Infektionen vermeiden

Tipps zur Hygiene für Pflegende

Hygiene ist nicht nur für die Gesundheit pflegebedürftiger Menschen wichtig, sondern auch für Pflegende. Durch den engen Kontakt bei der Pflege können Krankheitserreger von Pflegebedürftigen auf Pflegende übertragen werden. Hygienemaßnahmen tragen zum Schutz vor einer Ansteckung durch Krankheitserreger bei.

Schutz vor COVID-19-Infektionen
Auf der ZQP-Infoseite finden Sie Informationen und Tipps für pflegende Angehörige zum Schutz vor dem Corona-Virus. Speziell für professionell Pflegende hat das ZQP hierzu Informationen auf www.zqp.de zusammengestellt.

Allgemeine Hygiene-Regeln einhalten

  • Vermeiden Sie körpernahen Kontakt mit Menschen mit ansteckenden Krankheiten wie Erkältungen.
  • Waschen Sie sich mehrmals am Tag gründlich die Hände.
  • Husten oder niesen Sie in ein Einmal-Taschentuch oder in die Armbeuge. Drehen Sie sich dabei von anderen Menschen weg. Entsorgen Sie benutzte Taschentücher in einem verschließbaren Behälter. Waschen Sie sich danach und nach dem Nase putzen die Hände.
  • Fassen Sie sich möglichst nicht mit ungewaschenen Händen ins Gesicht. Teilen Sie Ihr Geschirr und Besteck mit keiner weiteren Person.
  • Nutzen Sie Toilettenartikel nicht gemeinsam, z. B. Nagelschere, Zahnbürste, Handtuch.
  • Lüften Sie mehrmals täglich die Räume für einige Minuten.
  • Säubern Sie häufig angefasste Gegenstände wie Türklinken, Lichtschalter oder Telefone regelmäßig mit einem Haushaltsreiniger.

Bei Anzeichen einer Infektion

Wenn Sie Anzeichen für einen Infekt bei sich feststellen, pausieren Sie die Pflege möglichst.
Bleiben Sie zu Hause, wenn Sie sich krank fühlen. Vermeiden Sie Treffen mit anderen Personen.
Besprechen Sie das weitere Vorgehen mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin oder ggf. dem Pflegedienst.

Hände richtig reinigen

  • Waschen Sie Ihre Hände mehrmals täglich unter fließendem Wasser und mit hautschonender Flüssigseife.

Waschen Sie sich die Hände immer vor:

  • Körperkontakt mit dem pflegebedürftigen Menschen
  • Kontakt mit Lebensmitteln, Medikamenten, Kosmetika, Kontaktlinsen oder Zahnprothesen.

Waschen Sie Ihre Hände nachdem Sie etwas angefasst haben, worauf sich Krankheitserreger befinden könnten, wie:

  • Abfall
  • Toilette oder Toilettenbürste
  • Ausscheidungen, z. B. Erbrochenes, Urin oder Stuhl
  • Körpersekrete, z. B. Speichel, Nasen- oder Rachenschleim, Blut
  • Wunden
  • Haltegriff im Bus, am Einkaufswagen oder an Türklinken, Geld
  • Tiere

Waschen Sie Ihre Hände gründlich:

  • Halten Sie Ihre Hände unter fließendes Wasser.
  • Seifen Sie Ihre Hände mit Flüssigseife für 20 bis 30 Sekunden ein: Handflächen, zwischen den Fingern, Fingerspitzen, Nägel, Daumen und Handrücken.
  • Spülen Sie die Seife gründlich unter fließendem Wasser ab.
  • Trocknen Sie die Hände sorgfältig mit einem sauberen und trockenen Handtuch Teilen Sie sich Handtücher nicht mit anderen.

Außerdem

  • Cremen Sie Ihre Hände regelmäßig ein.
  • Achten Sie besonders auf Hygiene, wenn die pflegebedürftige Person eine Infektion hat. Lassen Sie sich ärztlich beraten, ob Sie zusätzlich Desinfektionsmittel für die Hände nutzen sollten.
  • Fassen Sie auf öffentlichen Toiletten Gegenstände nicht direkt an, sondern z. B. mit einem Einmal-Taschentuch.

Dieser Erklärfilm zeigt in knapp 2 Minuten, warum eine sorgfältige Händehygiene bei der Pflege wichtig ist. Darin erfahren Sie auch, wie Sie Ihre Hände richtig reinigen.

