Atemwege schützen

Tipps gegen Entzündungen der Atemwege

Das Risiko für eine Entzündung der Atemwege nimmt bei geschwächter Abwehr und mit steigendem Alter zu. Eine Entzündung der Bronchien oder der Lunge kann gerade bei älteren, kranken oder pflegebedürftigen Menschen gefährlich werden. Lungen-Entzündungen enden mitunter sogar tödlich.

Ursache für Atemwegs-Infekte sind häufig Krankheits-Erreger, die über die Hände auf die Schleimhäute in Mund und Nase gelangen. Von dort können sie tiefer in die Atemwege wandern, sich vermehren und zu Infektionen führen.  Außerdem kann eine Lungen-Entzündungen entstehen, wenn Nahrung oder Flüssigkeit in die Lunge gelangen und nicht heraufgehustet werden können. Dies ist manchmal bei sehr kranken, geschwächten Menschen der Fall.

Gezielte Maßnahmen können dabei helfen, die Atemwege gesund zu halten und einer Bronchitis oder Lungen-Entzündung vorzubeugen.

Atemübungen durchführen

  • Leiten Sie mehrmals täglich dazu an, bewusst und tief zu atmen: zunächst in die Brust, danach in den Bauch. Der Bereich soll sich dabei sichtbar heben und senken.
  • Motivieren Sie zu Atemübungen, z. B. einen Ballon aufpusten oder mit einem Strohhalm in einer Wasserflasche „blubbern“.
  • Erlernen Sie mit der pflegebedürftigen Person die sogenannte „Lippenbremse“. Dabei wird durch leicht aufliegende Lippen langsam und kontrolliert durch den Mund ausgeatmet. Das hilft dabei, die Atem-Muskulatur zu entspannen.
  • Lassen Sie sich ärztlich beraten, welche Hilfsmittel zum Atem-Training geeignet sind. Diese sind beispielsweise im Sanitätshaus erhältlich.

Bewegung unterstützen

  • Unterstützen Sie dabei, möglichst viel selbst zu tun, etwa beim Essen, beim Anziehen oder bei der Körperpflege. Durch die Bewegung wird die Atmung angeregt und vertieft. Auch wird dadurch festsitzender Schleim gelockert und kann besser abgehustet werden.
  • Regen Sie dazu an, sich täglich ein wenig zu bewegen, z. B. ein paar Schritte zu gehen. Überreden Sie aber nicht.
  • Motivieren Sie zu Bewegungs-Übungen, die den körperlichen Fähigkeiten angepasst sind, z. B. Laufen oder Greif-Übungen über dem Kopf. Holen Sie ärztlichen Rat ein, bevor Sie mit Übungen beginnen.
  • Helfen Sie dabei, Bewegungs-Angebote der Krankenkasse oder Gemeinde zu nutzen, wie Herz-Kreislauf-Training oder Laufen.

Die Bronchien bei Bettlägerigen belüften

  • Achten Sie bei Problemen mit der Atmung oder beim Husten auf eine möglichst aufrechte Körperhaltung.
  • Unterstützen Sie dabei, regelmäßig die Liege-Position der pflegebedürftigen Person zu verändern. So werden verschiedene Bereiche der Lunge belüftet.
  • Lassen Sie sich von einer Pflegefachkraft zum Positions-Wechsel beraten und anleiten.

Abhusten ermöglichen

  • Lassen Sie die pflegebedürftige Person mit Wasserdampf inhalieren, um festsitzenden Schleim in den Atemwegen zu lösen. Verwenden Sie Medikamenten-Zusätze nur nach ärztlicher Verordnung.
  • Ermuntern Sie zum Abhusten. Dabei wird der Schleim in den Atemwegen gelockert und in den Mund transportiert. Halten Sie beim Ausspucken ein Taschentuch vor den Mund.

