Haut schützen

Tipps gegen Hautprobleme

Die Haut wird mit dem Alter dünner, faltiger, trockener und weniger widerstandsfähig. Zudem heilen Wunden langsamer. Dadurch kann es zu Hautproblemen wie Reizungen, Wundsein und Verletzungen kommen. Bei Wunden besteht die Gefahr, dass sie sich entzünden oder weiter ausbreiten. Das Risiko für Hautschäden steigt außerdem bei Empfindungsstörungen, Lähmungen und Feuchtigkeit in Hautfalten, zum Beispiel durch Inkontinenz. Deshalb ist es im Alter und bei Pflegebedürftigkeit besonders wichtig, die Haut gut zu schützen und zu pflegen.

Mit gezielten präventiven Maßnahmen kann Hautproblemen bei pflegebedürftigen Menschen oftmals vorbeugt werden.

Haut vor äußeren Einflüssen schützen

Die Haut ist ständig äußeren Einflüssen ausgesetzt, die sie schädigen können. Dazu gehören zum Beispiel Hitze und Kälte sowie direkte Sonne, Nässe und Keime. Auch anhaltender Druck kann die Haut und das darunterliegende Gewebe verletzen und zu einem Druckgeschwür führen. Vor solchen Risken muss die Haut bestmöglich bewahrt werden.

  • Vermeiden Sie Hautkontakt mit starker Hitze und Kälte. Umhüllen Sie Wärmflaschen und Kältekompressen mit einem Baumwolltuch. Kontrollieren Sie die Haut während der Anwendung. Wenn starke Rötungen auftreten, sollten Sie die Anwendung unterbrechen.
  • Schützen Sie die Haut vor direkter Sonne. Stellen Sie zum Beispiel einen Sonnenschirm auf. Verwenden Sie Sonnencreme. Der Lichtschutzfaktor sollte mindestens 20 betragen.
  • Halten Sie die Haut möglichst trocken.
  • Schützen Sie die Haut bei Inkontinenz vor langem Kontakt mit Urin und Stuhl. Unterstützen Sie dabei, feuchte Kleidung oder feuchtes Inkontinenzmaterial zu wechseln.
  • Verzichten Sie auf stark schäumende und parfümierte Seifen und Waschzusätze. Diese zerstören den Säure-Schutzmantel der Haut.
  • Sorgen Sie dafür, dass Körperstellen, die für ein Drückgeschwür gefährdet sind, vom Druck entlastet werden: Regen Sie regelmäßig zur Bewegung an. Unterstützen Sie falls nötig dabei. Oder verändern Sie die Position der pflegebedürftigen Person, wenn sie dazu nicht selbst in der Lage ist. Holen Sie dazu pflegefachlichen Rat ein. Nutzen Sie Hilfsmittel zur Druckentlastung, etwa kleine Kissen. Achten Sie darauf, dass kein Druck durch Gegenstände entsteht, zum Beispiel durch Stoff-Falten oder Knöpfe.
  • Vermeiden Sie möglichst Reibung auf der Haut, wie sie z. B. beim „Hochziehen“ Richtung Kopfende im Bett entsteht. Lassen Sie sich geeignete Techniken von einer Pflegefachperson zeigen.

Haut reinigen und pflegen

Die Haut ist im Alter und bei Pflegebedürftigkeit anfällig für Reizungen und Entzündungen. Aus diesem Grund braucht sie sanfte Reinigung und sorgfältige Pflege.

  • Vermeiden Sie intensives Waschen und langes Baden in heißem Wasser.
  • Waschen Sie den Körper nicht häufiger als einmal täglich, außer wenn die pflegebedürftige Person stark schwitzt oder inkontinent ist.
  • Waschen Sie Reinigungsprodukte vollständig von der Haut ab.
  • Trocknen Sie die Haut nach dem Waschen sanft, aber sorgfältig ab. Reiben, Schrubben oder Bürsten Sie die Haut dabei nicht. Achten Sie darauf, auch in den Hautfalten gründlich abzutrocknen.
  • Cremen Sie trockene Haut mindestens einmal pro Tag ein, sehr trockene Haut mehrmals täglich.
  • Cremen Sie offene Hautstellen nicht ein. Hier können ärztlich verordnete Produkte zum Einsatz kommen.

Geeignete Produkte verwenden

Grundsätzlich sind milde, hautschonende und pflegende Produkte zu empfehlen. Dazu gehören Reinigungsprodukte mit einem pH-Wert unter 6, zum Beispiel seifenfreie Waschlotionen. Zudem gibt es Produkte, die helfen, die Haut zu schützen.

