Bewegung fördern

Tipps gegen Bewegungsmangel

Regelmäßige Bewegung trägt dazu bei, möglichst selbstständig zu bleiben und gesundheitlichen Problemen vorzubeugen. Allerdings bewegen sich pflegebedürftige Menschen in der Regel eher wenig. Ihnen fehlen zum Beispiel die Kraft, die Motivation oder die nötige Unterstützung. Oder sie vermeiden Bewegung, aus Angst zu stürzen. Aber durch Bewegungsmangel nehmen Muskelkraft und Bewegungsfähigkeit ab. Umso rascher gehen Fähigkeiten verloren. Dann steigen der Hilfebedarf und das Risiko für gesundheitliche Probleme wie Stürze, Druckgeschwüre und Gelenkversteifungen. Daher gilt es, die Beweglichkeit (Mobilität) gezielt zu fördern.

Bewegung unterstützen

Bewegung im Alltag und gezielte Übungen helfen, die Beweglichkeit zu erhalten und zu verbessern. Mit den folgenden Tipps können Sie pflegebedürftige Menschen unterstützen, sich zu bewegen.

  • Unterstützen Sie dabei, möglichst viel selbst zu tun, z. B. beim Essen, beim Anziehen oder der Körperpflege. Dadurch werden die Beweglichkeit und Fingerfertigkeit trainiert.
  • Holen Sie ärztlichen Rat ein, bevor Sie mit Bewegungsübungen beginnen.
  • Wählen Sie Übungen, die zu den Fähigkeiten, Bedürfnissen und Vorlieben der pflegebedürftigen Person passen. Sie dürfen nicht überfordern.
  • Regen Sie dazu an, mindestens einmal täglich körperlich aktiv zu sein, z. B. ein paar Schritte zu gehen. Überreden Sie aber nicht.
  • Nutzen Sie Vertrautes, um die Motivation zur Bewegung zu fördern. Spielen Sie z. B. für Übungen die Lieblingsmusik ab. Oder motivieren Sie, gemeinsam etwas zu tun, z. B. die Blumen im Garten zu gießen.
  • Leiten Sie bei den Bewegungsabläufen an oder machen Sie Bewegungen vor.
  • Nutzen Sie beim Training wenn nötig Hilfsmittel wie Gehhilfen.
  • Helfen Sie dabei, Bewegungsangebote der Krankenkasse oder Gemeinde zu nutzen, z. B. Tanzkurse, Herz-Kreislauf-Training, oder Sitzgymnastik.

Um Stürzen und Verletzungen vorzubeugen, ist es wichtig, für eine sichere Umgebung zu sorgen und Hilfsmittel richtig zu nutzen. Weitere Informationen hierzu finden Sie in unseren Tipps gegen Stürze.

Menschen mit Demenz anleiten

Eine Demenzerkrankung beeinflusst das Kurzzeitgedächtnis. Das kann dazu führen, dass Anleitungen zu Bewegungsübungen nicht verstanden oder immer wieder vergessen werden. Mit den folgenden Tipps können Sie Menschen mit Demenz unterstützen, sich regelmäßig im Alltag zu bewegen.

  • Erklären Sie Übungen in kurzen, einfachen Sätzen.
  • Leiten Sie praktisch an: Machen Sie die Bewegungen vor. Wenn nötig, wiederholen Sie dies immer wieder.
  • Überfordern Sie nicht.
  • Sprechen Sie zugewandt und mit freundlicher Mimik.
  • Wählen Sie Ihre Worte wertschätzend.
  • Geben Sie Orientierung und vermitteln Sie Sicherheit. Halten Sie Gewohnheiten ein. Achten Sie auf die übliche Ordnung und legen Sie Gegenstände wie Gehhilfen an festen Plätzen bereit.
  • Bieten Sie möglichst viel Beschäftigung über den Tag verteilt an.
  • Wählen Sie Übungen, die zu den Fähigkeiten, Bedürfnissen und Vorlieben passen. Beachten Sie, dass diese je nach Tagesform unterschiedlich sein können. Was heute gut passt oder verstanden wird, ist am nächsten Tag vielleicht nicht möglich.
  • Akzeptieren Sie, wenn etwas abgelehnt wird. Versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal.

Fachlichen Rat einholen

Um bei der Bewegungsförderung nicht zu überfordern oder zu schaden, ist es ratsam, fachlichen Rat einzuholen. Das gilt auch für den richtigen Einsatz von Hilfsmitteln. Ärztlicher Rat ist besonders wichtig, wenn sich möglicherweise Medikamente auf die Bewegungsfähigkeit auswirken.