Händehygiene beachten

  • Waschen Sie sich mehrmals am Tag mit fließendem Wasser und hautschonender, milder Flüssigseife die Hände. Das gilt auch, wenn Sie keinen Schmutz sehen.
  • Regen Sie dazu an, in ein Taschentuch oder in die Armbeuge zu husten und zu niesen, anstatt ungeschützt in den Raum oder in die Hand.
  • Verwenden Sie Einmal-Handschuhe bei Kontakt mit Zähnen, Zahnprothesen, Speichel oder Nasensekret der pflegebedürftigen Person.
  • Tragen Sie bei der Pflege keinen Schmuck an den Händen und Handgelenken. Darunter können sich Krankheits-Erreger sammeln.
  • Waschen Sie die Hände immer, bevor Sie Lebensmittel, Medikamente oder Kontaktlinsen anfassen.
  • Waschen Sie sich die Hände immer, nachdem Sie etwas angefasst haben, worauf sich gewöhnlich Keime befinden, wie
      • Geld
      • unterwegs, z. B. auf dem Haltegriff im Bus, am Einkaufswagen oder an Türklinken
      • Toilette oder Toilettenbürste
      • Ausscheidungen, z. B. Erbrochenes, Urin oder Stuhl
      • Körpersekrete, z. B. Speichel, Nasen- oder Rachenschleim, Blut
      • Wunden
      • Tiere.

Ausreichendes Trinken fördern

  • Bieten Sie etwa 1,5 Liter Flüssigkeit täglich an. Bei Herz- und Nieren-Erkrankungen darf die ärztlich empfohlene Trinkmenge jedoch nicht überschritten werden.
  • Stellen Sie bei hohem Flüssigkeits-Verlust durch Schwitzen, Durchfall oder Erbrechen mehr Getränke bereit. Gut sind natriumreiche Mineralwasser und Tee. Die Getränke sollten nicht gekühlt sein.
  • Nutzen Sie Hilfsmittel, die das Trinken erleichtern. Je nach körperlichen Fähigkeiten eignet sich ein Strohhalm, ein Becher mit Griffen, mit einer kleinen Öffnung im Deckel oder einen mit breitem Rand. Lassen Sie sich im Sanitätshaus professionell beraten.

Auf eine gute Mundgesundheit achten

  • Erinnern Sie daran, regelmäßig die Zähne zu putzen. Entzündungen im Mundraum schwächen die Abwehr-Kräfte. Zudem können sich Krankheits-Erreger aus dem Mund bis in die Lunge ausbreiten.
  • Prüfen Sie regelmäßig die Schleimhäute im Mund. Sie sollten rosa und feucht sein. Falls nicht, ziehen Sie ärztlichen oder pflegefachlichen Rat hinzu.
  • Entfernen Sie Beläge auf Zunge und Zahnfleisch sanft mit weichen Zungen- und Zahnbürsten.
  • Erinnern Sie an die zahnärztliche Kontrolle zweimal jährlich. Organisieren Sie einen zahnärztlichen Hausbesuch, wenn nötig.

Gesundheit im Alltag fördern

  • Vermeiden Sie engen Kontakt mit hustenden oder erkälteten Menschen.
  • Lüften Sie die Räume regelmäßig und sorgen Sie für eine ausreichende Luftfeuchtigkeit. Raum-Befeuchter können dabei helfen.
  • Sorgen Sie dafür, dass die pflegebedürftige Person ausreichend schlafen kann.
  • Motivieren Sie wenn möglich, wenigstens einmal täglich nach draußen zu gehen. Regen Sie dazu an, die frische Luft tief ein- und auszuatmen.
  • Unterstützen Sie dabei, mit dem Rauchen aufzuhören.

