Sucht

Welche Rolle spielen Suchtmittel bei Pflegebedürftigen?

Suchtmittel sind Stoffe oder Substanzen, die abhängig machen können. Die längerfristige Einnahme kann zu schweren gesundheitlichen Problemen führen. Bei älteren, pflegebedürftigen Menschen sind hierbei vor allem Medikamente bedeutsam. Aber auch Alkohol spielt eine Rolle.

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Medikamente

Mit dem Alter steigt sowohl die Menge als auch der Zeitraum der Einnahme von Medikamenten. Bestimmte Medikamente beinhalten Stoffe, die körperlich oder psychisch abhängig machen können. Besonders Schlaf-, Beruhigungs- und Schmerzmittel haben ein hohes Suchtrisiko. Das gilt vor allem wenn sie über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Etwa jede zweite Patientin bzw. jeder zweite Patient ab 50 Jahren erhält ärztlich verordnete Schlaf- und Beruhigungsmittel (sogenannte Benzodiazepine und Z-Drugs). Auch Schmerzmedikamente werden älteren Menschen häufiger verordnet als jüngeren. Häufig werden Medikamente auch ohne ärztliche Verordnung eingenommen.

Durch die Einnahme von Schlaf- und Beruhigungsmitteln sowie bestimmten Schmerzmedikamenten können unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen auftreten, wie Schwindel, Stürze, Verdauungsstörungen oder Inkontinenz. Die dauerhafte Einnahme kann unter anderem zu geistigen Einschränkungen sowie Schäden an Nieren- und Leber führen. Hinzu kommt, je mehr unterschiedliche Medikamente eingenommen werden (Polymedikation), desto höher ist das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen.

Deshalb ist es wichtig, sich bei der Einnahme von Medikamenten an den ärztlichen Rat zu halten.

Alkohol

Alkohol ist das wohl weit verbreitetste Suchtmittel. Allerdings trinken ältere Menschen insgesamt weniger Alkohol als jüngere. Experten gehen davon aus, dass der Missbrauch von Alkohol bei älteren, pflegebedürftigen Menschen deutlich seltener ist als der von Medikamenten. Dennoch kommt Alkoholmissbrauch auch bei älteren, pflegebedürftiger Menschen vor. Typische Gründe sind Langeweile, Trauer und Einsamkeit. Manchmal liegt auch eine jahrelange alkoholabhängig vor. Viele schwer Alkoholkranke versterben vor dem 60. Lebensjahr an den Folgen.

Der Körper verarbeitet den Alkohol im Alter schlechter und wird schlechter vertragen. Wer übermäßig viel Alkohol trinkt, hat ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Folgen. Besonders in Kombination mit Medikamenten kann es zu problematischen Wechselwirkungen kommen. Folgen können geistige Einschränkungen, Schäden an Organen und nicht zuletzt vermehrte Stürzen mit Prellungen und Knochenbrüchen sein. Dies kann außerdem zu (verstärkter) Pflegebedürftigkeit führen.

Daher ist es wichtig, Risiken für den Missbrauch und Abhängigkeiten wie Alkohol von Suchtmitteln bei pflegebedürftigen Menschen zu erkennen, ernst zu nehmen – und Hilfe anzubieten.

Wichtig
Pflegebedürftige Menschen haben aber auch das Recht, Hilfe abzulehnen. Denn jeder hat das Recht, über sich selbst zu bestimmen – und damit auch eventuell gesundheitliche Risiken in Kauf zu nehmen.

QUELLEN
Ballensiefen, W. & Fersch, M. (2012). Medikamente im Alter: Welche Wirkstoffe sind geeignet? Berlin: Bundesministerium für Bildung und Forschung. Link [Stand: 30.05.2018]
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) Link [Stand: 30.05.2018]
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) (2017). Alkohol – Weniger ist besser. Link [Stand: 02.11.2020]
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) (2014). Medikamente – Sicher und sinnvoll gebrauchen. Link [Stand: 02.11.2018]
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) (2015). Suchtprobleme im Alter: Informationen und Praxishilfen für Fachkräfte und Ehrenamtliche im Sozial-, Gesundheits- und Bildungswesen. Hamm: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. Link [Stand: 30.05.2018]
Knopf, H., & Grams, D. (2013). Arzneimittelanwendung von Erwachsenen in Deutschland: Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt. 56, S. 868–877. doi: 10.1007/s00103-013-1667-8

AKTUALISIERT
am 02. November 2020

AUTOR
N. Kossatz, D. Sulmann

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