für Infektionen, z. B.:

  • Übelkeit, Erbrechen
  • Durchfall
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • erhöhte Temperatur oder Fieber
  • Rötung
  • Schwellung
  • Erwärmung von einzelnen Körperstellen
  • Schmerz
  • Bewegungseinschränkung.

Fachlichen Rat einholen

  • Lassen Sie sich von einer Pflegefachkraft oder einem Arzt beraten, welche Hygieneregeln Sie einhalten sollten und wie Sie Infektionen vorbeugen können.
  • Fragen Sie, was Sie bei Infektionen, im Umgang mit Wunden, Medikamenten, einer Ernährungssonde, einem Blasenkatheter und Problemkeimen (multi-resistenten Keimen) zusätzlich beachten sollten.
  • Holen Sie bei Anzeichen für eine Infektion rasch pflegefachlichen oder ärztlichen Rat ein.

Hinweis zur professionellen Pflege

Jede Pflegeeinrichtung und jeder Dienst muss Hygiene-Vorschriften festlegen, die von allen Mitarbeitern einzuhalten sind. Informationen dazu hält der Arbeitgeber bereit. Zudem bieten die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), die Unfallkasse und das Robert-Koch-Institut (RKI) Informationen zu Hygiene-Vorschriften an.

Aktuelles Fachwissen zur Hygiene erhalten professionell Pflegende zum Beispiel in Fort- und Weiterbildungen, die unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene e. V. angeboten werden. Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) empfiehlt, qualifizierte Hygienebeauftragte in der stationären und ambulanten Pflege einzusetzen. Sie tragen zur Umsetzung von Hygiene-Vorschriften bei und sind Ansprechpartner für das Team.

QUELLEN
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). infektionsschutz.de Link [Stand: 04.01.2019]
Böhm, K., Tesch-Römer, C., & Ziese, T. (2009). Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Gesundheit und Krankheit im Alter Eine gemeinsame Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes, des Deutschen Zentrums für Altersfragen und des Robert Koch-Instituts. Berlin: Robert-Koch-Institut.
Geisel, B., Widders, G., Schmidt, A., Seewald, M., Poldrack, R., Hofmann, A., … Spengler, A. (2013). Rahmen-Hygieneplan für ambulante Pflegedienste. o. O.: Länder-Arbeiterkreis zur Erstellung von Hygieneplänen nach §§23 und 36 IfGH.
Robert-Koch Institut (RKI). Infektionsprävention in der Pflege. Link [Stand: 04.01.2019]
Wendt, C., Exner, M., Grünewald, T., Just, H.-M., Rufe, B., Simon, A., . . . Mielke, M. (2015). Infektionsprävention im Rahmen der Pflege und Behandlung von Patienten mit übertragbaren Krankheiten Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsblatt, 58, S1151-1170. doi: 10.1007/s00103-015-2234-2

AKTUALISIERT
am 25. April 2019

AUTORINNEN
S. Brzezinski, N. Kossatz, D. Sulmann, D. Väthjunker