Bei Kau- und Schluckproblemen helfen

  • Achten Sie auf gründliches Kauen und Schlucken von Speisen.
  • Finden Sie die Ursache für Probleme beim Kauen oder Schlucken heraus, etwa eine schlecht-sitzende Zahnprothese oder Entzündungen. Holen Sie dazu zahnärztlichen oder ärztlichen Rat ein.
  • Achten Sie auf eine aufrechte Körperhaltung beim Essen und Trinken. Der Kopf sollte leicht nach vorn gebeugt sein.
  • Sorgen Sie für ausreichend Zeit und Ruhe beim Essen.
  • Bieten Sie Häppchen und weiche Speisen an.
  • Stellen Sie mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt bereit.
  • Vermeiden Sie bei Entzündungen im Mund saure und heiße Speisen.
  • Lassen Sie sich zu Schluckhilfen und zu geeignetem Essen professionell beraten. Holen Sie dazu ärztlichen, schluck-therapeutischen (logopädischen) oder pflegefachlichen Rat ein.

Fachlichen Rat einholen

  • Lassen Sie sich von einer Pflegefachkraft oder in einer Physiotherapie-Praxis zu geeigneten Atem-Übungen anleiten.
  • Holen Sie rasch ärztlichen Rat ein, wenn Sie folgende Anzeichen einer Infektion der Atemwege beobachten:
    • Husten
    • schnelle Atmung
    • Fieber
    • Schüttelfrost
    • Kopf- und Gliederschmerzen
    • starkes Krankheitsgefühl
    • Luftnot oder Schwierigkeiten beim Atmen
    • Schmerzen oder Druck in der Brust

Da die Anzeichen für eine Lungen-Entzündung bei älteren Menschen weniger stark ausgeprägt sein können, informieren Sie die Ärztin oder den Arzt außerdem bei:

    • plötzlicher Verwirrtheit
    • schnellem Puls
    • Übelkeit
    • Bauchschmerzen
    • Teilnahmslosigkeit
  • Informieren Sie sich in der Hausarzt-Praxis über Impfungen, etwa gegen bakterielle Lungen-Entzündungen (Pneumokokken-Impfung) oder Grippe. Diese werden von der ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts für alle Menschen ab 60 Jahren empfohlen.

Hinweis zur professionellen Pflege

Aktuelles Fachwissen für die professionelle Pflege zur Vorbeugung von Lungen-Entzündungen ist in der Handlungsempfehlung zur Pneumonieprophylaxe vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) zusammengefasst.

QUELLEN
Breitling, L.P., Saum, K.U., Schottker, B., Holleczek, B., Herth, F.J., Brenner, H. (2016). Pneumonia in the noninstitutionalized older population. Deutsches Ärzteblatt International, 113(37), 607–14. doi: 10.3238/arztebl.2016.0607
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). DEGAM-Leitlinie Nr. 11: Husten. AWMF-Registernr. 053-013. 02.2014
Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie, Deutsche Gesellschaft für Infektiologie, Kompetenznetzwerk CAPNETZ, Österreichische Gesellschaft für Pneumologie, Österreichische Gesellschaft für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin, Schweizerische Gesellschaft für Pneumologie (Hrsg.) (2016). Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie und Prävention – Update 2016. S3-Leitlinie. Pneumologie, 70, 151-200. Link [Stand: 05.04.2019]
Heppner, H.J.(2016). Pneumokokken-Pneumonie. Prophylaxe besonders bei Betagten wichtig. Pneumo News, 8(1), 40-42. doi: 10.1007/s15033-016-0311-3
Kolditz, M., Ewig, S. (2017). Ambulant erworbene Pneumonie bei Erwachsenen. Deutsches Ärzteblatt, 114 (49), 838-48, doi: 10.3238/arztebl.2017.0838
Torres, A., Peetermans, W.E., Viegi, G., Blasi, F. (2013). Risk factors for community-acquired pneumonia in adults in Europe: a literatur review. Thorax, 68 (11), 1057-65. doi: 136/thoraxjnl-2013-204282

AKTUALISIERT
06. August 2019

AUTORINNEN
S. Garay, D. Sulmann,
D. Väthjunker