Schutzkleidung tragen

  • Verwenden Sie Einmal-Handschuhe bei Kontakt mit Speichel, Blut, Nasenschleim, Wunden, Erbrochenem, Urin, Stuhl und beim Waschen infizierter Hautstellen, z. B. bei Pilzbefall.
  • Tragen Sie einen Schutzkittel, wenn Ihre Kleidung mit Ausscheidungen oder Wundflüssigkeit in Kontakt kommen könnte.
  • Schützen Sie kleine Verletzungen an Ihren Händen, z. B. durch ein Pflaster oder einen Fingerling.

Flächen und Gegenstände säubern

  • Waschen Sie Geschirr möglichst heiß ab. Wenn möglich, nutzen Sie die Spülmaschine. Wählen Sie ein Spülprogramm bei mindestens 60 Grad Celsius.
  • Beseitigen Sie Körperflüssigkeiten sofort, z. B. Blut, Stuhl, Urin, Nasenschleim oder Erbrochenes. Tragen Sie dabei medizinische Einmal-Handschuhe.
  • Entsorgen Sie Einmal-Materialien, wie Taschentücher und Inkontinenz-Produkte, in einer verschlossenen Tüte im Hausmüll.
  • Reinigen Sie häufig genutzte Flächen und Gegenstände regelmäßig mit Wasser und Haushaltsreiniger. Dazu gehören z. B. Waschschüssel, Waschbecken, Wasserhahn, Toilette, Spültasten, Haltegriffe, Türklinken, Lichtschalter, Arbeitsflächen in der Küche, Kühlschrank.
  • Verwenden Sie für Küche, Bad und Toilette unterschiedliche Putzlappen. Hängen Sie die Lappen nach Benutzung luftig auf.
  • Verwenden Sie Desinfektionsmittel nicht routinemäßig; fragen Sie dazu den Arzt oder die Ärztin. Mehr zu Desinfektionmitteln im Abschnitt „Spezielle Maßnahmen bei Problemkeimen ergreifen“.

Mit Lebensmitteln hygienisch umgehen

  • Waschen Sie sich die Hände, bevor Sie Essen zubereiten und anreichen.
  • Säubern Sie die Arbeitsflächen, bevor Sie Lebensmittel darauf zubereiten, vor allem bei rohem Fleisch oder Fisch.
  • Waschen Sie Obst und Gemüse vor dem Verzehr mit Wasser.
  • Bereiten Sie Tee mit kochendem Wasser zu.
  • Verbrauchen Sie frische Lebensmittel rasch.
  • Verwenden Sie keine verdorbenen Lebensmittel. Prüfen Sie Geruch, Aussehen und Haltbarkeitsdatum.
  • Nutzen Sie an warmen Tagen eine Kühltasche für den Transport von leicht verderblichen Produkten wie rohes Fleisch, Fisch, frische Milch.

Achten Sie auf Anzeichen für Infektionen, z. B.

Achten Sie auf Anzeichen für Infektionen bei sich selbst und bei der pflegebedürftigen Person. Anzeichen sind z. B.:

  • Unwohlsein
  • Erkältungssymptome, z. B. Halsschmerzen, Husten, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen
  • Atemprobleme
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Durchfall
  • Schmerzen, z. B. beim Wasserlassen
  • erhöhte Temperatur oder Fieber
  • übelriechende und/oder eitrige Wunde
  • Rötung, Schwellung, Erwärmung, Schmerz, Bewegungseinschränkung.

Spezielle Maßnahmen bei Problemkeimen ergreifen

  • Holen Sie ärztlichen Rat zu Hygienemaßnahmen ein, wenn ein (multi-resistenter Keim) bei der pflegebedürftigen Person festgestellt wurde. Auch die Pflegefachperson oder das Gesundheitsamtkönnen hierzu Auskunft geben.
  • Halten Sie sich an die Schutzmaßnahmen, z. B. Einmal-Handschuhe, Schutzkittel und/oder Mund-Nasen-Schutz tragen, Isolation.
  • Verwahren Sie verschmutzte Wäsche, benutztes Geschirr und Besteck, das nicht sofort gereinigt wird, in einem geschlossenen Behälter.
  • Waschen Sie Wäsche separat und bei mindestens 60 Grad Celsius.

Achten Sie auf regelmäßige und gründliche Hände-Hygiene. Wenn ärztlich empfohlen, desinfizieren Sie sich zusätzlich die Hände

  • bevor sie beispielweise Medikamente verabreichen, Augentropfen geben oder eine Wunde versorgen.
  • nach Körperkontakt mit der pflegebedürftigen Person.
  • nachdem Sie Gegenstände angefasst haben, die in Kontakt mit der pflegebedürftigen Person waren, z. B. Geschirr, Wäsche.
  • direkt nach dem Ausziehen der Einmal-Handschuhe.