  • Fragen Sie Fachleute, wie Sie die Beweglichkeit unterstützen können und welche Übungen geeignet sind. Holen Sie Rat beim Hausarzt, bei der Hausärztin, bei der Physio- oder Ergotherapie.
  • Lassen Sie sich Übungen zeigen und fragen Sie, wie diese in den Alltag eingebaut werden können. Erstellen Sie gemeinsam einen Bewegungsplan. Darin werden die täglichen Aktivitäten notiert.
  • Beachten Sie ärztliche Hinweise zum Training bei bestimmten Erkrankungen, z. B. Herzschwäche, Gelenkentzündung.
  • Lassen Sie sich gemeinsam mit der pflegebedürftigen Person zu Gehhilfen beraten, etwa zu einem Rollator. Wenden Sie sich dazu an einen Pflegedienst, ein Sanitätshaus, die Krankenkasse oder private Pflegeversicherung.
  • Nutzen Sie kostenlose Pflegeberatung in einem örtlichen Pflegestützpunkt, bei der Pflegekasse oder bei compass private pflegeberatung.
  • Achten Sie darauf, wie die Medikamente wirken. Verursachen Sie Harndrang? Führen Sie zu zeitweiser Verwirrung? Machen sie schläfrig? Auch das könnte die Beweglichkeit einschränken und die Sturzgefahr erhöhen. Holen Sie ärztlichen Rat ein, wenn sie Nebenwirkungen bemerken.

Hinweis zur professionellen Pflege

Pflegerische Standards dienen als Richtschnur sowie Handlungshilfe für Pflegefachpersonen. Dazu gehört der Expertenstandard nach § 113a SGB XI „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“. Dieser enthält auch Hinweise zur Einschätzung der Mobilität bei älteren Menschen.

Aktuelles Fachwissen zu bewegungsfördernden Maßnahmen in der Pflege erhalten professionell Pflegende zum Beispiel in Fortbildungen, die unter anderem vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) angeboten werden.

Welche bewegungsfördernden Maßnahmen individuell sinnvoll sind, sollte bestenfalls im multidisziplinären Team abgestimmt werden. Zudem kann die Teilnahme an einem Bewegungsprogramm die Mobilität älterer Menschen verbessern oder erhalten. Die ZQP-Übersicht Bewegungsförderung bietet Orientierung zu wissenschaftlich erprobten Interventionen, die für die Umsetzung in Einrichtungen der stationären Langzeitpflege geeignet sind. Zudem bietet der bayerische Landesverband der Deutschen Alzheimer Gesellschaft praktische Informationen zu Bewegungsangeboten für Menschen mit Demenz.

QUELLEN
Belala, N., Schwenk, M., Kroog, A., & Becker, C. (2019). Feasibility of the lifestyle integrated functional exercise concept in cognitively impaired geriatric rehabilitation patients. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 52(1), 61-67. doi: /10.1007/s00391-018-1431-7
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GKV-Spitzenverband (Hrsg.) (2020). Prävention in der ambulanten Pflege. Bestandsaufnahme von zielgruppenspezifischen präventiven und gesundheitsförderlichen Bedarfen, Potenzialen und Interventionsmaßnahmen. Schriftenreihe Modellprogramm zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung. Band 16. Berlin: GKV-Spitzenverband. Link [Aufgerufen am 13.01.2021]
Kleina, T., Bender, B., Mashkoori, M., Hunting, N., & Horn, A. (2019). Aktualisierung der ZQP-Datenbank Bewegungsfördernde Interventionen. ZQP-Projektbericht. Berlin: Zentrum für Qualität in der Pflege. Link [Aufgerufen am 13.01.2021]
Lam, F. M., Huang, M. Z., Liao, L. R., Chung, R. C., Kwok, T. C., & Pang, M. Y. (2018). Physical exercise improves strength, balance, mobility, and endurance in people with cognitive impairment and dementia: a systematic review. Journal of physiotherapy, 64(1), 4-15. doi: 10.1016/j.jphys.2017.12.001
Loggia, G., Attoh-Mensah, E., Pothier, K., Morello, R., Lescure, P., Bocca, M. L., … & Chavoix, C. (2020). Psychotropic Polypharmacy in Adults 55 Years or Older: A Risk for Impaired Global Cognition, Executive Function, and Mobility. Frontiers in Pharmacology, 10, 1659. doi: 10.3389/fphar.2019.01659
Wingenfeld, K., Schröder, D., Willert, J., & Bender, B. (2020). Ergebnisse der Literaturanalyse zur Aktualisierung des Entwurfs des Expertenstandards „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“. Osnabrück: Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP).

AKTUALISIERT
am 19. Januar 2021

AUTORINNEN
S. Garay, N. Kossatz, Katharina Lux, D. Sulmann