Überlastung vorbeugen

Tipps zur Entlastung für Pflegende

Jemanden zu pflegen kann erfüllend sein, aber auch körperlich und psychisch sehr beanspruchen. Das kann gesundheitliche Probleme bis hin zu Krankheit verursachen und sich negativ auf das Wohlbefinden auswirken.

Gezielte entlastende Maßnahmen können helfen, die Pflege zu erleichtern und vor Überlastung zu schützen.

Auf die eigene Gesundheit achten

Wer die Pflege dauerhaft leisten möchte, braucht ausreichend Kraft und Energie. Ein gesundheitsbewusstes Verhalten hilft dabei, sich gesund zu fühlen und belastbar zu bleiben.

  • Bewegen Sie sich im Alltag möglichst viel. Gehen Sie regelmäßig spazieren. Nehmen Sie die Treppe statt des Fahrstuhls.
  • Verabreden Sie sich mit anderen zum Sport oder nehmen Sie an Gruppenangeboten teil, zum Beispiel im Verein. Bewegung in der Gruppe kann zu psychischem Wohlbefinden beitragen.
  • Schützen Sie bei der Pflege Ihren Rücken. Geeignete Maßnahmen finden Sie bei den Tipps gegen Rückenprobleme für Pflegende.
  • Trinken Sie etwa 1,5 Liter am Tag, am besten Wasser. Erinnern Sie sich falls nötig daran: Platzieren Sie zum Beispiel immer ein volles Glas in der Nähe, stellen Sie sich einen Wecker oder nutzen Sie spezielle Apps. Halten Sie sich an die ärztliche Empfehlung, wenn Sie beispielsweise wegen einer Erkrankung mehr oder weniger trinken sollen.
  • Ernähren Sie sich gesund, das heißt: möglichst abwechslungsreich, ausgewogen und überwiegend pflanzlich. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bietet dazu Orientierung und hilfreiche Tipps.
  • Nehmen Sie sich Zeit zum Essen, am besten in netter Gesellschaft und Atmosphäre. Essen Sie nicht nebenbei. Bereiten Sie die Mahlzeiten vor, wenn die Zeit an stressigen Tagen knapp ist.
  • Machen Sie regelmäßig Pausen. Arbeiten Sie Aufgaben nacheinander ab. Nehmen Sie sich nicht alles auf einmal vor. Planen Sie lieber zu viel als zu wenig Zeit für Ihre Tätigkeiten ein.
  • Versuchen Sie, ausreichend und erholsam zu schlafen. Wie Sie Schlafproblemen begegnen können, erfahren Sie bei den Tipps für einen guten Schlaf für Pflegende.

Was bei der Pflege während der Pandemie wichtig ist, erfahren Sie in den Tipps für pflegende Angehörige zum Schutz vor dem Corona-Virus.

Ausgleich schaffen

Wer eigene Bedürfnisse ständig vernachlässigt, verliert Kraft und wird unzufrieden. Das kann auch die Pflegebeziehung belasten. Um die Pflege dauerhaft bewältigen zu können, sollte das Verhältnis von Belastung und Entlastung möglichst ausgewogen sein.

  • Binden Sie Aktivitäten in Ihren Alltag ein, die Ihnen gegen Stress helfen: Machen Sie zum Beispiel Yoga oder Übungen zur Muskelentspannung. Lassen Sie sich massieren. Sie haben auch das Recht, einfach einmal nichts zu tun.
  • Gehen Sie möglichst regelmäßig Ihren Interessen nach. Nehmen Sie sich zum Beispiel Zeit zum Lesen oder um ins Kino zu gehen.
  • Verbringen Sie regelmäßig bewusst Zeit mit Menschen, mit denen Sie gerne zusammen sind.
  • Sprechen Sie mit vertrauten Menschen so offen wie möglich über Ihre Bedürfnisse. Sie können eine emotionale Stütze sein. Nehmen Sie deren Rat entgegen.
  • Sorgen Sie für schöne gemeinsame Momente mit der pflegebedürftigen Person. Schauen Sie zum Beispiel zusammen einen Film. Oder blättern Sie in einem Fotoalbum und sprechen Sie über gemeinsame Erlebnisse.
  • Planen Sie feste Urlaubszeiten für sich ein.
  • Informieren Sie sich über spezielle Urlaubsangebote für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen. Es gibt solche Angebote auch für Menschen mit Demenz.