Hinweis zu Desinfektionsmitteln

Verwenden Sie Desinfektionsmittel für die Hände und Flächen nur nach Absprache mit dem Arzt, der Ärztin oder der Pflegefachperson. Das Gesundheitsamt kann ebenfalls Auskunft geben, ob Desinfektionsmittel erforderlich ist. Fragen Sie auch, welches Mittel in Ihrem Fall geeignet ist. Beachten Sie die Anwendungshinweise, z. B.  Einwirkzeit, Tragen von Handschuhen bei der Flächen-Desinfektion.

Fachlichen Rat einholen

Hinweis für professionell Pflegende

Arbeitgeber sind grundsätzlich verpflichtet, Maßnahmen zu treffen, die Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren verhüten. Außerdem müssen Sie die betriebliche Gesundheitsförderung umsetzen. Das gilt auch in der professionellen Pflege. Dazu gehören der sogenannte Hygieneplan oder der Impfschutz durch den Betriebsarzt. Die Hygienevorschriften in der Organisation sind unbedingt einzuhalten.

Informationen dazu hält der Arbeitgeber bereit. Auch die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), die Unfallkassen oder das Robert-Koch-Institut (RKI) informieren darüber.

Weiterführende Informationen

QUELLEN
Aiello, A. E., Coulborn, R. M., Perez, V. & Larson, E. L. (2008). Effect of hand hygiene on infectious disease risk in the community setting: a meta-analysis. American Public Health Association, 98(8), 1372-1381. Link [Aufgerufen am 24.11.2020]

Bloomfield, S. F., Exner, M. & Dietlein, E. (2008). Infektionsprävention durch Hygiene zu Hause und in der Öffentlichkeit. Die Notwendigkeit für eine familienzentrierte Strategie. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz. Link [Aufgerufen am 24.11.2020]

Geisel, B., Widders, G., Schmidt, A., Seewald, M., Poldrack, R., Hofmann, A., … Spengler, A. (2013). Rahmen-Hygieneplan für ambulante Pflegedienste. o. O.: Länder-Arbeiterkreis zur Erstellung von Hygieneplänen nach §§23 und 36 IfGH. Link [Aufgerufen am 24.11.2020]

Jefferson, T., Del Mar, C. B., Dooley, L., Ferroni, E. Al-Ansary, L. A., Bawazeer, G. A. …, Conly, J. M. (2011). Physical interventions to interrupt or reduce the spread of respiratory viruses. Cochrane Library. Link [Aufgerufen am: 20.11.2020]

Nau, R., Djukic, M, Spreer, A. & Eiffert, H. (2015). Infektionen im Alter. Was macht sie so gefährlich? Der Allgemeinarzt, 37(5), 40-44. Link [Aufgerufen am: 20.11.2020]

Robert Koch-Institut (RKI). Infektionsprävention in der Pflege. Link [Aufgerufen am: 20.11.2020]

Robert Koch-Institut (RKI). Infektions- und Krankenhaushygiene. Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention. Link [Aufgerufen am: 20.11.2020]

Robert Koch-Institut (RKI). Robert Koch-Institut (RKI) (2015). Ein Beitrag zum Internationalen Tag der Händehygiene. Aspekte der Hautverträglichkeit, des Hautschutzes und der Hautpflege. Epidemiologisches Bulletin (18). Berlin: Robert Koch-Institut. Link [Aufgerufen am: 20.11.2020]

Wendt, C., Exner, M., Grünewald, T., Just, H.-M., Rufe, B., Simon, A., . . . Mielke, M. (2015). Infektionsprävention im Rahmen der Pflege und Behandlung von Patienten mit übertragbaren Krankheiten Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsblatt, 58, S1151-1170. doi:10.1007/s00103-015-2234-2. Link [Aufgerufen am: 20.11.2020]

World Health Organization (WHO). Infection prevention and control. Link [Aufgerufen am: 20.11.2020]

World Health Organization (WHO) (2012). Hand Hygiene in Outpatient and Home-based Care and Long-term Care Facilities. A Guide to the Application of the WHO Multimodal Hand Hygiene Improvement Strategy and the „My Five Moments for Hand Hygiene“ Approach. Link [Aufgerufen am: 20.11.2020]

World Health Organization (WHO) (2009). WHO Guidelines on Hand Hygiene in Health Care. First Global Patient Safety Challenge Clean Care is Safer Care.“ Link [Aufgerufen am: 20.11.2020]

AKTUALISIERT
am 30. November 2020

AUTORINNEN
S.Garay,, N. Kossatz,
D. Sulmann, D. Väthjunker