Geistige Fähigkeiten fördern

Tipps gegen geistigen Abbau

Auch im Alter und bei Pflegebedürftigkeit geistig fit zu bleiben, ist vielen Menschen sehr wichtig. Wer geistig fit ist, kann selbstbestimmter und selbstständiger leben. Das trägt zu guter Lebensqualität bei. Allerdings gehen geistige Fähigkeiten teilweise rascher verloren, je weniger aktiv und je älter wir sind. Um sie zu erhalten oder gar zu verbessern, sind regelmäßige geistige und körperliche Aktivität wichtig.

Mit gezielten Angeboten können Sie geistige Fähigkeiten fördern.

In den Alltag einbeziehen

  • Beziehen Sie die pflegebedürftige Person möglichst regelmäßig in den Haushalt ein, wenn sie dazu bereit ist. Dafür eignen sich z. B. Wäsche zusammenlegen, Kartoffeln schälen, Nähen.
  • Versuchen Sie gemeinsam beim Einkauf an alles zu denken, ohne auf die Einkaufsliste zu schauen.

Geistige Beschäftigungen anbieten

  • Bieten Sie Denkspiele an, z. B. Knobelaufgaben, Kreuzworträtsel, Sudoku, Wortspiele, Silbenzählen, Geräusche erraten, Gegenstände ertasten, Kopfrechnen.
  • Spielen Sie gemeinsam Spiele wie Schach, Bilder-Memo, Halma, Dame, Mühle, Mensch ärgere dich nicht oder Karten. Puzzeln Sie gemeinsam.
  • Bitten Sie die pflegebedürftige Person, aus der Vergangenheit zu erzählen.
  • Regen Sie zum Schreiben an, z. B. eine Postkarte.
  • Lesen Sie morgens aus der Zeitung vor. Tauschen Sie sich danach über Details aus, z. B. wann ist der Unfall passiert? Wie viele Menschen sind verletzt? Fragen Sie am Abend nach den Details.
  • Bieten Sie etwas Passendes zum Lesen an.
  • Singen Sie gemeinsam. Erinnern Sie sich z. B. an alte Lieblingslieder.
  • Ermöglichen Sie es, auf einem Instrument zu spielen, das beherrscht wird.

Bewegung fördern

  • Unterstützen Sie die pflegebedürftige Person, möglichst viel selbst zu tun, z. B. beim Essen, beim Anziehen oder der Körperpflege. Dadurch wird auch die Beweglichkeit trainiert.
  • Regen Sie die Person an, sich täglich ein wenig zu bewegen, z. B. ein paar Schritte zu gehen. Überreden Sie aber nicht.
  • Holen Sie ärztlichen Rat ein, bevor Sie mit Übungen beginnen.
  • Lassen Sie sich beim Bewegungstraining anleiten, z. B. von einem Arzt, einer Pflegefachkraft oder einem Physiotherapeuten. Erstellen Sie gemeinsam einen sogenannten Bewegungsplan. Darin werden die täglichen Bewegungen notiert.
  • Helfen Sie dabei, Bewegungsangebote der Krankenkasse oder Gemeinde zu nutzen, z. B. Herz-Kreislauf-Training, Tanzen für Senioren oder Sitzgymnastik.

Kontakte fördern

  • Unterstützen Sie die pflegebedürftige Person, Kontakte zu anderen Menschen zu haben. Begleiten Sie zu Veranstaltungen. Organisieren Sie dafür z. B. einen Fahrdienst, etwa von ehrenamtlichen Helfern oder Wohlfahrtsverbänden.
  • Laden Sie, wenn gewünscht, regelmäßig Familie, Freunde oder Nachbarn ein.
  • Achten Sie darauf, dass das Telefon gut erreichbar ist und die pflegebedürftige Person jederzeit telefonieren kann. Wenn nötig, besorgen Sie ein Telefon mit größeren Tasten. Stellen Sie die Hörer-Lautstärke passend ein.
  • Ermöglichen Sie, Gewohnheiten beizubehalten, z. B. der regelmäßige Friseurbesuch oder die Fußpflege. Das ist oftmals auch zu Hause möglich.
  • Organisieren Sie die Teilnahme an speziellen Gruppen-Angeboten, wenn das gewünscht wird. Es gibt z. B. Busfahrten für Senioren oder gemeinsame Kaffeetreffs für Menschen mit Demenz. Informationen erhalten Sie z. B. bei der Pflegekasse und privaten Pflegeversicherung.

Auf Ernährung achten

  • Kochen Sie frisch. Wärmen Sie das Essen nicht mehrmals auf. Wichtige Nährstoffe gehen sonst verloren.
  • Verwenden Sie pflanzliche Streichfette und Öle wie Raps-, Oliven- oder Leinöl.
  • Verwenden Sie wenig Salz. Würzen Sie das Essen stattdessen mit Kräutern.
  • Vermeiden Sie zuckerhaltige Produkte.

Achten Sie auf abwechslungsreiche, überwiegend pflanzliche Nahrung. Dazu gehören:

  • täglich Vollkornprodukte wie Vollkornbrot, Naturreis oder Vollkornnudeln
  • täglich Milchprodukte wie Buttermilch, Magerquark oder Käse
  • täglich Obst und Gemüse. Ideal sind fünf Portionen, die etwa die Größe einer Handfläche haben.
  • nicht mehr als 600 Gramm Fleisch in der Woche
  • etwa 1,5 Liter Flüssigkeit täglich. Beachten Sie dabei die ärztlich verordnete Trinkmenge pro Tag.

QUELLEN
Alferink, J., Jessen, F., Popp, J., Rizovski-Jansen, M., Spottke, A., & Maier, W. (2010). Geistig fit im Alter durch Ernährung, Bewegung und geistige Aktivität. Berlin: Bundesministerium für Gesundheit.
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) (2018). Link [Stand: 04.01.2019]
GKV-Spitzenverband (2018). Leitfaden Prävention in stationären Pflegeeinrichtungen nach § 5 SGB XI. Berlin: GKV-Spitzenverband.
Livingston, G., Sommerlad, A., Orgeta, V., Costafreda, S. G., Huntley, J., Ames, D. … Mukadam, N. (2017). Dementia prevention, intervention, and care. The Lancet, 390 (10113), S. 1-62. doi: 10.1016/S0140-6736(17)31363-6

AKTUALISIERT
am 4. März 2019

AUTORINNEN
N. Kossatz, D. Sulmann, D. Väthjunker