Anzeichen für Überlastung wahrnehmen

Anhaltende Überlastung kann sich auf die Stimmung auswirken und gesundheitliche Probleme bis hin zu Krankheit verursachen. Daher ist es wichtig, Anzeichen für Überlastung frühzeitig zu erkennen.

  • Achten Sie auf körperliche Symptome, zum Beispiel: Schlafprobleme, Kopf-, Rücken- oder Nackenschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Herzrasen, ständige Müdigkeit.
  • Seien Sie aufmerksam für psychische Anzeichen, zum Beispiel: Unruhe, Niedergeschlagenheit, Angst, Schuldgefühle, Unzufriedenheit, Gereiztheit, Aggressivität.
  • Nehmen Sie Warnsignale ernst. Holen Sie sich dann möglichst rasch Unterstützung, um von Pflegeaufgaben entlastet zu werden. Holen Sie auch ärztlichen Rat ein. Die Symptome können auch auf Erkrankungen hindeuten.
  • Wenn das Fass akut überzulaufen droht: Nutzen Sie das Angebot spezialisierter Hilfetelefone für akute Krisen in der Pflege, bevor eine Situation eskaliert.

Hilfe annehmen

Es kann sein, dass sich die Pflege trotz aller Bemühungen nicht allein bewältigen lässt. Dann ist es wichtig, Unterstützung anzunehmen, zum eigenen Wohl und im Interesse der pflegebedürftigen Person.

  • Holen Sie sich Unterstützung für die Pflege und im Alltag, zum Beispiel beim Heben, beim Einkaufen, bei Arztbesuchen oder nächtlichen Einsätzen. Fragen Sie in der Familie, im Freundeskreis oder in der Nachbarschaft. Oder nutzen Sie ehrenamtliche Hilfen.
  • Versuchen Sie, Ihre Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren. Sprechen Sie offen darüber, was Sie leisten können und was nicht. Lösen Sie sich von der Einstellung „Das bekomme ich schon allein hin“. Halten Sie Ihre Grenzen ein. Machen Sie diese auch gegenüber anderen deutlich.
  • Erstellen Sie einen Plan für den Fall, dass Sie vertreten werden müssen. Stimmen Sie sich mit der pflegebedürftigen Person, ihrem Umfeld und eventuell einem professionellen Pflegedienst ab.
  • Geben Sie die Pflege falls nötig an andere ab, auch wenn es schwerfällt. Dabei kann beispielsweise ein Pflegedienst unterstützen. Das kann auch nur bei Tätigkeiten sein, die besonders belastend sind.
  • Nehmen Sie Lieferdienste in Anspruch, zum Beispiel für Einkäufe oder Essen auf Rädern. Sie können sich auch Medikamente von der Apotheke liefern lassen.
  • Informieren Sie Ihr Umfeld, falls bei Ihrem Angehörigen oder Ihrer Angehörigen eine Demenz besteht. So können auch andere mit auf die Person Acht geben.
  • Tauschen Sie sich mit anderen pflegenden Angehörigen über Erfahrungen, Probleme und Gefühle aus. Nutzen Sie dazu zum Beispiel eine Selbsthilfegruppe oder einen Gesprächskreis. Kontakte vermitteln zum Beispiel Selbsthilfekontaktstellen, Kirchengemeinden oder Mehrgenerationenhäuser.
  • Nutzen Sie nachbarschaftliche oder ehrenamtliche Angebote. Diese werden teilweise von der Pflegekasse bzw. privaten Pflegeversicherung anerkannt. Fragen Sie dazu bei der Pflegekasse oder privaten Pflegeversicherung nach.
  • Nehmen Sie professionelle Beratung zur Organisation und Entlastung bei der Pflege in Anspruch.

Fachlichen Rat einholen

Es gibt zahlreiche professionelle Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige. Fachleute können dazu beraten und dabei helfen, sie in Anspruch zu nehmen.