  • Öl- und fetthaltige Reinigungsprodukte wie Duschöle sind rückfettend und eher hautschonend.
  • Produkte mit Urea, Glycerin oder Milchsäure helfen bei der Pflege trockener und dünner, verletzlicher Haut.
  • Ölige oder fetthaltige Cremes, Salben oder Lotionen erhöhen die Feuchtigkeit der Haut und verbessern durch Rückfettung ihre Schutzfunktion.
  • Parfümarme oder -freie Produkte helfen, Irritationen und Allergien zu vermeiden.
  • Bestimmte Produkte schützen die Haut bei Inkontinenz vor Feuchtigkeit und aggressiven Stoffen im Urin und Stuhl. Dazu gehören weiche Zinkpasten, Hautschutzsalben, Vaseline oder spezielle Inkontinenz-Produkte, die einen Schutzfilm auf der Haut bilden.

Nicht geeignet sind:

  • klassische Seifen
  • Produkte mit ätherischen Ölen
  • Präparate auf Alkoholbasis

Hygiene beachten

Um die Haut zu schützen und zum Beispiel Infektionen zu vermeiden, ist Hygiene von zentraler Bedeutung. Daher gilt es, einige Hygieneregeln einzuhalten.

  • Waschen Sie Ihre Hände bevor und nachdem Sie bei der Körperpflege unterstützen mit einem hautschonenden Reinigungsprodukt. Das gilt auch, bevor Sie Cremes oder Lotionen auftragen.
  • Achten Sie beim Waschen auf die Reihenfolge: Beginnen Sie mit Gesicht, Ohren, Hals und Brustbereich der pflegebedürftigen Person. Waschen Sie dann Arme, Hände, Bauch, Rücken und Achselhöhlen. Nach Beinen und Füßen folgt zum Schluss der Intimbereich.
  • Wechseln Sie zwischendurch den Waschhandschuh oder waschen Sie ihn gründlich mit frischem Wasser aus.
  • Tragen Sie Einmal-Handschuhe bei der Intimpflege. Das gilt auch, wenn Sie infizierte Hautstellen berühren, etwa bei Pilzbefall. Desinfizieren Sie sich dann auch die Hände.
  • Verwenden Sie Materialien nicht für andere Körperstellen, wenn diese mit infizierten Hautstellen oder dem Intimbereich in Kontakt waren. Das gilt z. B. für Waschhandschuhe, Rasierer, Handtücher und Einmal-Handschuhe. Wechseln Sie auch das Wasser.
  • Achten Sie darauf, Infektionen nicht von einer Person zu einer anderen zu übertragen: Benutzen Sie Nagelscheren und Feilen nicht gemeinsam. Verwenden Sie keine Seifenstücke und Cremetöpfe. Besser sind Tuben oder Spender.

Auf Anzeichen für Hautprobleme achten

Veränderungen der Haut sollten frühzeitig untersucht und behandelt werden, um ernste und schmerzhafte Probleme zu verhindern. Daher ist es ratsam, die Haut regelmäßig zu kontrollieren, z. B. bei der Körperpflege oder beim Positionswechsel.

Besonders gefährdete Körperstellen sind:

  • Hautfalten unter den Achseln, Brüsten, Bauchfalten, in den Leisten
  • Haut zwischen den Fingern und Zehen
  • Intimbereich bei Blasen- und Darmschwäche
  • Füße, vor allem bei Diabetes
  • Körperstellen, an denen die Haut über spitzen, kantigen Knochen liegt wie Steißbein, Ferse, Knöchel, Ellenbogen, Schulterblätter
  • Haut unter Hilfsmitteln wie Hörgeräten, Brillen, Atem-Masken und Orthesen

Ärztlicher oder pflegefachlicher Rat ist bei folgenden Anzeichen angezeigt:

  • Druckstellen
  • rötliche bis bläuliche Verfärbungen
  • rissige, nässende oder blutige Stellen
  • Wunden
  • Ausschlag
  • Schwellung
  • Blasen
  • Schmerzen
  • Jucken, Brennen
  • ungewöhnlich warme, kalte, feste oder weiche Haut
  • unangenehmer Geruch

Haut trocken halten

Bleibt Feuchtigkeit wie Wasser oder Schweiß zu lange auf der Haut, kann sie wund werden. Gefährdet sind besonders Stellen, an denen die Haut aufeinanderliegt, etwa in Bauch- oder Brustfalten oder zwischen den Zehen.

  • Trocknen Sie die Haut nach dem Waschen sorgfältig, aber sanft ab. Achten Sie besonders auf Hautfalten.
  • Legen Sie eine Vlieskompresse oder ein dünnes Baumwolltuch in Hautfalten, die oft feucht sind. Puder ist dafür nicht geeignet.
  • Achten Sie auf luftdurchlässige Kleidung und Bettwäsche.
  • Wechseln Sie feuchte, durchgeschwitzte Kleidung.
  • Pflegen Sie die Haut mit einer Hautschutzcreme. Lassen Sie sich dazu pflegefachlich oder ärztlich beraten.

