Überlastung vorbeugen

Tipps zur Entlastung für Pflegende

Jemanden pflegen kann erfüllend sein, aber auch Körper und Seele beanspruchen. Zu hohe körperliche und psychische Anforderungen können krank machen. Das kann zum Beispiel Rückenschmerzen, Schlafstörungen und seelische Probleme zur Folge haben.

Gezielte entlastende Maßnahmen helfen, die Pflege zu erleichtern und schützen vor Überlastung.

Auf die eigene Gesundheit achten

  • Achten Sie darauf, dass Belastung und Entlastung ausgewogen sind. Geben Sie Aufgaben ab, auch wenn es schwer fällt. Machen Sie regelmäßig Pausen.
  • Finden Sie Ihre Grenzen heraus – und akzeptieren Sie sie. Sprechen Sie offen darüber, was Sie leisten können und was nicht. Achten Sie darauf, dass Ihre Grenzen beachtet werden.
  • Versuchen Sie, ausreichend und erholsam zu schlafen.
  • Ernähren Sie sich gesund. Kochen Sie mit frischen, überwiegend pflanzlichen Zutaten. Essen Sie z. B. Rohkost wie Möhren oder Äpfel statt Süßigkeiten.
  • Trinken Sie keinen oder wenig Alkohol. Frauen sollten weniger als 12 Gramm und Männer weniger als 24 Gramm reinen Alkohol täglich zu sich nehmen. Ein kleines Glas Bier (0,25 Liter) enthält ungefähr 10 Gramm reinen Alkohol, ein kleines Glas Wein (0,125 Liter) etwa 11 Gramm.
  • Rauchen Sie nicht.
  • Arbeiten Sie Aufgaben nacheinander ab und nicht alles auf einmal. Planen Sie lieber zu viel als zu wenig Zeit für Ihre Tätigkeiten ein.
  • Achten Sie auf rückengerechtes Heben.
  • Bewegen Sie sich in Ihrer Freizeit möglichst viel. Gehen Sie z. B. Spazieren.
  • Verbringen Sie regelmäßig Zeit mit Ihrer Familie und Freunden.
  • Gehen Sie Ihren Interessen nach, z. B. Lesen oder ins Kino gehen.
  • Lassen Sie sich regelmäßig ärztlich untersuchen. Holen Sie ärztlichen Rat ein, wenn Sie Anzeichen für Überlastung erkennen.

Anzeichen für Überlastung wahrnehmen

Achten Sie auf Anzeichen für Überlastung, z. B.:

  • Muskelverspannungen und Schmerzen im Rücken oder Nacken
  • Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Herzrasen
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Niedergeschlagenheit
  • Angstgefühle
  • Unzufriedenheit
  • Gereiztheit
  • Aggressivität

Sich Unterstützung holen

  • Nehmen Sie eine kostenlose Pflegeberatung in Anspruch. Fragen Sie nach Hilfsmitteln, die die Pflege erleichtern, z. B. ein Pflegebett. Lassen Sie sich zur Anpassung der Wohnung beraten, z. B. im Bad.
  • Informieren Sie sich bei der Pflegeberatung auch zu Entlastungsangeboten z. B. durch ambulante Pflegedienste, Haushaltshilfe, Fahrdienste, Kurzzeit-, Tages-, Nacht- bzw. Verhinderungspflege und finanzielle Hilfen wie den Entlastungsbetrag. Informieren Sie sich auch über Möglichkeiten, Beruf und Pflege besser zu vereinbaren.
  • Fragen Sie bei der Pflegeberatung nach psychologischer Unterstützung, wenn Sie sich überlastet fühlen.
  • Nutzen Sie kostenlose Pflegekurse, z. B. der Pflegekasse. Dort lernen Sie u. a. richtige Pflegetechniken.
  • Holen Sie sich Unterstützung in Ihrer Familie und bei Freunden, z. B. beim Einkaufen, für die Begleitung zum Arzt.
  • Tauschen Sie sich mit anderen pflegenden Angehörigen aus, z. B. in einer Selbsthilfegruppe.

Hinweis zur professionellen Pflege

Arbeitgeber sind grundsätzlich verpflichtet, Maßnahmen zu treffen, die Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren verhüten. Außerdem müssen sie die betriebliche Gesundheitsförderung umsetzen. Das gilt auch in der professionellen Pflege. Dazu gehört, Pflege-Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, für eine verlässliche Arbeits- und Dienstplanung zu sorgen sowie Fortbildungen anzubieten, zum Beispiel zum Umgang mit Stress oder herausforderndem Verhalten. Auch der Austausch mit anderen in Fallbesprechungen oder im Rahmen von Supervisionen kann und zur Entlastung beitragen.

Informationen zu entsprechenden Angeboten in der Organisation hält der Arbeitgeber bereit. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und die Unfallkassen informieren über Möglichkeiten der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Zudem beraten Betriebsärzte über rückenschonendes Arbeiten und Angebote zur Prävention, wie Rückenschule.

QUELLEN
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Risikoarmer Konsum. Link [Stand: 07.01.2019]
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Joiko, K., Schmauder, M., & Wolff, G. (2010). Psychische Belastung und Beanspruchung im Berufsleben. Erkennen – Gestalten. Berlin: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.
Kliner, K., Rennert, D., & Richter, M. (Hrsg.) (2017). Gesundheit und Arbeit – Blickpunkt Gesundheitswesen. BKK Gesundheitsatlas 2017. Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.
Nienhaus, A., Vaupel, C., & Gregersen, S. (2014). Verhalten und Verhältnisse prüfen. Heilberufe, 66(3), 36-38.
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AKTUALISIERT
am 29. April 2019

AUTORINNEN
S. Brzezinski, N. Kossatz,
K. Lux, D. Sulmann,
D. Väthjunker