  • Informieren Sie sich über Entlastungsangebote aus der Pflegeversicherung. Wenden Sie sich dazu beispielweise an eine Pflegeberatungsstelle oder an die Pflegekasse bzw. die private Pflegeversicherung der pflegebedürftigen Person. Zur Entlastung gibt es zum Beispiel Ersatzpflege, Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege, Tagespflege, Nachtpflege und ambulante Pflegedienste. Außerdem haben pflegende Angehörige Anspruch auf eine Auszeit, um Beruf und Pflege miteinander vereinbaren zu können. Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber über Regelungen, um Ihnen die Pflege zu ermöglichen, zum Beispiel Home-Office, Abbau von Überstunden, flexible Arbeitszeiten oder Freistellung.
  • Fragen Sie nach Hilfsmitteln, die die Pflege erleichtern, zum Beispiel ein Pflegebett. Zudem gibt es Hilfsmittel für pflegebedürftige Menschen, um möglichst selbstständig zu sein. Dadurch werden auch Pflegende entlastet.
  • Lassen Sie sich kostenfrei zur Anpassung der Wohnung beraten, zum Beispiel bei einer Pflegeberatungsstelle, von Pflegefachpersonen oder bei speziellen Wohnberatungsstellen.
  • Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse oder privaten Krankenversicherung nach Angeboten zur Entspannung und zum Stressmanagement. Solche Kurse gibt es auch online. Erkundigen Sie sich auch nach Angeboten zur Bewegungsförderung und gesunden Ernährung.
  • Lassen Sie sich regelmäßig ärztlich untersuchen. Holen Sie ärztlichen Rat ein, wenn Sie Anzeichen von Überlastung wahrnehmen. Schildern Sie dabei auch Ihre Pflegesituation. Fragen Sie nach einer Kur sowie nach Vorsorge- und Rehabilitationsangeboten. Informationen dazu erhalten Sie auch bei Ihrer Krankenkasse oder privaten Krankenversicherung.
  • Nutzen Sie professionelle psychologische oder psychotherapeutische Unterstützung, wenn Sorgen Ihren Alltag bestimmen. Diese kann auch helfen, wenn Sie zum Beispiel das Gefühl haben, Ihrer Aufgabe nicht gerecht zu werden.
  • Nehmen Sie einen Pflegekurs in Anspruch. Dort lernen Sie unter anderem Handgriffe, den Umgang mit Hilfsmitteln und rückenschonende Haltung. Dadurch gewinnen Sie auch Sicherheit bei der Pflege.
  • Informieren Sie sich beim Arzt, bei der Ärztin oder einer Pflegefachperson über krankheitsbedingte Symptome. Dies kann helfen, eine Situation besser einzuschätzen und gelassener damit umzugehen.

Hinweise für professionell Pflegende

Arbeitgeber sind grundsätzlich verpflichtet, Maßnahmen zu treffen, die Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren verhüten. Außerdem müssen sie die betriebliche Gesundheitsförderung umsetzen. Das gilt auch in der professionellen Pflege. Dazu gehört, Pflegehilfsmittel zur Verfügung zu stellen, für eine verlässliche Arbeits- und Dienstplanung zu sorgen sowie Fortbildungen anzubieten, zum Beispiel zum Umgang mit Stress oder herausforderndem Verhalten. Auch der Austausch mit anderen in Fallbesprechungen oder im Rahmen von Supervisionen kann zur Entlastung beitragen.

Informationen zu entsprechenden Angeboten in der Organisation hält der Arbeitgeber bereit. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und die Unfallkassen informieren über Möglichkeiten der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Zudem beraten Betriebsärzte über rückenschonendes Arbeiten und Angebote zur Prävention wie Rückenschule

QUELLEN
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). (2018). S3-Leitlinie Pflegende Angehörige von Erwachsenen. Berlin: DEGAM. Link
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AKTUALISIERT
am 11. Mai 2022

AUTORINNEN
S. Garay, L. Kühnlein,
K. Lux, N. Möhr,
D. Sulmann, D. Väthjunker