Haut bei Inkontinenz schützen

Längerer Kontakt mit Urin oder Stuhl kann die Haut schädigen. Auch Infektion werden dadurch begünstigt. Daher ist es bei Inkontinenz besonders wichtig, die Haut zu schützen. Der richtige Ablauf bei der Intimpflege und hautschützende Produkte helfen, Hautprobleme zu vermeiden.

  • Unterstützen Sie dabei, das benutzte Inkontinenzmaterial mehrmals täglich und nach jeder Stuhl-Ausscheidung zu wechseln. Entfernen Sie Stuhl immer sofort von der Haut.
  • Achten Sie darauf, dass die Haut sauber und trocken ist.
  • Verwenden Sie weiche, hautschonende Waschtücher zur Reinigung. Nicht geeignet sind Wasser und Seife.
  • Tragen Sie eine Creme auf, die die Haut vor Feuchtigkeit und aggressiven Stoffen im Urin und Stuhl schützt. Dafür eignen sich einfache, weiche Zinkpaste, Hautschutzsalbe oder Vaseline. Es gibt auch spezielle Inkontinenz-Produkte, die einen Schutzfilm auf der Haut bilden. Diese sind in der Apotheke erhältlich.

Haut bei Diabetes pflegen

Diabetes kann Hautveränderungen bis hin zu schwerwiegenden Hautproblemen nach sich ziehen. Deswegen sollte die Haut bei Menschen mit Diabetes besonders aufmerksam beobachtet und geschützt werden.

  • Achten Sie darauf, dass ärztliche Empfehlungen und Anordnungen eingehalten werden, z. B. zur Ernährung und Insulingabe.
  • Sorgen Sie bei Fußbädern dafür, dass die Wassertemperatur nicht höher als 33 Grad Celsius ist. Fußbäder sollten nicht länger als 3 Minuten durchgeführt werden.
  • Lassen Sie die Nagel- und Fußpflege ausschließlich von Personen mit einer Ausbildung in medizinischer Fußpflege (Podologie) durchführen.
  • Prüfen Sie täglich, ob die Haut verändert oder verletzt ist, insbesondere an den Füßen. Ist das der Fall, sollte die Stelle unverzüglich ärztlich untersucht werden.

Fachlichen Rat einholen

Risiken und Ursachen für Hautveränderungen sind individuell und nicht immer leicht erkennbar. Deswegen kann es sinnvoll sein, sich professionelle Beratung zu holen. Das ist auch ratsam, um Maßnahmen fachlich korrekt umzusetzen.

  • Ziehen Sie bei Anzeichen für Hautschäden rasch ärztlichen oder pflegefachlichen Rat hinzu.
  • Beachten Sie auch ärztliche Hinweise bei Allergien, Unverträglichkeiten oder Besonderheiten bei der Medikamenten-Einnahme, z. B. Kortison.
  • Nehmen Sie professionelle Pflegeberatung in Anspruch, z. B. in einem Pflegestützpunkt, bei der Pflegekasse oder bei compass private pflegeberatung.

Hinweise für professionell Pflegende

Pflegerische Leitlinien und Standards dienen als Richtschnur sowie Handlungshilfe für Pflegefachpersonen. Dazu gehören die Expertenstandards zum Umgang mit chronischen Wunden und zur Dekubitusprophylaxe des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP).

Aktuelles Fachwissen zur Hautpflege, zur Vorbeugung von Hautschäden und zum Wundmanagement erhalten professionell Pflegende zum Beispiel in Fortbildungen, die unter anderem vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) angeboten werden. Sogenannte Wundeexpertinnen und Wundexperten sind speziell für die Beurteilung und Behandlung von Wunden weitergebildet.

QUELLEN
Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP). (Hrsg.). (2017). Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege (2. Aktualisierung 2017). Osnabrück: DNQP.
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Lichterfeld, A., Hauss, A., Surber, C., Perters, T., Blume-Peytavi, U., & Kottner, J. ( 2015). Evidence-Based Skin Care: A Systematic Literature Review and the Development of a Basic Skin Care Algorithm. Journal of Wound, Ostomy, and Continence Nursing, 42(5):501-524. doi:10.1097/WON.0000000000000162
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). (Hrsg.). (2018). S2k-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Alter (2. Aufl.). DDG. www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/057-017l_S2k_Diabetes_mellitus_im_Alter_2018-09.pdf
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Lichterfeld-Kottner, A., El Genedy, M., Lahmann, N., Blume-Peytavi, U., Büscher, A., & Kottner, J. (2020). Maintaining skin integrity in the aged: a systematic review. International Journal of Nursing Studies, 103. https://doi.org/10.1016/j.ijnurstu.2019.103509
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AKTUALISIERT
am 24. Juni 2021

AUTORINNEN
S. Garay, N. Kossatz, K. Lux,
D. Sulmann, D. Väthjunker